Ein Doppelleben als Prinz und Papst-Entführer

Ernst-Jürgen Knebel feiert jetzt 40 Jahre Laienschauspiel / Am Samstag hat ein besonderes Stück in Bad Laasphe Premiere

vg Niederlaasphe. Er war schon einmal Mörder und Pfarrer, Verführer und Frauenhasser, Edelmann und Tagedieb, Hexe und Aktionär – wer kann das schon von sich selbst behaupten? Ernst-Jürgen Knebel kann. Und wenn er auf die vergangenen 40 Jahre als Laienschauspieler zurückblickt, werden plötzlich alle Theaterstücke, Figuren und Erlebnisse wieder lebendig – vor dem geistigen Auge. Plötzlich sieht er sich wieder im tailliertem Anzug auf der Bühne stehen, erinnert sich, wie er als gehörnter Gatte mit offenem Mund von der Balkonbrüstung herab zappelte oder als furchtloser Taxifahrer mit vorgehaltener Waffe den Papst entführte. 74 verschiedene Rollen hat er gespielt, 50 Mal Regie und Gesamtleitung geführt. Die Bühne ist seine große Leidenschaft.

Wo um alles in der Welt ist der Dolch?

40 Jahre Schauspielerei, das heißt in erster Linie auch sehr viele Erinnerungen an turbulente Bühnenszenen, an Gelächter, Applaus, Kameralicht und natürlich auch an Patzer – die das Publikum natürlich nicht bemerken durfte. Einer dieser Patzer ereignete sich zum Beispiel in »Der falsche Prinz«, einer Aufführung aus dem Jahr 1977. »Ich weiß noch genau, wie es passierte«, erinnert sich Ernst-Jürgen Knebel und lächelt. »Ich spielte den Prinzen, hatte mich hingelegt und schlief. In dieser Szene musste dem Prinzen der Dolch gestohlen werden.« Noch bevor der Dieb überhaupt die Bühne betreten konnte, merkte der schlafende Prinz auf der Bühne plötzlich, dass er überhaupt keinen Dolch bei sich hatte. »Verdammt, dachte ich, wo um alles in der Welt ist der Dolch?«. Doch der Laienschauspieler überlegte nicht lange, »ich habe mich sofort aus meinem Schlaf erhoben, natürlich langsam und nicht auffällig – das Publikum sollte ja nichts merken – dann habe ich gesagt, dass ich mal kurz nach den Pferden sehen müsse und bin sofort hinter die Bühne, wo auch mein Dolch lag.« Ernst-Jürgen Knebel lacht. »In einem anderen Stück habe ich sogar mal meinen Auftritt vergessen«, erinnert er sich. Er habe damals auf der Terrasse eines Hotels gesessen – »bei einem Glas Rotwein, in dem natürlich Kirschsaft drin war«, und habe in die Ferne geschaut - so schrieb das die Rolle vor. Er habe sich aber so sehr auf das Schauen konzentriert, dass er plötzlich ganz vergaß, seinen Text zu sprechen. »Da ist eine Kollegin auf Knien hinter der Brüstung zu mir gekrochen und hat mir von unten zugeflüstert: »Jürgen, dein Text!« Nach dem Stück habe man ihm schließlich gesagt, dass er durch sein Spiel die ganze Szene gerettet habe – »dabei war ich es ja, der dabei beinahe die Szene kaputt gemacht hätte.«

Als Taxifahrer den Papst entführt

Ernst-Jürgen Knebel hat die verschiedensten Rollen gespielt: Pfarrer, Landstreicher oder Ehemänner. Auf die Frage nach seiner bisherigen Lieblingsrolle, antwortet der 63-Jährige ohne Umschweife: »Das war eindeutig der Taxifahrer Samuel Leibkowitz – derjenige, der den Papst entführt.« Zum Theater kam er über die Bad Laaspher Laienbühne. »Am Anfang bin ich mal für einen Beleuchter eingesprungen«, erinnert er sich,–dann, ein Jahr später, bekam er seine erste Rolle: Balduin Sturm in »Rosemarie kommt aus Wildwest« – »das war aber eher ne Nebenrolle.« Mit dem Theaterstück »Rose Bern«, in dem er den Christoph Flamm spielte, kamen die ersten auswärtigen Gastspiele, zum Beispiel in Düsseldorf und Hagen. »Beinahe wäre ich damals auch bei einer richtigen Bühne gelandet«, sagt er. Liesel Christ – dem einen oder anderen noch als »Mama Hesselbach« bekannt – wollte ihn nämlich für die Frankfurter Volksbühne haben: »Liesel Christ sagte zu mir: Sie könnte ich als Typ gebrauchen«, erinnert er sich. Als er ihr jedoch antwortete, dass er gar keine Schauspielschule besucht habe, habe sie im besten Frankfurter Dialekt gewettert: »Gehn se mir fortt mit denne.« Das einzige, was er sich für ihre Bühne aneignen müsse, sei »en bisschen Frankfurterisch.« Doch Ernst-Jürgen Knebel konnte das verlockende Angebot nicht annehmen, erst starb seine Mutter, dann sein Bruder. Da habe ihm sein Vater gesagt: »Jetzt willst du mich doch wohl nicht alleine lassen.« Ernst-Jürgen Knebel kümmerte sich weiter um seine Bad Laaspher Schauspielgruppe, die dem Bund der Vertriebenen angehört. Ab 1974 übernahm er schließlich als einziger Nicht-Vertriebener die gesamte Spielleitung und wurde 1994 auf der Bühne mit der goldenen Ehrennadel vom BdV ausgezeichnet. Neben Schauspielerei und Regie liegt dem Niederlaaspher aber auch noch etwas anderes am Herzen: die Bühnenbild-Gestaltung. Insgesamt 57 Bühnenbilder hat er bislang entworfen und gebaut, Kostüme gesammelt und zusammen getragen. »Man glaubt gar nicht, wie viele Gegenstände aus meinem Wohnräumen schon auf der Bühne standen - im Grunde alle«, sagt er und grinst.

Der Neffe ist jetzt der Onkel

Mittlerweile ist er der Motor der Laaspher Laienschauspielgruppe. Und weil er jetzt 40 Jahre Bühnenpräsenz feiert, hat er sich einen besonderen Wunsch erfüllt: »Zurzeit proben wir an dem Stück Pension Schöller, in dem ich schon mal vor vielen Jahren mitgespielt habe.« Damals übernahm er die Rolle des Neffen Alfred Klapproth. Diesmal aber den Onkel Philipp Klapproth.–»Dafür lasse ich mir extra den Bart länger wachsen«, sagt er. Und für die Rolle zieht er sich auch in letzter Zeit öfter in sein Wohnzimmer zurück, um das Textbuch zu studieren. Die Besetzung von damals gibt es schon lange nicht mehr, »ich bin eigentlich der einzige, der noch übrig geblieben ist«, sagt er, aber die Erinnerungen an die damalige Zeit bleiben in seinen Fotoalben lebendig, die er über die Jahre hinweg sorgfältig angelegt hat.

Pension Schöller hat erneut Premiere

Am Samstag 14. Oktober, hat das Stück »Pension Schöller« nun noch einmal Premiere, um 19.30 Uhr in der Sporthalle der Grundschule Bad Laasphe. Weitere Aufführungen finden am Sonntag, 15.Oktober, um 15 Uhr und am Samstag, 21. Oktober, um 19.30 Uhr statt. »Bis dahin liegen noch ein paar Proben an«, sagt Ernst-Jürgen Knebel, lehnt sich auf seinem Sofa zurück und schlägt das Textbuch auf.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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