Ein Brunnen ohne Wasser

Dass ein Brunnen ohne Wasser relativ witzlos ist, sieht man hier – auch wenn das Feudinger Umfeld natürlich wunderschön ist. Foto: jg
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jg Feudingen. Dass es in Wittgenstein landschaftlich schön ist, ist unbestritten, das weiß doch jeder. Aber es gibt auch wunderschöne Fleckchen mit Häusern drumherum. Schaut man da etwa auf das Laaspher Stadtgebiet, dann wären wohl der Hesselbacher Spreit, der Niederlaaspher Brückenplatz, die Kernstadt-Königstraße oder die Feudinger Gasse zu nennen. Die Letztgenannte hat trotz Blick auf die altehrwürdige Kirche und wunderschöner Fachwerkhäusern derzeit jedoch einen Mangel: einen wasserlosen Brunnen. Obwohl man auch im Oberen Lahntal derzeit nicht mehr mit Frost rechnen muss, und der Brunnen eigentlich problemlos plätschern könnte.

Aber hier plätschert nichts, die Erklärung dafür ist eine längere Geschichte. Klaus Pankalla erinnert sich als zuständiger Mann im Laaspher Rathaus folgendermaßen: In Abstimmung mit dem Feudinger Ortsvorsteher Erich Horchler habe er vor zwei, drei Monaten beschlossen, den Brunnen erst einmal nicht in Betrieb zu nehmen. Der Grund: der Stromverteilerkasten habe nicht den Vorschriften entsprochen, sei zudem gefährlich gewesen. Daraufhin, so Klaus Pankalla, habe man Kostenvoranschläge für neue Verteilerkästen machen lassen, einmal ausschließlich für den Brunnen, zum anderen auch mit der Möglichkeit, dass sich Vereine bei den üblichen Festlichkeiten in der Gasse Strom holen können. Das eine hätte 5000 Euro gekostet, das andere 8000 Euro. Kurzfristig sei sogar über ein provisorisches In-Betrieb-Nehmen des Brunnens nachgedacht worden, dafür sollte der bestehende Stromkasten nur gegen Umkippen gesichert werden. Doch bei einem neuerlichen Ortstermin in Feudingen habe sich herausgestellt, dass es noch sehr viel mehr Schäden gebe. An den Pumpen sei etwas kaputt, die Flansche verrostet. Inzwischen geht Klaus Pankalla von Kosten in Höhe von 20 000 oder 25 000 Euro aus, offenkundig sei eine grundlegende Sanierung nötig. Das sei für die Lahnstadt mit ihrem Nothaushalt in diesem Jahr nicht mehr zu realisieren. Deshalb geht Klaus Pankalla davon aus, dass es nun im kommenden Jahr zu der grundlegenden Sanierung kommt.

Wie nicht anders zu erwarten, wird das im Oberen Lahntal kritisch gesehen. Hermann Kuhli als einer der Brunnen-Mitinitiatoren etwa erinnert sich daran, wie der Arbeitskreis der Feudinger Vereine den Brunnen 1985 als Geschenk an die Stadt Bad Laasphe übergeben hatte. Er sieht mit Unbehagen, wie die Stadt mit diesem kostbarem Schmuckstück in der Zwischenzeit umgegangen ist. Wenn es die gleichen Probleme am Laaspher Altstadt-Brunnen gegeben hätte, dann hätte die Verwaltung bestimmt auch noch Geld im Konjunkturpaket-Säckel gefunden, um eine Reparatur durchzuführen. Aber es sei wohl so, dass man in der Kernstadt denke, die Probleme der Dörfer könne man dort ja irgendwie ehrenamtlich regeln. Und da fiel Hermann Kuli auch wieder ein, dass der damalige Laaspher Stadtdirektor Werner Beckehoff zum Lob des ehrenamtlichen Engagements einmal aus Goethes „Hermann und Dorothea“ zitiert habe. „Sieht man am Hause doch gleich so deutlich, wes Sinnes der Herr sei, wie man, das Städtchen betretend, die Obrigkeiten beurteilt. Denn wo die Türme verfallen und Mauern, wo in den Gräben Unrat sich häufet und Unrat auf allen Gassen herumliegt, wo der Stein aus der Fuge sich rückt und nicht wieder gesetzt wird, wo der Balken verfault und das Haus vergeblich die neue Unterstützung erwartet: Der Ort ist übel regieret.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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