100 Jahre Gesangverein Richstein
Eine Feier in großer Harmonie

Der Projektchor trat unter dem Dirigat von Chorleiterin Silke Wied auf.
  • Der Projektchor trat unter dem Dirigat von Chorleiterin Silke Wied auf.
  • Foto: Holger Weber
  • hochgeladen von Holger Weber

howe Richstein. Das war ein Jubiläumskommers, wie ihn sich die Richsteiner vorgestellt haben: keine langweiligen Reden in epischer Breite, kein in die Länge ziehen der Veranstaltung. Dafür viel Kurzweil, einige Lacher, eine prima Idee mit den hübschen Ehrendamen, eine Talkrunde so ein bisschen wie bei „Wetten dass...?“, wunderschöner Gesang und eine Menge Tradition und Heimatgefühl. Das passte am Mittwochabend prima im Richsteiner Heimathaus, das sozusagen aus den Nähten platzte. „Full House“ meinte Moderator und Ortsvorsteher Michael Sittler in Anlehnung an ein Kartenspiel. Die Gäste, darunter Landrat Andreas Müller, Bürgermeister Bernd Fuhrmann, Bundestagsmitglied Volkmar Klein und Sängerkreis-Vorsitzender Christian Dellori, bekamen viel geboten und genossen die gemütliche, familiäre Atmosphäre, die man von den Richsteinern ja kennt. Da war es völlig in Ordnung, dass Silke Wied als Leiterin und Dirigentin des Projektchors in der dritten Zuhörer-Reihe saß und von dort das Dirigat übernahm, weil der Platz vorne an der Bühne nicht ausreichte.
Und es war angenehm, dass junge Frauen aus der Dorfjugend hin und wieder durch die Reihen gingen, um die Gäste mit Getränken zu versorgen. Es sprach für die Richsteiner, dass sich der herzliche Abend auf alle im Heimathaus übertrug, dass Jung und Alt zusammenkamen und die Generationen besser nicht harmonieren konnten. Die Begrüßung übernahm zu Beginn ein sichtlich erfreuter Vorsitzender Andreas Limper, der zugleich diesen vorzüglichen Projektchor ankündigte. Was Silke Wied da seit September vorigen Jahres mit den 25 Frauen und zwölf Männern erarbeitet hat, konnte sich hören lassen. Unbedingt. Der Chor präsentierte sich sprachgewandt, sang die schwedische Sommerhymne „Sommarpsalm“ von Waldemar Ahlen in der Landessprache und bot das von der langjährigen Schriftführerin Wilma Rangetiner getextete „Weit, weit fort“ auf Platt. „Wer recht in Freuden wandern will“ kam ebenso frisch zur Aufführung wie Abbas „I have a dream“ oder „You raise me up.“
29 Aktive hat der Gemischte Chor Harmonie, der am Mittwochabend 100 Jahre Chorgesang in Richstein feierte. Darunter sind fünf bis sechs junge Sängerinnen, die den gesamten Altersschnitt auf 54 Jahre senken. „Wir haben nochmal einen Chor, der 100 wird und stimmlich gut zusammen ist“, formulierte Sängerkreis-Chef Christian Dellori bei der Talkrunde. Prominenz kam auf die kleine Bühne. „Hier ist Dynamik drin. Das ist ein 100-Jähriges mit Zukunftsperspektive“, formulierte Bernd Fuhrmann. Volkmar Klein freute sich, dass er tags zuvor noch mit den afrikanischen Botschaftern in Berlin gewesen sei und jetzt mit dem Auto entspannt nach Richstein gekommen sein durfte. Zuletzt sei er ja mit dem Rad von Burbach hier hergefahren. Christian Dellori fand als Birkefehler auch eine Verbindung mit Richstein: „Ich backe selbst noch gerne Brot und habe schon in Richstein bei Schöppes Bernd Brot gebacken.“ Landrat Andreas Müller stellte fest, dass ohne Ehrenamt ein Staat nicht funktioniere. Er sei aber auch jemand, der sage, dass man das Ehrenamt nicht über Gebühr belasten möge. Er selbst sei seit 30 Jahren Chorsänger, heute singe er allerdings nur noch unter der Dusche oder im Auto. Eine Freude bereitete dann Christian Dellori dem Jubiläumschor. Er überreichte eine Ehrenurkunde des Deutschen Chorverbands, unterschrieben von dessen Präsidenten und ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff.
Wie sehr die Vereine in Richstein untereinander harmonieren, das wurde in der Vereinsrunde deutlich. Dr. Peter Jüngel als Heimatvereinschef, Nicklas Kus, der Vorsitzende der Dorfjugend, Brandmeister Siegfried Hippenstiel von der Feuerwehr, Bernhard Stolz als Vorsitzender der Jagdgenossenschaft sowie Peter Limper von der Gefriergemeinschaft stellten sich den Fragen von Michael Sittler und dokumentierten, wie eng verbunden die Vereine, Zusammenschlüsse und Gemeinschaften in Richstein sind. Wer in der Jagdgenossenschaft Mitglied ist, singt auch im Chor. Wer sich in der Dorfjugend aktiv einbringt, der singt auch im Chor. Wer ein Gefrierfach bei der Gefriergemeinschaft besitzt, der singt ebenfalls im Chor. Das ist, was Bürgermeister Bernd Fuhrmann an Richstein schätzt. „Im Dorf sind die Leute in fünf bis sechs Vereinen dabei. Es ist deshalb wichtig, das Ehrenamt wertzuschätzen.“ Wie doch in Richstein Althergebrachtes, Tradiertes mit der Jugend harmonisch überein kommt – das zeigten die fünf jungen Frauen Sophia, Melissa, Paulin, Julia und Elena.
Sie waren am Abend die Ehrendamen, in Anlehnung an ein Richsteiner Sängerfest in 1957, als sozusagen die Omas dieser jungen Frauen genau diese Aufgabe übernahmen. Sie kümmerten sich den ganzen Abend um die Ehrengäste, reichten Getränke, begleiteten sie auf die Bühne. Das hatte was! Die Jugend tut, was einst die Alten taten. Wie bei der Gefriergemeinschaft: 1961 wurde die gegründet, damit die damaligen Generationen dort das Fleisch konservieren konnten. Und heute: „Da sehe ich die Dorfjugend regelmäßig im Gefrierhaus Pizza holen gehen. Es hat sich da was gewandelt“, wusste Peter Limper. Weitere Talkrunden schlossen sich an, außerdem bot die Laienspielgruppe Richstein eine unterhaltsame Vorstellung und sorgte für Heiterkeit. Den gemütlichen Teil übernahm dann im Anschluss „DJ Flat“ mit musikalischer Unterhaltung.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen