Desillusioniert gegen optimistisch

jg Bad Laasphe. Nach rund 40 Jahren schließt zum Jahresende das Spielwarengeschäft Metz an der Königstraße seine Pforten. Jedenfalls höchstwahrscheinlich. Wenn noch zu viele Waren da sind, dann werde man vielleicht noch ein bisschen länger auflassen oder alles im Internet verscherbeln, so gestern der Chef Joachim Metz im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Das traditionsreiche Geschäft - schon seit 1842 gibt es die Geschäftsleute Metz in eben diesem Haus an der König-straße - ist nicht nur das größe Spielwarengeschäft in Wittgenstein, sondern brachte mit seinem guten Ruf auch viele Kunden in die Lahnstadt. Aus ganz Wittgenstein und dem benachbarten Hessen, aber auch von weiter weg seien die Käufer gekommen.

Weil sie keinen Nachfolger gehabt hätten, müssten sie nun schließen. Seit zwei Jahren hätten sie geschaut, ob sie nicht doch jemanden finden würden, erläuterte die Chefin Rosemarie Metz. Das Nachfolger-Problem ist zwar ein ganz allgemeines, aber mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung sieht es das Ehepaar auch als ein spezifisches Problem der Lahnstadt an. Über Jahre sei hier Vieles falsch gelaufen. An der Königstraße fehlten Parkplätze - und „Was uns das Genick gebrochen hat, ist das Pflaster“, ist sich Joachim Metz sicher, dass der Rückbau der Königstraße mit seinem Kopfsteinpflaster nicht unbedingt kundenfreundlich gewesen sei. Insgesamt hätte er sich einfach mehr Engagement von Stadtverwaltung und Laaspher Tourismus-, Kur- und Stadtentwicklungs-GmbH erwartet. Wobei er auch von den Laaspher Einzelhändlern einfach mehr Geschlossenheit gewünscht hätte. Früher sei Laasphe weit vor Berleburg und Erndtebrück gewesen, das sei heute vorbei.

Während die Familie Metz die Situation relativ desillusioniert sieht, gibt es auch eine andere Sicht. Etwa die von Heidrun Wolff und Bernd Petzolt. Zur Ideenschmiede Stähler an der Königstraße haben sie das Geschäft Optik Stähler am Wilhelmsplatz hinzugenommen - und sich so ein zweites Standbein in der Lahnstadt verschafft. Bernd Petzolt, der vom Main nach Wittgenstein gekommen ist, kann als Zugereister die Sache vielleicht objektiver betrachten. Da fällt ihm eines als Erstes auf: „Ich kann nicht verstehen, weshalb die Laaspher so schlecht über ihre Stadt sprechen.“ Die wunderbare Natur rundherum, die schöne Altstadt und dann abends auch noch ein beleuchtetes Schloss.

Dennoch sieht auch er Probleme: Das Pflaster, wo Frauen mit hohen Absätzen oder alte Leute schwer laufen könnten, überhaupt stimme das Verkehrskonzept der Königstraße nicht. Hier dürfe es keinen Begegnungsverkehr geben, eine Einbahnstraße, wie früher, wäre die richtige Lösung. Für eine Fußgängerzone gebe es nach derzeitigem Stand einfach zu wenige Geschäfte an der Königstraße.

Viel Hoffnung setzt der Mann, der auch stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Pro Bad Laasphe“ ist, auf den neuen Laaspher Bürgermeister, Dr. Torsten Spillmann. „Der ist jung, der ist dynamisch, der ist aus der NRW-Bank, der kennt die Fördertöpfe.“ Vor allem Fördertöpfe hört sich gut an, aber Bernd Petzolt setzt auch auf die Dynamik. Er hoffe, dass der Verwaltungs-Chef für ein neues Miteinander sorge. Denn Stadt, Einzelhändler und Bürger könnten nur zusammen etwas erreichen - und das Potenzial sei gewiss da. Die Hauptaufgabe werde es künftig sein, die Kunden aus dem Koch-Zentrum in die eigentliche Kernstadt zu ziehen. Hinweisschilder wären hier eine Möglichkeit.Auch der Pro-Bad-Laasphe-Vorsitzende Timm Groß vom Hörstudio Groß sieht die wichtigste Aufgabe im Brücken-Bauen. Die rund zwei Dutzend Händler des Vereins zögen ja schon einmal alle an einem Strang, auch die Zusammenarbeit mit der TKS bezeichnete Timm Groß als gut.Gestern lief in Bad Laasphe die Advents-Aktion von „Pro Bad Laasphe“ an: In den Mitglieds-Geschäften gibt es nacheinander an jedem Tag bis Heiligabend eine Aktion. Wer gestern etwa eine Kamera bei Martin Achatzi kaufte, bekam eine Bad-Laasphe-Uhr geschenkt. Die weiteren Aktions-Daten der Geschäfte kann man im Internet unter http://www.bad-laasphe.de nachschauen, es gibt zum Beispiel unglaubliche Geschenke wie Salami-Pralinen.Indes gibt es auch andere gute Zeichen in Bad Laasphe. Die Schaufenster der seit Sommer verlassenen Bücherinsel schauen nicht mehr leer auf die Lahnstraße. Hier ist zwar kein neuer Laden eingezogen, aber Marcel Müller von Loco Motion Sports in Dautphetal-Mornshausen zeigt, was er fahrrad-technisch - vor allem im Bereich Mountain-Bikes - zu bieten hat. Er habe solch ein Schaufenster-Angebot auch aus Biedenkopf gehabt, aber sich doch für Bad Laasphe entschieden, von hier habe er schließlich viele Kunden. Und es gibt noch ein positives Zeichen aus der Stockwiese. Dennis Kilian, der Chef vom nagelneuen Edeka-Markt im Ludwig-Koch-Zentrum, sagte gestern auf Anfrage der SZ, er verstehe die Sorgen der Geschäftsleute in der Kernstadt gut, deshalb könne er sich vorstellen, dass man gemeinsame Aktionen durchführe, um für beide Standorte Kunden nach Bad Laasphe zu ziehen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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