»Einige haben uns leider verlassen«

Laaspher Rat beschloss gestern Abend außerordentlich schnell das Einzelhandelskonzept

JG Bad Laasphe. Wer Luft holt, hat verloren – das schien gestern Abend die Devise in der Laaspher Ratssitzung. Es sollte erneut um das Einzelhandelsgutachten und -konzept für die Stadt Bad Laasphe (die SZ berichtete) gehen. Christdemokrat und Einzelhändler Martin Achatzi regte an, man möge diesen Punkt auf die nächste Sitzung verschieben, da es keine Stellungnahmen von IHK und Einzelhandelsverband gebe. Dem entgegnete Bürgermeister Robert Gravemeier, dass ihm seitens der Planer mitgeteilt worden sei, dass beide Institutionen »grundsätzlich Zustimmung« signalisiert hätten. Das wunderte Martin Achatzi, da beiden bis vergangene Woche noch kein Konzept vorgelegen habe und diese doch jetzt erst geprüft werden sollten.

Auch der Grüne Karl-Ludwig Bade wollte seine Entscheidung nicht nach »mündlichen Zusagen aus dritter Hand« treffen. Wolfgang Weber (FDP) hingegen hatte keinen Zweifel an der Zustimmung der IHK. Und so wurde erst einmal über den Antrag von Martin Achatzi entschieden. Die neun Stimmen dafür kamen aus der CDU, von den Grünen, der Neuen Fraktion und aus der FDP. Die 20 Gegenstimmen von CDU, SPD und FDP. Als die Bedenkenträger danach ihre Positionen gegen das Gutachten vorbringen wollten, war Bürgermister Robert Gravemeier aber schon mit der nächsten Abstimmung im Gange. 20 waren für das Konzept, zwei enthielten sich ihrer Stimme und acht stimmten mit Nein. Mit dem deutlichen Gefühl, übervorteilt worden zu sein, verließen die Acht unter Protest den Saal. »Einige haben uns leider verlassen«, so der lapidare Kommentar des Verwaltungchefs, der aber konstatieren konnte, dass man immer noch beschlussfähig sei.

Als dann noch einmal in den Mitteilungen des Bürgermeisters ein Thema kam, das den – durch Baustellen in den vergangenen Jahren geschunden – Einzelhandel interessierte, waren die Protestierenden jedoch längst wieder im Sitzungszimmer. Und so hörten auch sie die den derzeitigen Zeitplan für den Laasphe Kreisel »Stockwiese«, den Robert Gravemeier für den Landesbetrieb »Straßenbau« referierte. In 14 Tagen sollen neue Versorgungsleitungen gelegt sein, so dass danach die Bundesstraße 62 für eine Woche voll gesperrt werden muss. In der Zeit läuft der Verkehr zweispurig durch die Stockwiese. In der Woche vor Weihnachten sollen die Arbeiten am Kreisverkehrsplatz größtenteils abgeschlossen werden. Weiter geht es mit den Arbeiten dann zwischen Weihnachten und Silvester, die endgültige Fertigstellung wird für die vierte Kalenderwoche 2007 angepeilt. Unter einer Maßgabe: dass der Winter dem keinen Strich durch die Rechnung macht. Wie wahrscheinlich das ist, muss jeder Wittgensteiner selbst überlegen.

Der Kreisel wird die Laaspher noch länger beschäftigen, das könnte übrigens auch mit dem Einzelhandelsgutachten passieren: Karl-Ludwig Bade, der seit 1978 in der Kommunalpolitik ist, machte nach der Sitzung deutlich, dass ihm so etwas wie gestern noch nie passiert sei. Man wolle den Ältesten-Ausschuss anrufen, wegen der Sitzungsführung gestern, aber auch wegen der Leitung der gemeinsamen Wirtschaftsförderungs- und Bauausschuss-Sitzung in der vergangenen Woche. Außerdem erwäge man, den Beschluss von gestern zu beanstanden.

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