August-Hermann-Francke-Haus
Die Werkstattarbeit findet derzeit im Homeoffice statt

Trotz Corona-Pandemie: Im August-Hermann-Francke-Haus in Bad Laasphe geht der Werkstatt-Betrieb weiter. Möglich macht es eine fruchtbare Kooperation mit dem Wittgensteiner Technik-Service (WTS) der Arbeiterwohlfahrt. Foto: Diakonie
  • Trotz Corona-Pandemie: Im August-Hermann-Francke-Haus in Bad Laasphe geht der Werkstatt-Betrieb weiter. Möglich macht es eine fruchtbare Kooperation mit dem Wittgensteiner Technik-Service (WTS) der Arbeiterwohlfahrt. Foto: Diakonie
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sz Bad Laasphe. Arbeiten von Zuhause aus: Dieses Konzept wird auch im August-Hermann-Francke-Haus in Bad Laasphe umgesetzt. In der Einrichtung der Sozialen Dienste der Diakonie in Südwestfalen leben 26 Frauen und Männer, die psychisch erkrankt sind. Viele von ihnen gehen einer Arbeit im Wittgensteiner Technik-Service (WTS), einer Einrichtung der AWo-Werkstätten in Schameder, nach. Corona-bedingt wurde im März ein Betretungsverbot in den Werkstätten beschlossen. Statt einfach abzuwarten, bewiesen die Teams um August-Hermann-Francke-Haus-Leiterin Margit Haars und die AWo-Betriebsleiter Doreen Wedekind und Jörg-Michael Bald Kreativität – und realisierten die Arbeit im Homeoffice.

„Eine Arbeit zu haben, ist für viele unserer Bewohner ein wichtiger Faktor. Dies bringt Struktur ins Leben, man fühlt sich gebraucht und natürlich verdienen sich unsere Bewohner damit auch etwas dazu“, betont Margit Haars. Die geschlossenen Werkstätten waren für viele der Beschäftigten ein Schock: „Da mussten wir einfach handeln.“ Bei der Ideensuche arbeiteten die Diakonie in Südwestfalen und die Siegener Werkstätten der Arbeiterwohlfahrt Hand in Hand. „Viele Gespräche wurden geführt, viele Denkanstöße gegeben. Beide Träger machten sich gemeinsam stark – zum Wohle unserer Einrichtung“, erläutert Margit Haars.

Und Jörg-Michael Bald ergänzt: „Für uns war von Anfang an klar, dass wir sehr schnell ein Konzept entwickeln mussten, mit dem wir die Werkstattleistungen unter diesen schwierigen Bedingungen weiterführen konnten. In Bad Laasphe wurden wir mit offenen Armen empfangen.“ Die Homeoffice-Werkstatt befindet sich in den beiden Ergotherapie-Räumen des August-Hermann-Francke-Hauses. Die „Manpower“ liefert die AWo: Deren Mitarbeiter Matthias Herling erklärte sich bereit, seinen Arbeitsplatz nach Bad Laasphe zu verlegen. Die Unterstützung freut Margit Haars: „Matthias Herling betreut hier bei uns eine wesentlich kleinere Gruppe von Beschäftigten, als dies in der Werkstatt seinem Stellenumfang entsprechen würde. Für uns ist dieses Entgegenkommen Gold wert.“

Nach den Verhandlungen ging es dann ans Einrichten: Matthias Herling brachte Werkzeug, Zählwaage und Co. aus Schameder mit, damit die Produktion weitergehen konnte. Unter anderem zählen Automobilzulieferer zu den Kunden der AWo-Werkstätten, in denen insgesamt sieben Bewohner des August-Hermann-Francke-Hauses beschäftigt sind. Zu ihren Aufgaben gehört es, Schrauben abzuwiegen oder Dichtungen zu stapeln. „Kleinere Aufträge können wir im Homeoffice hier gut erledigen“, erläutert Herling. Wie gut den Werkstatt-Mitarbeitern ihre Arbeit gefällt, bemerken auch die übrigen Bewohner. „Einige von ihnen haben auch schon stundenweise hospitiert, natürlich unter Berücksichtigung aller Corona-Vorschriften“, verrät Margit Haars. Ihre „Vision“ wäre es, die Heim-Werkstatt als einen festen Bestandteil des Haus-Programms bestehen zu lassen. Damit würde, so Haars, eine weitere Barriere für die Teilhabe am Arbeitsleben fallen, denn „für Menschen mit psychischen Erkrankungen ist der Schritt in die Werkstatt oft mit hohen Hürden verbunden“.

Mit einer „Werkstatt vor Ort“ könne man niedrigschwellige und kleinschrittige Angebote auf dem Weg ins Arbeitsleben machen. Auch für Doreen Wedekind und Jörg-Michael Bald stellen sich die gemachten Erfahrungen positiv dar: „Gerne möchten wir zusammen überlegen, wie solch ein Angebot auch ohne die Corona-Einschränkungen weitergeführt und fest installiert werden kann.“ Dafür könnten weitere Kooperationen geknüpft werden.

Erste Gespräche habe es diesbezüglich schon mit dem örtlichen Sozialwerk St. Georg gegeben. Margit Haars: „Vorstellen könnten wir uns projektbezogene gemeinsame Aktionen.“ Davon profitieren könnten dann – neben den Bewohnern – auch Klienten, die von den Mitarbeitern des August-Hermann-Francke-Hauses ambulant versorgt werden. Anfragen habe es laut Margit Haars bereits gegeben: „Der Bedarf ist definitiv da.“ Räumlichkeiten gebe es genug – auch im künftigen August-Hermann-Francke-Haus, das derzeit in Sichtweite zum Altbestand gebaut wird. Der Grundstein wurde jüngst gelegt. Die Fertigstellung ist im Juni/Juli 2021 avisiert.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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