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Zwangsschließung drückt die Stimmung
Einsame Weihnachtszeit im Jagdhof Glashütte

Eigentlich ein beliebt-geliebter Anblick: das prächtig geschmückte Landhotel. In diesem Jahr bleiben die Lichter aus.
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  • Eigentlich ein beliebt-geliebter Anblick: das prächtig geschmückte Landhotel. In diesem Jahr bleiben die Lichter aus.
  • Foto: Hotel
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sabe Glashütte. Stiller, viel zu stiller Prachtbau. Aber kein Geisterschloss. Ein paar Lichter brennen noch. Kein Vergleich zum glänzenden Lichterhaus, in das sich das Luxushotel inmitten ländlicher Idylle sonst verwandelt. Aber wenigstens eine schmale Erinnerung an Glanz und Gloria, die das Virus in diesem Jahr geraubt hat.
„Herzlich willkommen im Jagdhof Glashütte“, sagt eine junge Frau in schicker Garderobe am Eingang. Freundliche Augen blicken über den blauen Mundschutz. Die Begrüßung klingt ein wenig erleichtert. Fast so, als freue sie sich, den sonst wohl so alltäglichen Satz endlich noch einmal über die Lippen bringen zu dürfen. „Kommen Sie, ich zeig‘ Ihnen alles. Ist ja keiner da …“
Menschen glücklich machenLaura Franz ist Teil der Empfangsleitung.

sabe Glashütte. Stiller, viel zu stiller Prachtbau. Aber kein Geisterschloss. Ein paar Lichter brennen noch. Kein Vergleich zum glänzenden Lichterhaus, in das sich das Luxushotel inmitten ländlicher Idylle sonst verwandelt. Aber wenigstens eine schmale Erinnerung an Glanz und Gloria, die das Virus in diesem Jahr geraubt hat.
„Herzlich willkommen im Jagdhof Glashütte“, sagt eine junge Frau in schicker Garderobe am Eingang. Freundliche Augen blicken über den blauen Mundschutz. Die Begrüßung klingt ein wenig erleichtert. Fast so, als freue sie sich, den sonst wohl so alltäglichen Satz endlich noch einmal über die Lippen bringen zu dürfen. „Kommen Sie, ich zeig‘ Ihnen alles. Ist ja keiner da …“

Menschen glücklich machen

Laura Franz ist Teil der Empfangsleitung. Seit über einem Jahr ist sie nun „eine richtige Jagdhöferin“, wie Chef Edmund Dornhöfer die 26-Jährige später nennen wird. Die studierte Kommunikationswissenschaftlerin brennt für ihren Job. „Ich liebe es, Menschen happy machen zu dürfen. Das ist ein schönes Gefühl.“  Schon während ihres Studiums arbeitet sie in Restaurants, kellnert auf Hochzeiten oder bedient auf Messen. Jetzt hat sie zwar andere Aufgaben, aber der Branche ist sie treu geblieben. „Für mich ist das hier genau das Richtige.“ Damit meint sie nicht nur die Gastroszene, sondern denkt vor allem an ihren Job hier, im Jagdhof, dem Hotel, das von der Fuhrmannskneipe zum Relais & Chateaux im Wittgensteiner Land erwachsen ist. „Wir sind hier wie eine Familie. Das kann man schon so sagen“, sagt Laura Franz.

Lockerungen im Sommer haben gut getan

Jetzt, in Corona-Zeiten, ist über die Hälfte des Teams in Kurzarbeit. Die Küche kalt, die Gänge leer. Allein auf weiter Flur geht sie durch Prunk und Pracht, vorbei an Jagderrungenschaften und handgearbeiteten Holzfiguren, hohen Erkern und gemütlichen Ohrensesseln, um ein wenig verloren im pompösen Frühstücksraum zwischen Engelstatuen und fein gearbeiteten Tischplatten zum Stehen zu kommen. Sie zeigt auf die Terrasse. „Im Sommer … das war perfekt. Live-Musik. Frische Luft, die Tische haben wir weit entzerrt.“ Als die Lockerungen nach dem ersten Lockdown im April und damit wieder erste Gäste in den Jagdhof kamen, habe eine besondere Stimmung geherrscht. „Wir haben gemerkt, wie sehr den Menschen das hier gefehlt hat und wie bedacht sie sich verhalten haben. So als wollten sie die wiedergewonnenen Möglichkeiten beschützen.“

