Ein Glückstag – für die in Hüsten

Niederlaaspher Pfarrer, Notfallseelsorger und Marathon-Mann Roland Krämer verabschiedet

tk Niederlaasphe. Niemals geht man so ganz. Auf diese Worte von Trude Herr hoffen auch die Niederlaaspher. Pfarrer Roland Krämer verlässt die evangelische Kirchengemeinde Bad Laasphe nach 13 Jahren in Richtung Hüsten. Allen Anwesenden fiel es am Sonntag sichtlich schwer, Abschied vom ersten Pfarrer für Puderbach und Niederlaasphe zu nehmen, hätte man ihn doch viel lieber weiterhin als geistlichen Beistand in Wittgenstein gehabt. Es half aber nichts, der schönen Zeit nachzujammern, denn Krämer hatte die Entscheidung getroffen und es galt, diese zu respektieren.

Betrieb wie im Vatikan zu Ostern

Deshalb war die Niederlaaspher Kirche so gut besucht wie der Vatikan zu Ostern. Ein Großteil der Dorfbewohner sowie viele Puderbacher und auch Laaspher Gemeindemitglieder hatten bei strahlendem Sonnenschein den Weg gefunden, um dem beliebten Pfarrer Tschüß zu sagen. Zur musikalischen Umrahmung war der Posaunenchor der Kirchengemeinde erschienen, dem auch Krämer angehörte. In seiner Predigt ging der 40-Jährige – wie konnte es anders sein – auf das Thema »Abschied« ein. Abschied nehmen sei leicht, wenn man nach vorn schaue, aber schwer, wenn man zurückblicke. In einem solchen Augenblick sei es am besten, in der Bibel zu lesen.

Anfang vor 13 Jahren als Pastor in Pubertät

Das tat er auch und zitierte Beispiele, wie ein Abschied aussehen könne. Am meisten imponiere ihm die Geschichte von David und Jonathan, sowohl menschlich als auch persönlich. Die beiden Freunde seien sehr ehrlich und direkt. Adams und Evas erzwungener Abschied aus dem Garten Eden sei dagegen kein Beispiel für ihn. Als er vor 13 Jahren als Vikar in die Laaspher Kirchengemeinde gekommen sei, habe man ihn oft gefragt, was eigentlich ein Vikar sei. Seine Antwort: »Ein Pastor in der Pubertät, der noch lernt und vielleicht gerade darum beweglich ist.« Krämer erklärte, er habe in den vergangenen Tagen überlegt, wovon er Abschied nehme. Dabei sei ihm der Starenkasten am Laaspher Ortseingang eingefallen, der ihn oft gedrosselt habe. Deshalb nähme er ihn gern mit, denn ab und zu brauche man eine derartige Bremse im Leben.

Zuständig für Feuerwehr und Polizei

Wer hätte diese Worte von einem Mann erwartet, der von einem solchen Tatendrang erfüllt ist, wie Roland Krämer. Als Notfall-Seelsorger für Angehörige, Betroffene, Polizei und Feuerwehr hat er in Wittgenstein lange Zeit äußerst wichtige Ämter ausgefüllt, und das ehrenamtlich. Hinzu kam die Seelsorge im Laaspher Seniorenzentrum und im Sozialwerk St.Georg. Sein Laaspher Kollege Bodo Hundte und Superintendent Hans-Jürgen Debus würdigten diese Dienste und dankten ihrem Amtsbruder für seinen unermüdlichen Einsatz auch im Namen von Pfarrer Dieter Kuhli.

Melder an Bodo Hundte übergeben

Debus ließ die Amtszeit Krämers noch einmal Revue passieren. Anfang April 1990 war er als Vikar nach Bad Laasphe gekommen, wurde dann Pastor im Hilfsdienst für Puderbach und Niederlaasphe. Seit dem Februar 1993 war er Pfarrer in diesem Bereich. Ein Pfarrstellenwechsel sei wichtig und gut, so Debus. Es sei notwendig, neue Menschen kennen zu lernen. Symbolisch übergab Krämer Pastor Hundte seinen Melder, der ihn zu Feuerwehreinsätzen ruft, da Hundte nun dieses Amt übernimmt. Dieser hatte die Versammlung zuvor bereits zum Lachen gebracht, als er an Krämers Hobby erinnerte: den Marathonlauf. In den vergangenen Jahren seien sicher einige Paar Schuhe abgelaufen worden – nicht nur beim Marathon, sondern auch durch die vielen Kilometer, die Krämer rein beruflich zurücklegen musste. Darin war sich die Versammlung einig, schließlich war sich jeder der vielen Aufgaben bewusst, die der gebürtige Siegerländer erfüllte.

Rund 250 Gäste kamen in die Turnhalle

Im Anschluss an den auf Wunsch des Protagonisten kurz gehaltenen Gottesdienst verlegte man den Ort der Feierlichkeiten in die gegenüberliegende Turnhalle. Dort lauschten rund 250 Gäste dann einigen Grußworten. Den Anfang machten die Puderbacher und Niederlaaspher Konfirmanden, die humorvoll und dennoch mit dem nötigen Ernst ihren Pfarrer verabschiedeten. Sie bedankten sich für die tolle Zeit und wünschten Krämer alles Gute. Dem schloss sich der Puderbacher Ortsvorsteher Herbert Marczoch an, der zuvor mit seiner Gospelgruppe für gute Stimmung gesorgt hatte. Es folgte die Rede der Niederlaaspher Ortsvorsteherin Waltraud Schäfer. Im Namen aller bedankte sie sich für die tolle Zeit mit ihrem Pfarrer. Abschied habe in ihr stets ein beklemmendes Gefühl hervorgerufen. Dennoch solle man die Entscheidung des Pfarrers verstehen. Sie hätten viele Aufgaben gemeinsam wahrgenommen. Krämer für die kirchliche Gemeinde, sie für die politische. Etwa bei der Kirchplatzsanierung. Glücklich schätzen könne sich an diesem Tag nur die Gemeinde in Hüsten, was diese wohl sehr bald erkennen werde.

Ade auch von anderen Konfessionen

Das gemeinsame Geschenk von Ortsvorsteherin und Verein für Kultur -und Heimatpflege überreichte Klaus Meier, der Krämer im Namen der ortsansässigen Vereine dankte. Es folgten weitere Grußworte von Pfarrer Dieter Kuhli und Rosemarie Biedermann von der katholischen Kirchengemeinde. Auch Dr. Lothar Beaupain als Pastor der Freien evangelischen Gemeinde sowie Erna Galler von der Kirchengemeinde Banfe und Richard Feige im Namen der Wittgensteiner Polizei sprachen ihren Dank aus. Sogar eine Abordnung der Feuerwehr um Stadtbrandinspektor Otto Wunderlich verabschiedete ihren Seelsorger, genau wie Monika Benfer vom CVJM Bad Laasphe.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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