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Reihe „Hinter der Fassade“
Eisstollen in Bad Laasphe - von der Kühlkammer zum Luftschutzkeller

Blick in den Felsenkeller: Hier wurden bis 1905 in langer Reihe Gärbottiche aufgestellt, nach der Umstellung auf eine moderne Kühlung in der Brauerei wurde noch Eis eingelagert.
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  • Blick in den Felsenkeller: Hier wurden bis 1905 in langer Reihe Gärbottiche aufgestellt, nach der Umstellung auf eine moderne Kühlung in der Brauerei wurde noch Eis eingelagert.
  • Foto: Christian Völkel
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vc Bad Laasphe. Selbst im Schein des starken Handscheinwerfers ist die Schachtdecke des Eisstollens nur zur erahnen. 25 Meter reicht der mit Ziegeln verkleidete Schacht in die Höhe. Ein Foto gelingt nur mit einigem Aufwand, die Technik sträubt sich bei hoher Luftfeuchtigkeit und tiefer Finsternis.

Der Eisschacht liegt am Ende des rund 20 Meter langen Stollens. Wenige Meter zuvor ist ein Kamin an den Fels gemauert, der immer noch für eine gewissen Luftzirkulation sorgt. Die Wände des restlichen Kellers wirken grob bearbeitet. Der Fels wurde in großen Stücken aus dem Berg gebrochen. „Alles von Hand geschlagen“, sagt Karl-Heinz Fischer. Er hat Respekt vor der Leistung der Bad Laaspher.

vc Bad Laasphe. Selbst im Schein des starken Handscheinwerfers ist die Schachtdecke des Eisstollens nur zur erahnen. 25 Meter reicht der mit Ziegeln verkleidete Schacht in die Höhe. Ein Foto gelingt nur mit einigem Aufwand, die Technik sträubt sich bei hoher Luftfeuchtigkeit und tiefer Finsternis.

Der Eisschacht liegt am Ende des rund 20 Meter langen Stollens. Wenige Meter zuvor ist ein Kamin an den Fels gemauert, der immer noch für eine gewissen Luftzirkulation sorgt. Die Wände des restlichen Kellers wirken grob bearbeitet. Der Fels wurde in großen Stücken aus dem Berg gebrochen. „Alles von Hand geschlagen“, sagt Karl-Heinz Fischer. Er hat Respekt vor der Leistung der Bad Laaspher. Der Mitarbeiter des Bauhofes leuchtet den Schacht aus, der Kegel des Scheinwerfers gleitet über die Wände.

Eisstollen in Bad Laasphe: Bis 1905 wurde hier Bier gekühlt

An der Decke sind noch alte Keramik-Isolatoren zu sehen, an denen früher Kabel in den Stollen hineinreichten. Rostiges Eisen ragt aus der Wand, am Boden modert eine Leiter vor sich hin. Immer wieder gibt es Schutt- und Ziegelhaufen, die überquert werden müssen. Der Hin- und Rückweg wird vorsichtig bewältigt – und am Ende ist man froh, wieder Tageslicht zu sehen und alten Keller verlassen zu können. Kaum vorstellbar, dass in dem verfallenen Gewölbe noch bis 1905 das Bosch-Bier bei der Gärung mit natürlichen Mitteln gekühlt wurde. Denn die Kühlung in der langen Brautradition des Laaspher Familienunternehmens nicht immer so einfach wie heute. „Irgendwann um das Jahr 1852 hat die Stadt Laasphe unserer Brauerei den Bau und die Nutzung des Felsenkellers erlaubt“, berichtet Hans-Eberhard Bosch.

Es ist wichtig, dass eine konstant niedrige Temperatur herrscht. Daher der Eisschacht.
Hans Eberhard Bosch
Senior-Chef der Bosch Brauerei

Der Antrag ging von Eberhard Bosch aus, der auch Gastwirt war. Die Gärbottiche hätten nach der Fertigstellung des Kellers in langer Reihe im Stollen gestanden. „Darin lagerte das Bier, das nach Hefezugabe vergoren wurde“, betont Hans-Christian Bosch, heutiger Geschäftsführer der Brauerei. Die natürliche Kühlung des Stollens reichte aber nicht aus. „Es ist wichtig, dass eine konstant niedrige Temperatur herrscht. Daher der Eisschacht“, erklärt Hans-Eberhard Bosch.

Eisstollen in Bad Laasphe: Weiher auf dem Gelände des Wabachbades

Das Eis kam von Eisweihern, die sich teilweise auf dem Grundstück der Firma Jung und auf dem Gelände des Wabachbades befanden. Die Weiher seien lediglich 60 Zentimeter tief gewesen, damit möglichst viel Eis entstehen konnte. „Dort wurde das Eis mit Kutschen abgeholt und mit Ketten in Stücken von einem halben Quadratmeter auf die Ladeflächen der Gespanne gezogen. Das Eis aus der Wabach wurde dann vom Steinchen aus in den Schacht geworfen. Unten am Felsengrund taute das Eis langsam ab und sorgte für stete Kühlung“, sagte Hans-Eberhard Bosch. „Der Gärungsprozess darf nicht zu schnell vonstatten gehen, daher war eine konstante Kühlung wichtig. Das Jungbier wurde nach der Hauptgärung in geschlossenen Behälter zur Nachgärung abgefüllt“, so Hans-Christian Bosch.

Hier stapelte sich das Eis aus der Wabach: Blick aus dem Felsenkeller den Eisschacht hinauf. Selbst mit Scheinwerfern ist das Ende der Konstruktion nur schwer zu erkennen.
  • Hier stapelte sich das Eis aus der Wabach: Blick aus dem Felsenkeller den Eisschacht hinauf. Selbst mit Scheinwerfern ist das Ende der Konstruktion nur schwer zu erkennen.
  • Foto: Christian Völkel
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Der Seniorchef der Brauerei Bosch hat noch als Kind erlebt, wie auf den Eisweiher das Eis abgeholt wurde „Wir waren als Kinder nicht so begeistert, wenn das Eis dann von Mitarbeitern der Brauerei angefahren wurde. Denn auf den Weihern konnte man prima auf Schlittschuhen seine Runden drehen“, berichtete der Bad Laaspher. Denn noch in den 50er Jahren spielte das Eis bei der Kühlung eine Rolle. Die Brauer füllten das Eis in Trichter-Schwimmer, die in den modernen Gärtanks schwammen. Damit sollte die moderne Kühlung unterstützt und Energie eingespart werden.

Eisstollen in Bad Laasphe: Luftschutzkeller bei Fliegerangriffen

Der Felsenkeller wurde ab 1905 nur noch als Eislager für diese zusätzlich Eiskühlung verwendet. Denn die Brauerei hatte Anfang des 20. Jahrhunderts eine durch Dampfmaschine angetriebene Ammoniak-Kälteanlage, welche die Gärung und Lagerung des Bieres erstmalig direkt in der Brauerei ermöglichte, berichtete Hans-Christian Bosch.
 
Die Brauerei Bosch nutzte den alten Felsenkeller nach den 50er Jahren nur noch sporadisch. Hans-Eberhard Bosch berichtete jedoch noch über die Verwendung des Stollens im zweiten Weltkrieg: „Im Stollen wurden Bänke aufgestellt. Bei Fliegerangriffen diente er als Luftschutzkeller.“ Vor einigen Jahren hat die Brauerei die Nutzungsgenehmigung auslaufen lassen. Es habe zu viel Ärger wegen regelmäßiger Einbrüche gegeben.

Autor:

Christian Völkel

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