Erste Laaspher Kur-Klinik vor Aus

Früheres Sanatorium de la Camp soll Ende Oktober schließen: 45 Mitarbeitern gekündigt

Bad Laasphe. Am 5. Oktober besteht die Lahn-Klinik 44 Jahre. Ein Geburtstag, eine Schnapszahl – und doch kein Grund zum Feiern. Denn die Mitarbeiter der ersten Kur-Klinik der Lahnstadt, die aus dem Sanatorium vom Laaspher Kur-Gründungsvater Dr. Theo de la Camp entstand, haben ihre Kündigungen bekommen. Damit verlieren 45 Beschäftigte ihren Job, sieht man von den fünf Mitarbeitern ab, die lediglich einen Zeitvertrag hatten. Die Kündigungen kamen zwar nicht aus heiterem Himmel, sind trotzdem ein harter Schlag für die Betroffenen. Das Umgemach hatte mit der dritten Stufe der Gesundheitsreform der vergangenen Regierung begonnen. Nachdem das Insolvenz-Verfahren im Februar beantragt und zum 1. April 2000 eröffnet wurde, wirtschafteten die Laaspher quasi alleine und ohne Chef weiter, wie sich gestern Betriebsleiterin Ulrike Boos und Betriebsratsvorsitzende Margot Leukel im Gespräch mit der Siegener Zeitung erinnerten. Keiner von den Mitarbeitern habe während des Insolvenzverfahrens das sinkende Schiff verlassen, alle hätten stattdessen fleißig weitergearbeitet. Schließlich habe es immer wieder Hoffnung gegeben.

Man sei rumgefahren, habe mit Kostenträgern gesprochen und dabei Klinken geputzt, fünf Krankenkassen hätten mündliche Zusagen gegeben. Von 100 belegbaren Betten seien am Ende durchschnittlich 50 belegt gewesen. Was aber nicht an der Qualität der geleisteten Arbeit gelegen habe, noch am Jahresanfang habe eine Krankenkasse mitgeteilt, dass die Lahn-Klinik in ihrer Kategorie zu den besten Häusern Deutschlands gehöre.

Letztendlich habe das Wort »Insolvenzverfahren« viele Kostenträger abgeschreckt. Im Gegensatz zu den Stammgästen, denen in den vergangenen Wochen die Tränen in den Augen gestanden hätten, weil die Lahn-Klinik zu mache. Einige seien öfter als 30 Mal in dem Haus gewesen, es gebe sehr viele treue Patienten. Und auch die Sparkasse Wittgenstein habe sie unterstützt und sich redlich um einen neuen Betreiber gekümmert.

Im Stich gelassen fühlen sich die Mitarbeiter von ganz anderen Leuten. Es sei sehr schade, dass hier von den Gesellschaftern keine Auffanggesellschaft gegründet worden sei, denn bei der benachbarten Emmaburg gehe dieses Konzept ja wohl auf. Und weder Bürgermeister Robert Gravemeier noch Kurdirektor Dieter Lütke hätten sich einmal in der Lahn-Klinik sehen lassen.

Auf Anfrage der Siegener Zeitung mochte gestern der Kurdirektor die Hoffnung auch noch nicht vollständig aufgeben, er habe gerade noch einmal mit der Sparkasse telefoniert: »Es ist noch nicht aller Tage Abend.« Wenn es allerdings zur Schließung komme, dann geschehe das, womit sich andere Kurstädte schon vor vier, fünf Jahren abfinden mussten. Es komme hier wohl wie anderorts auch zu Konzentrationen. Trotzdem sei es ein Verlust für Bad Laasphe, wie auch Robert Gravemeier unterstrich. Nach dem bereits verlassenen Lahn-Blick sei solch ein leerstehendes Gebäude im Stadtkern ein großes Problem – mal ganz abgesehen von den verlorenen Arbeitsplätzen.

JG

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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