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SZ-Reihe „Das Rotwild in den vier Jahreszeiten“
Darum werfen die Hirsche ihre Geweihe ab

Auf Hohenroth tragen die Hirsche ihre Geweihe noch, aber bald werfen sie die ab.
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bw Welschengeheu. Die Natur steht kurz vor dem Erwachen. Langsam geht der Winter zu Ende und mit den steigenden Temperaturen beginnt die Zeit der Erneuerung in Flora und Fauna. Ganz markant spiegelt sich dies bei den Hirschen wider, denn am Ende eines jeden Winters werfen sie ihre prachtvollen Geweihe ab. Warum sie dies tun und welche Nöte das Wild im strengen Winter leidet, erläutert Hirschrufer und Wildexperte Tasso Wolzenburg aus Welschengeheu in der neuen SZ-Reihe „Das Rotwild in den vier Jahreszeiten“.

Strenger Fros

bw Welschengeheu. Die Natur steht kurz vor dem Erwachen. Langsam geht der Winter zu Ende und mit den steigenden Temperaturen beginnt die Zeit der Erneuerung in Flora und Fauna. Ganz markant spiegelt sich dies bei den Hirschen wider, denn am Ende eines jeden Winters werfen sie ihre prachtvollen Geweihe ab. Warum sie dies tun und welche Nöte das Wild im strengen Winter leidet, erläutert Hirschrufer und Wildexperte Tasso Wolzenburg aus Welschengeheu in der neuen SZ-Reihe „Das Rotwild in den vier Jahreszeiten“.

Strenger Frost macht dem Hirsch wenig aus

Nachdem die Winter in den vergangenen Jahren recht mild waren und die Winter, wie die älteren Wittgensteiner sie von früher kennen, ohnehin kaum noch zu erleben sind, liegen einige ungewohnt kalte Wochen hinter uns. Die Minustemperaturen von 20 Grad unter Null und mehr machen dem Hirsch grundsätzlich nicht viel aus, wie Tasso Wolzenburg verrät. Für das Rotwild seien hingegen eher Temperaturschwankungen und der Wechsel bei nasskalter Witterung schwierig. Große Not gelitten hätten die Tiere aber dennoch, weiß der Hirschrufer zu berichten. Das hat auch daran gelegen, dass nicht überall in ausreichender Weise zugefüttert worden sei, merkt der Welschengeheuer an.
Das Rotwild hat seine Probleme, wenn die Schneedecke hoch und der Boden darunter hart gefroren ist. So kommen die Tiere auf einem verharschten Untergrund nur schwer an die Vegetation. Was in dieser Situation der Doppelbelastung von Minusgraden und Schneedecke hilft, ist etwa Rinde von weichen Gehölzen. Zu sehen sei dies jetzt im Bereich Steimel und Breidenbach zwischen Erndtebrück und Schameder, wo Weiden und Ebereschen komplett geschält seien. Für die Hirsche seien deren Rinde auch bei Frost noch gut zu schälen und die Nährstoffe wichtig. Grundsätzlich fordert Tasso Wolzenburg, dass Hirsche in der Winterzeit auch entsprechend gefüttert werden: „Wir müssen dem Wild in der Situation helfen. Mich ärgert es deswegen, wenn manche Jäger jetzt in dieser Notzeit nichts für das Wild tun. An Trophäen erinnert man sich gerne, aber die Notzeit und die Winterfütterung scheinen für manche ein Fremdwort zu sein.“

Milde Winter kommen dem Wild entgegen

Daher ist es auch wenig verwunderlich, dass immer wieder Hirsche in ihrer Not an Siloballen gehen, die auf den Feldern herumliegen. Mit ihren Geweihen reißen sie die Ballen auf, um an die Silage zu gelangen. Erlebt hat Tasso Wolzenburg dies vor einigen Jahren schon auf Hohenroth, auch in diesem Jahr sei dies wieder zu beobachten. Insofern appelliert er an Waidmänner, Siloballen bei Landwirten zu kaufen und an das Wild zu verfüttern. Das ist letztlich auch Teil der Hege. Die eher milden Winter der vergangenen Jahre kommen natürlich dem Wild entgegen, hat es doch dann viel weniger Probleme bei der Nahrungsaufnahme. Die zurückliegenden Wochen mit strengem Winter sind ja doch wie eingangs erwähnt eher die Ausnahme.

Warum die Hirsche ihre Geweihe abwerfen, erklärt Hirschrufer Tasso Wolzenburg.

In den letzten Wochen des Winters verlieren die Hirsche nun bald auch ihre Geweihe. „Mutter Natur ermöglicht es diesen Tieren, dass sie sich verbessern“, erläutert Tasso Wolzenburg. Sie wachsen, sie werden stärker und beim Hirsch kommt eben hinzu, dass ihm jedes Jahr ein neues Geweih nachwächst. Beim jungen Tier dauert das etwa 100 Tage vom Abwurf bis zu dem komplett ausgebildeten neuen Geweih, bei einem mittelalten Hirsch sind es 135 Tage und beim alten Hirsch etwa 145 Tage. Der Laie könnte nun freilich denken, dass auch die Zahl der Enden eines Geweihs jeweils Rückschlüsse auf das Alter eines Hirsches geben könnte. Sprich: Je älter der Hirsch, desto mehr Enden hat das Geweih. Das sei jedoch mitnichten so, klärt Tasso Wolzenburg auf. Wie prächtig sich das Geweih als Kopfschmuck jeweils entwickelt, sei letztlich eine Laune der Natur.
Der Stangenabwurf wird hormonell gesteuert, wie Tasso Wolzenburg erzählt: Ist der Testosteronspiegel im Keller, heißt es für den Hirsch, sein Geweih abzuwerfen. Im Gegensatz dazu gilt jedoch auch: Wenn der Hirsch nur so vor Testosteron strotzt, ist Brunftzeit. Aber darüber berichten wir in einer anderen Episode unserer Reihe – denn das geschieht erst in einer ganz anderen Jahreszeit.

Auf Hohenroth tragen die Hirsche ihre Geweihe noch, aber bald werfen sie die ab.
Warum die Hirsche ihre Geweihe abwerfen, erklärt Hirschrufer Tasso Wolzenburg.
Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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