»Das Selbstbewusstsein stärken«

Referentin sprach in Bad Laasphe über Strategien gegen Rechtsextremismus unter Frauen

Bad Laasphe. »Welche Rolle spielen Mädchen und junge Frauen in der rechtsextremen Szene?« – diese Frage stellte jetzt ein Vortrag im Bad Laaspher Haus des Gastes. Referentin war Dr.Hildegard Mogge-Grotjahn, Sozialwissenschaftlerin und Professorin für Soziologie an der evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum. Die Laaspher Gleichstellungsbeauftragte Marika Kunold hatte den Abend in Zusammenarbeit mit der Kreuztaler Beratungsstelle »Für Mädchen in Not« organisiert. Eingeladen waren Lehrer, soziale Fachkräfte und andere Interessierte.

Stellen auch Wähler und Parteimitglieder

Der Aspekt, dass Rechtsextremismus nicht nur ein Problem männlicher Randgruppen ist, wie es oft von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, sei sehr wichtig. Man müsse sich bewusst machen, dass es rechtsextremes Denken und entsprechendes Handeln bei Frauen und Männern in allen Schichten gibt. Hildegard Mogge-Grotjahn stieg mit einer allgemeinen Erklärung des Begriffes Rechtsextremismus in ihren Vortrag ein. Einige Statistiken wurden vorgestellt, die besonders die Beteiligung der Frauen beleuchteten. Bei Wahlen sind ein Drittel der rechtsextremen Wähler Frauen, etwa 30 Prozent der Mitglieder rechtsextremer Parteien sind Frauen. 25 bis 40 Prozent der latent Rechtsextremen sind Mädchen.

Die Andersartigkeit wird abgewertet

Es ist zu erkennen, dass sie meist nicht selbst zuschlagen, sondern eher im Umfeld der gewalttätigen Männer zu finden sind. Es stellt sich die Frage, was das für Mädchen oder junge Frauen sind, die sich in dieser Szene bewegen. Zum einen sind es sehr unterschiedliche Typen, zum anderen zeigt sich bei ihnen sehr deutlich die Abwertung der Andersartigkeit. Sie kommen aus schwierigen, aber auch aus gutbürgerlichen Familien. Als Begründung werden oft schlechte Erfahrungen mit männlichen Ausländern genannt.

Prozess nicht von heute auf morgen

Man kommt aber nicht von heute auf morgen in die rechte Szene. Schleichende, biographische begründete Prozesse spielen eine wichtige Rolle. Die Mädchen haben oft Freunde in der rechten Ecke, die sie vor ausländischen Jungen schützen sollen. Andererseits wollen sie teilweise aber auch emanzipiert und selbst stark sein. Diese suchen zwar Spannung und Abenteuer, aber auch nach Sicherheit. Und die wird ihnen in der rechten Szene versprochen. Rechte Mädchen seien oft viel normaler, als man sie sich vorstelle, so Hildegard Mogge Grotjahn.

Langfristig und präventiv arbeiten

Nicht viele neue Methoden müssten gegen den Rechtsextremismus entwickelt werden, so lautete der Schluss der Professorin. Es müssen präventive und langfristige Strategien eingesetzt werden. Das Selbstbewusstsein der jungen Frauen müsse gestärkt werden. Außerdem solle jeder bei sich selbst anfangen, um gegen den Rechtsextremismus anzukämpfen. Die Verantwortung dürfe nicht zwischen Eltern, Lehrern und anderen sozial Tätigen umhergeschoben. Kurzfristige Programme seien einfach nicht effektiv.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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