»Dann ist die Innenstadt platt«

Einzelhandelsverband übt scharfe Kritik am Laaspher Gutachten / IHK für Kompromiss

Bad Laasphe. Das Einzelhandelsgutachten, das der Bad Laaspher Stadtrat jüngst mehrheitlich verabschiedete und möglicherweise den Weg frei machte für einen großen Edeka-Markt auf dem Koch-Gelände in der Stockwiese, hat in der Lahnstadt zu kontroversen Diskussionen geführt: Zum einen geht es dabei um die Art und Weise, wie die Entscheidung zustande kam, zum anderen um den Inhalt des Gutachtens (Siegener Zeitung berichtete). CDU-Ratsmitglied und Einzelhändler Martin Achatzi hatte vor allem die Tatsache bemängelt, dass im Rahmen des Gutachtens weder die Industrie- und Handelskammer (IHK) noch der Einzelhandelsverband Südwestfalen befragt worden seien.

»Die Frage nach einer Umnutzung des Koch-Geländes ist nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten«, erklärte Hermann-Josef Dröge von der IHK Siegen auf SZ-Anfrage. Natürlich sei es erstrebenswert, einen Markt von solcher Größenordnung in zentraler Lage anzusiedeln. Wenn die Fläche allerdings nicht zur Verfügung stehe, müsse man sich alternative Gedanken mache. »Verzichtet man allerdings komplett auf eine Ansiedlungschance, gibt man nach unserer Auffassung dem Kaufkraftabfluss Nachschub«, ergänzte Hermann-Josef Dröge. Und die Verluste in Bad Laasphe seien nicht unerheblich, zumal in den Nachbarkommunen attraktive Angebote entwickelt worden seien: »Man lebt nicht auf einer Insel in Bad Laasphe.«

Die Entscheidung, ein Gutachten in Auftrag zu geben, sei richtig gewesen, betonte Hermann-Josef Dröge, nun sei es an der Stadt und an den Einzelhändlern, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und einen schwierigen Spagat hinzubekommen. Eine Möglichkeit sei, mit dem neuen Komplex auf dem Koch-Gelände gemeinsame Marketing-Ideen für Bad Laasphe zu entwickeln, »denn es wird ja sicher nicht bei einem Edeka-Markt bleiben«. Bad Laasphe müsse es dem Konsumenten mit einem attraktiven Angebot schwer machen, den Einkauf andernorts zu erledigen. Um folgenden Satz hinterher zu schieben: »Das einzige, was Bad Laasphe nicht tun sollte, ist gar nichts zu tun.« Gerhard Schridde, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Südwestfalen, erklärte in einer ersten Reaktion, »das es schön gewesen wäre, wenn man uns auch gefragt hätte«. Dennoch sei er über den Inhalt des Einzelhandelsgutachtens für Bad Laasphe informiert und kenne die Eckpunkte: »Die Gutachter haben hinsichtlich des Koch-Geländes auch ihre Bauchschmerzen.« Von einer fußläufigen Erreichbarkeit könne ja wohl nicht die Rede sein. Andererseits werde aber ausgeführt, dass ein Areal in dieser Größenordnung im Zentrum nicht vorhanden sei. Für einen guten Kompromiss halte er, so Gerhard Schridde, die Entwicklung des Koch-Geländes nicht: »Wenn da draußen noch eine große Kiste hingestellt wird, dann ist die Innenstadt platt.« Negativbeispiele gebe es in der Umgebung genug. Und weiter: »Natürlich werden die Einzelhändler in der Stadtmitte dann nicht morgen oder übermorgen abschließen, aber in zwei oder drei Jahren wird man sehen, wohin diese Entscheidung führt.«

Die Umsätze seien in den vergangenen Jahren ohnehin rückläufig gewesen, weitere Minuszahlen seien dann eben nicht mehr zu verkraften. Gerhard Schridde legte sogar noch nach: »Natürlich kann die Stadt Bad Laasphe so entscheiden, wenn sie das für richtig hält. Sie sollte dann aber auch die Verantwortung für die Konsequenzen daraus übernehmen.«

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