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Zivilprozess gegen Ex-Emmaburg-Investor
Erbitterter Streit endet vor dem Marburger Gericht

Der einstige Investor der Emmaburg sowie Besitzer der ehemaligen Schlossbergklinik muss über 600 000 Euro an einen Marburger Mediziner zahlen – aus Sicht des Landgerichts Marburg der noch offene Betrag aus einem Praxisverkauf.
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  • Der einstige Investor der Emmaburg sowie Besitzer der ehemaligen Schlossbergklinik muss über 600 000 Euro an einen Marburger Mediziner zahlen – aus Sicht des Landgerichts Marburg der noch offene Betrag aus einem Praxisverkauf.
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tika Marburg/Bad Laasphe. Acht Jahre sind vergangen, doppelt so viele Richter haben sich inzwischen mit der Causa befasst. Nun hat das Landgericht Marburg im Rechtsstreit zwischen zwei Medizinern aus Marburg ein Urteil gefällt. Im Kern geht es um den Kauf beziehungsweise Verkauf einer Praxis für Radiologie in der Marburger Innenstadt. Ein Geschäft, das in den Jahren 2009 und 2010 über die Bühne ging – und seit 2011 die Justiz beschäftigt. Als der Vorsitzende Richter der 7. Zivilkammer des Landgerichts Marburg, Dr. Marcus Wilhelm, nun am vergangenen Freitag den Sitzungssaal 109 betrat, trugen er und die beiden beisitzenden Richter eine Vielzahl von Akten unter ihren Armen. Gegenüber saßen sich Richter und Anwälte der beiden Parteien, Kläger und Beklagter waren der Verhandlung ferngeblieben.

tika Marburg/Bad Laasphe. Acht Jahre sind vergangen, doppelt so viele Richter haben sich inzwischen mit der Causa befasst. Nun hat das Landgericht Marburg im Rechtsstreit zwischen zwei Medizinern aus Marburg ein Urteil gefällt. Im Kern geht es um den Kauf beziehungsweise Verkauf einer Praxis für Radiologie in der Marburger Innenstadt. Ein Geschäft, das in den Jahren 2009 und 2010 über die Bühne ging – und seit 2011 die Justiz beschäftigt. Als der Vorsitzende Richter der 7. Zivilkammer des Landgerichts Marburg, Dr. Marcus Wilhelm, nun am vergangenen Freitag den Sitzungssaal 109 betrat, trugen er und die beiden beisitzenden Richter eine Vielzahl von Akten unter ihren Armen. Gegenüber saßen sich Richter und Anwälte der beiden Parteien, Kläger und Beklagter waren der Verhandlung ferngeblieben.

Allein die Menge verdeutlichte, wie komplex der Fall ist, in dessen Fokus ein Arzt steht, der im Zeitraum des Kaufs auch Brücken nach Bad Laasphe schlug. Denn in exakt jenem Zeitraum kaufte der beklagte Neuroradiologe aus der hessischen Universitätsstadt die Emmaburg sowie die Schlossbergklinik. Er gründete damals mehrere GmbH, von denen inzwischen nur noch die Immobilien GmbH übrig ist – und damit de facto die Schlossbergklinik, die bis zum 30. September 2022 an das Land Nordrhein-Westfalen vermietet ist und diesem monatliche Kosten in Höhe von 126.644 Euro verursacht – der Gebäudekomplex war eine Flüchtlingsunterkunft, die sich bereits seit einiger Zeit im Stand-by-Modus befindet. In dem Rechtsstreit vor dem Landgericht Marburg stand nun aber vor allem der Verkauf der Arztpraxis im Fokus. Während der einstige Hauptgesellschafter derselben einen Zahlungs- und Herausgabeanspruch einklagte, war der beklagte Mediziner nicht bereit, weitere Mittel zu zahlen. Denn seinerzeit ging es um einen Kaufpreis in Höhe von rund drei Mill. Euro, die der Käufer aber nicht vollständig zahlte.

Das Landgericht Marburg entschied nun, dass der Beklagte exakt 614.307,34 Euro nebst Zinsen zu zahlen hat. „Das ist ein positives Ergebnis für meinen Mandanten. Wichtig ist, dass sich das Gericht nun positioniert hat. Wir werden nun die Begründung für die Entscheidung abwarten und dann reagieren“, erklärte Rechtsanwalt Ralf Seep, der den Kläger vertritt. Diesen Schritt behält sich freilich auch der Beklagte vor, dessen Rechtsanwalt Harald Heck im Gespräch mit der Siegener Zeitung ankündigte, Berufung einzulegen – damit dürfte der Fall vor die nächsthöhere gerichtliche Instanz gehen: das Oberlandesgericht Frankfurt am Main. „Wir werden das juristisch prüfen, werden aber dagegen vorgehen. Der Betrag ist in dieser Form für uns nicht nachvollziehbar“, erklärte Harald Heck.

Der Rechtsbeistand des Beklagten hob allerdings zugleich hervor, dass sein Mandant – ähnlich wie die Klägerseite – zunächst die Begründung der Kammer abwarten will, auch um möglicherweise eine Begründung für das Zustandekommen des geforderten Betrages zu erhalten. Zugleich betonte er aber, dass nach der Entscheidung des Gerichts das Medizinische Versorgungszentrum, also die Praxis in der Marburger Innenstadt, im Besitz des Beklagten bleiben solle. Dieser solle lediglich die noch offene Differenz des Kaufpreises zahlen, erklärte Harald Heck.

