Einheits-Ode von einem ehemaligen Wittgensteiner

Friedhelm Henco wuchs in Hesselbach auf. Sein Werk „Vereinigtes Vaterland“ feiert heute an der ehemaligen innerdeutschen Grenze seine Welt-Uraufführung. Foto: jg
  • Friedhelm Henco wuchs in Hesselbach auf. Sein Werk „Vereinigtes Vaterland“ feiert heute an der ehemaligen innerdeutschen Grenze seine Welt-Uraufführung. Foto: jg
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jg Hesselbach. Vor einem guten Vierteljahr kam in einem Artikel in der Siegene Zeitung der Name des 72-jährigen Friedhelm Henco vor. Der lebt zwar heute in Australien, hat aber eindeutige Wittgensteiner Wurzeln. Die Wirren des Zweiten Weltkriegs hatten seine Familie und ihn nach Wittgenstein gebracht, genauer gesagt nach Hesselbach. Hier machte Friedhelm Henco die ersten Schritte auf einem Gebiet, das während seines ganzen Lebens ein wichtiges bleiben sollte: die Musik.

Der passionierte Musik-Liebhaber, Komponist und Sänger lernte im Hesselbacher Gesangverein „Eintracht“ die Musik kennen und darüberhinaus auch noch lieben. Mit 13 Jahren wurde er Mitglied des Klangkörpers - und hier habe er sehr viel erfahren über die Musik im Speziellen, aber auch über die Menschen und das Leben im Allgemeinen.

Und während wir in Deutschland den Tag der Deutschen Einheit 2009 erwarten, sitzt Friedhelm Henco in Australien und ist gespannt. Denn passend zum dem großen Anlass feiert heute, 2. Oktober, ein Werk von Friedhelm Henco seine Welturaufführung, genauer gesagt geht es um seine Ode „Vereinigtes Vaterland“.

Darin heißt: „Wieder vereint, wieder vereint, Gott sei es gedankt, mit unser’n Brüdern und Schwestern im geeinten Vaterland. Lasst euch umarmen mit Herz und Hand in unser’m geeinten Heimatland. Nun brauchen keine Tränen zu fließen, wir können in Ruhe die Freiheit genießen. Endlich zusammen in Frieden, dies ist das höchste Gut. Auf mit frischem Mut, gebt euch die Hand im geeinten Vaterland.“

Sowohl der Text als auch die Melodie stammen aus der Feder von Friedhelm Henco. Der hatte nach seiner Zeit in Wittgenstein in den unterschiedlichsten Gegenden der alten Bundesrepublik gewohnt, bis er 1991 quasi komplett nach Australien übersiedelte. Die Wiedervereinigung erlebte er also noch ganz dicht und vor allem ergriffen mit.So habe er schon 1989 mit Ehefrau Carla erstmals Thüringen besucht: „Der Urgroßvater meiner Frau besaß einen kleinen Bauernhof in Steinberg, nur etwa einen Kilometer von der Grenze, den Türmen und den Minenfeldern entfernt.“ Auf diesem Hof hätten sie eine Frau getroffen, etwa so alt wie seine Gattin: „Im weiteren Gespräch stellten wir fest, dass die Urgroßväter Brüder waren. Wir verstanden uns auf Anhieb, und es gefiel uns in der thüringischen Rhön so gut, dass wir sogar dorthin umzogen. Wir waren bestimmt unter den ersten Wessis, die nach Osten gingen und nicht in umgekehrter Richtung.“ Die Motivation für sein Stück kann Friedhelm Henco ebenfalls klar benennen: „Das Wesentliche war eigentlich die Freude über die gelungene Vereinigung - ohne Blutvergießen, der Fall der Mauer und Grenzen.“Der aktuelle Arrangeuer des Stückes - Bernhard Hergert - teilte der SZ gestern auf Anfrage mit, dass das Werk heute ab 17 Uhr unter seiner Leitung vom Jugendblasorchester der Musikschule Bad Salzungen aufgeführt wird. 35 junge Menschen zwischen 14 und 28 Jahren werden das Stück bei der Mahn- und Gedenkstätte am Point Alpha spielen. Point Alpha war einer von vier US-Beobachtungs-Stützpunkten an der innerdeutschen Grenze in Hessen, die heutige Begegnungsstätte liegt an der Straße zwischen dem thüringischen Geisa und dem hessischen Rasdorf. Möglicherweise wird auch das thüringische Polizeimusikkorps das Werk ebenfalls noch aufführen, stellte Friedhelm Henco in Aussicht, der etwas wehmütig schloss: „Den Tag der Deutschen Einheit werde ich in Australien verbringen, aber in Gedanken werde ich am Point Alpha sein und zuhören.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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