Das Ziel ist „Nachbarschaft der Religionen“

Laasphes Kurseelsorger Johannes Weissinger (l.) hatte Professor Dr. Bertold Klappert eingeladen. Foto: jg

jg Bad Laasphe. Klappert - das hört sich für Wittgensteiner Ohren stets ein bisschen nach Siegerland an und das stimmte auch am Montagabend wieder im Laaspher Haus des Gastes. Mit dem Vortrag „Abraham eint und unterscheidet - was Juden, Christen und Muslime verbindet“ von Professor Dr. Bertold Klappert endete die Gesprächsreihe „Mehr Dialog: Jetzt!“ der Laaspher Kurseelsorge. Auch wenn als Wohnort des Referenten Wuppertal angegeben war und als Geburtsort Sumatra, so kam Bertold Klapperts Familie dennoch aus dem Siegerland. Sein Vater war als Missionar in der Weltgeschichte unterwegs, das erklärt den exotischen Geburtsort des knapp 70-Jährigen.

Der studierte Theologe, Philosoph und Religionswissenschaftler hat allein durch seine Kindheit auf der indonesischen Insel Sumatra die besondere Erfahrung, als Christ in einer mehrheitlich islamischen Umgebung aufgewachsen zu sein. Sehr genau kann er deshalb zwischen den verschiedenen Strömungen im Islam unterscheiden und diese auch einschätzen. Dabei war ihm immer wieder wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Fundamentalisten auch bei den Muslimen lediglich einen geringen Teil ausmachten. Und man könne die verschiedenen Gruppen eben nicht über einen Kamm scheren, genauso wie sein eigenes Christentum nicht mit dem von George W. Bush deckungsgleich sei. Und noch etwas war dem Referenten wichtig: Jedem Christen in unserem Kulturkreis wohne ein Anti-Islamismus inne, nicht rational begründet, sondern tief in der Psyche angelegt. Auch das eine Tatsache, die man immer im Kopf habe müsse.

Lange Zeite hatte sich Bertold Klappert für den christlich-jüdischen Dialog stark gemacht, heute ist er überzeugt, dass sich der Dialog dem Islam öffnen muss, Bertold Klapperts Ausgangs-These: „Die Exklusivitäts-Ansprüche und Überlegenheits-Ideologien der Religionen werden keine Zukunft haben. Weder ein das Judentum und den Islam ausschließender christlicher Fundamentalismus noch das Verständnis des Christentums als absoluter Religion, aber auch kein Konzept eines christlich-jüdischen Dialogs, das die Begegnung mit dem Judentum zurecht für theologisch-esentiell, aber die Begegnung mit dem Islam lediglich für kulturell bedingt hält.“

Eine ganz wichtige Person auf dem Weg der Begegnung ist für Bertold Klappert Abraham, den sowohl Juden als auch Muslime als Vater wahrnehmen. Anders die Christen, aus deren Leben der alt-testamentarische Abraham quasi verschwunden sei, dabei müsse er doch eigentlich auch für diese relevant sein, denn der Referent war sicher: „Jesus Christus bringt den Segen Abrahams in die Völkerwelt.“

In den Ausführungen konnte man einige konkrete Illustrationen aus der Lebensgeschichte Berthold Klapperst hören, der auch jetzt Sumatra noch „meine indonesische Heimat“ nannte und der die missionarische Tätigkeit zwar kritisch sah, aber auch einräumte, dass durch die Missionare „viel Gutes geschaffen“ worden sei. Die Aufgabe der Gläubigen sah er ganz einfach: „Wir müssen hinarbeiten auf eine Nachbarschaft der Religionen.“ Und dabei könne man als Christ auch von Islam lernen. So wie Jesus Christus das Licht sei, das für alle Menschen leuchte, so könnten sich die Christen auch außerhalb des Christentums auf die Suche nach solchen Orientierungspunkten machen: „Wo sind die Lichter, die für uns alle leuchten?“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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