Aber: Anfangs habe der klagende Arzt 400.000, dann 500.000 Euro und später die nun vom Gericht definierte Summe sowie die Rückgabe der Praxis eingefordert – letztere Summe nach dem tödlichen Streit zweier ehemaliger Mitgesellschafter, die nach dem Verkauf noch verblieben waren. Der Fall hatte im Verlauf der Jahre zunehmend an Komplexität gewonnen und war durch jenen tödlichen Streit der verbliebenen Gesellschafter im Dezember 2016 sogar bundesweit als „Blutbad von Marburg“ in die Schlagzeilen geraten. Ein 53-jähriger Arzt, der eben Mitgesellschafter war, hatte zunächst seinen 67-jährigen Kollegen und Mitgesellschafter erschossen – und dann sich selbst. Die Tragödie hatte sich in den Praxisräumen ereignet, die nun im Fokus der Justiz stehen – und deren Anteilseigner der Beklagte zu diesem Zeitpunkt bereits seit einigen Jahren war.

„Der Tod der beiden Gesellschafter verändert das Vertragswerk natürlich noch einmal. Unsere primäre Aufgabe als Gericht ist es, sich stark zu positionieren. Darauf haben beide Parteien ein Recht. Besser wäre es gewesen, sich außergerichtlich zu einigen, die Kammer hat dafür viele Wegleitungen gegeben“, erklärte Dr. Marcus Wilhelm. Der Vorsitzende Richter war sich aber zugleich sicher, dass dies nicht mehr möglich ist. „Wir können nicht darauf hoffen, dass sich die Parteien einigen. Deshalb will das Gericht nun eine Entscheidung treffen.“ Nach SZ-Recherchen war hinter den Kulissen ein erbitterter Streit zwischen den beiden Parteien entbrannt – und dieser hatte letztlich dazu geführt, dass sich das Gericht damit über Jahre hatte befassen müssen.

„Die Dauer des Verfahrens ist eine Belastung für meinen Mandanten. Mein Mandant hat nach dem Verkauf der Praxis erwartet, dass er noch fünf Jahre dort arbeiten darf, wie es zunächst vereinbart war. Es ging dabei auch um seine Altersversorgung“, erklärte Rechtsanwalt Günther Goecke, der den klagenden Arzt gemeinsam mit Ralf Seep vertritt. Und der zugleich hervorhob: „Wir haben uns einer gütlichen Einigung nie verschlossen. Der Vorschlag, dass allerdings keiner mehr etwas vom anderen bekommt, war für uns ausgeschlossen.“ Nach SZ-Informationen war eine solche Art der Einigung auch deshalb ausgeschlossen, weil sich nicht zuletzt der Kläger als einstiger Hauptanteilseigner der Praxis für Radiologie in der Marburger Innenstadt beim Verkauf erpresst sah. Ein Vorwurf, mit dem sich das Landgericht Marburg nicht befasste, der damit auch kein Thema vor der 7. Zivilkammer war – und damit die Hintergründe des Vorgangs bis hin zu möglichen Zusammenhängen weiterer Investitionen des Beklagten und zur „Bluttat von Marburg“ nicht behandelte oder allenfalls andeutete.

Pikant ist im Zusammenhang mit dem vor rund zehn Jahren entstandenen Vertragswerk allerdings, dass sich beide Parteien gegenseitig vorwerfen, nicht liquide gewesen zu sein beziehungsweise zu sein. „Mir ist kein Stück Papier bekannt, das in die Akten gelangt wäre und dies belegen würde. Aber gerade deshalb soll es ja damals so schnell mit dem Verkauf der Praxis gelaufen sein – und dies ist nun das Ergebnis“, erklärte Harald Heck. Aus dem Umfeld des Klägers wiederum erfuhr die SZ, dass seinerzeit bewusst Falschinformationen über ihn gestreut worden seien, so dass die Bank des Arztes – zugleich auch Gläubigerin hinsichtlich eines noch offenen Kredites – Druck auf den jetzt als Kläger auftretenden Facharzt ausgeübt haben soll und diesen zum Verkauf an den nun Beklagten gedrängt haben soll. Zu diesem Zeitpunkt nämlich wollte der einstige Hauptanteilseigner längst nicht mehr an den Beklagten verkaufen.

Dies wiederum trug sich dann um die Jahreswende 2010 zu – der Verkauf ging über die Bühne. Am 8. April 2011 unterzeichnete der damalige Investor dann wiederum die Kaufverträge für die Emmaburg und die ehemalige Schlossbergklinik unter dem Dach der einstigen Gesundheitszentrum Laasphe GmbH. Derweil blieb eine beträchtliche Summe für den Kauf der Praxis in Marburg offen, wie das Landgericht nun festgestellt hat.

Der einstige Investor der Emmaburg sowie Besitzer der ehemaligen Schlossbergklinik muss über 600 000 Euro an einen Marburger Mediziner zahlen – aus Sicht des Landgerichts Marburg der noch offene Betrag aus einem Praxisverkauf.
Hinter diesen Mauern ereignete sich kurz vor Weihnachten 2016 das „Blutbad von Marburg“, das damals bundesweit für Schlagzeilen sorgte.
Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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