Unverständnis über Maßnahmen

Jetzt, im Lockdown light, den nächsten harten Shutdown bereits im Nacken, herrscht bei der Empfangsdame großes Unverständnis. Offene Einkaufszentren, geschlossene Gastronomie. Für Franz nicht sauber argumentiert. „Es ist nicht nachvollziehbar. Wir hätten Nachverfolgung leisten können. Wir hätten Kontrolle gehabt. Wie geht das in vollen Klamottenläden?“
Die Frage hallt nach, findet in der „Urzelle“ – damals der Anfang aller Gastgeberei, jetzt gemütliche Speisestube – Anklang. Alexander Hartnack nickt eindringlich und lässt von seinen Versuchen ab, das in einer Kleinstsiedlung gelegene und von nicht viel mehr als weitem Wald umgebene Luxushotel wieder ans Netz zu bringen. „Irgendeine Großraumstörung“, murmelt er, bevor er sich dem Gespräch anschließt. Von einer Baustelle zur nächsten.

Hoffnung auf Weihnachten ist weg

„Das tut alles wirklich weh. Es fehlen einem die Worte“. Der Personalleiter hat viel zu tun. Anträge stellen, Dinge regeln, versuchen, den Schaden so gering wie möglich zu halten. „Wir haben Reservierungen, die mussten jetzt zum dritten Mal verschoben werden, wegen des ganzen Hin und Hers.“ Mit diesen Ausmaßen, sagt er, habe er nicht gerechnet. „Nach dem ersten Lockdown hat man noch hoffend auf die Weihnachtsmonate geschaut. Glashütte, das ist Weihnachten“, sagt er und trägt dabei sein warmes Lächeln. Zu schnell blickt er wieder besorgt drein: „Da hat doch niemand mit gerechnet, dass das jetzt auch noch ins Wasser fällt.“

Fröhliche Gesichter fehlen

Hartnack, der schmerzliche Blick verrät es, spricht dabei nicht nur von Rubel und Geschäft. Der 45-Jährige, seit 2013 als Quereinsteiger seinen Traumjob im Jagdhof gefunden, denkt dabei an fröhliche Gesichter von Stammgästen im Kaminzimmer, die alle Jahre wieder ihr Weihnachten zusammen begehen. An begeisterte Kinder, die mit ihren Großeltern „extra zum Lichterschauen in der Glashütte“ vorbeikommen, und an rauschende Silvestergalas. In diesem Jahr kommt alles anders. Keiner schläft, einsam wacht Hotelherr Edmund Dornhöfer mit Gattin Renate.
„Auf die Weihnachtszeit wurde hingelebt, hingefiebert. Wir machen den Job mit Leib und Seele, weil wir genau wissen, wofür wir ihn machen. Für glückliche Gäste. Wir sehen das Arbeiten über die Feiertage nicht als Belastung. Wir wollen verwöhnen, aber dürfen nicht“, sagt Edmund Dornhöfer.

Keine Planungssicherheit

Als „schlimm, schwierig, enttäuschend“, fasst der Jagdhof-Leiter die vergangenen Monate zusammen. „Man wird von Woche zu Woche hingehalten. Das ist das Problem. Schulung um Schulung haben wir gemacht, haben uns an alles rigoros gehalten. Wir würden ja alles mitmachen, wenn wir Planungssicherheit hätten.“ Ein Wunsch, den die jüngsten Lockdown-Verschärfungen wohl weiter ins Unbestimmte rücken dürften. Besonders bedrückend dabei: Bisher floss weder eine Novemberhilfe, noch gab es Informationen, wie es für die Branche weitergehen soll.

Vom Staat im Stich gelassen

„Der Staat lässt uns hängen“, sagt Alexander Hartnack darauf. So will also bei Dornhöfer und seinen Mitarbeitern keine wirkliche Freude darüber aufkommen, dass sie die Festtage ohne Arbeit verbringen können. Bei Dornhöfer selbst ist es das erste Mal nach 36 Jahren. „Wenn man Gastgeber ist – und das aus Leidenschaft –, dann fehlt einem was. Weihnachten in der Glashütte, das ist für uns Zuhause.“ Trotzdem: Humor und Mut des „Ur-Wittgensteiners“, darauf legt er viel Wert, kriegt das Virus nicht klein. „Ich habe schon zu meiner Frau gesagt: Jetzt können wir die Flitterwochen nachholen und das Hotel genießen.“
Das Menü steht im Übrigen auch schon. Weiße Wittgensteiner Fleischwurst soll es geben. Ungeräuchert. Dazu selbstgemachten Kartoffelsalat.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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