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Jahresinterview mit Bürgermeister Dirk Terlinden
„Es gibt wieder eine Gesprächsebene“

Für das Jahresinterview der Siegener Zeitung stand Bad Laasphes Bürgermeister Dirk Terlinden Rede und Antwort.
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  • Für das Jahresinterview der Siegener Zeitung stand Bad Laasphes Bürgermeister Dirk Terlinden Rede und Antwort.
  • Foto: Holger Weber
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

howe Bad Laasphe. Schon Tradition hat das SZ-Jahresinterview mit den Bürgermeistern des Altkreises Wittgenstein. Und während die Kollegen aus Bad Berleburg und Erndtebrück das komplette Jahr Revue passieren lassen können, gestaltet sich das für Bad Laasphes Verwaltungschef Dirk Terlinden freilich etwas schwierig. Der Neue im Rathaus sitzt erst seit dem 1. November auf seinem Stuhl. Und dennoch gelingt der Redaktion sowohl der – wenn auch eingeschränkte – Rückblick sowie ein umfassender Ausblick auf das, was die Bürger im kommenden Jahr erwartet.
Herr Terlinden, machen wir den Versuch: Ihre beiden Mitarbeiterinnen im Bürgermeisterbüro heißen mit Vornamen?
Ingrid Neuser und Stefanie Scholl. Das weiß ich natürlich.
Sie sind angekommen, haben die Mitarbeiter alle kennengelernt?

howe Bad Laasphe. Schon Tradition hat das SZ-Jahresinterview mit den Bürgermeistern des Altkreises Wittgenstein. Und während die Kollegen aus Bad Berleburg und Erndtebrück das komplette Jahr Revue passieren lassen können, gestaltet sich das für Bad Laasphes Verwaltungschef Dirk Terlinden freilich etwas schwierig. Der Neue im Rathaus sitzt erst seit dem 1. November auf seinem Stuhl. Und dennoch gelingt der Redaktion sowohl der – wenn auch eingeschränkte – Rückblick sowie ein umfassender Ausblick auf das, was die Bürger im kommenden Jahr erwartet.
Herr Terlinden, machen wir den Versuch: Ihre beiden Mitarbeiterinnen im Bürgermeisterbüro heißen mit Vornamen?
Ingrid Neuser und Stefanie Scholl. Das weiß ich natürlich.
Sie sind angekommen, haben die Mitarbeiter alle kennengelernt? Wie ist Ihr Eindruck?
Wir haben gut zusammengefunden, ich bin offen aufgenommen worden. Seit sechs Wochen habe ich jetzt Einblicke in die Abläufe. Ich muss sagen, ich habe ein gutes Team vorgefunden. Durch alle Bereiche erfahre ich eine hohe Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter, die trotz Corona alles für die Bürger tun.
Und Sie selbst? Was haben die Mitarbeiter an ihrem neuen Chef?
Ich habe hier eine offene Tür. Da kann jeder reinkommen. Und die Hierarchien müssen auch nicht immer sklavisch durchgehalten werden. Es darf gute Laune mitgebracht werden und mein Kalender ist einsehbar. Ich glaube, dass dieser ehrliche, offene Umgang miteinander Früchte trägt. Einmal die Woche gibt es bei uns eine Führungsrunde mit offener Diskussionskultur. Klar ist, ich komme nicht hin und drehe alles auf links. Bei der ein oder anderen Funktion wird es Veränderungen geben, aber ich habe überhaupt keinen Anlass, etwa die Fachbereichsleitungen oder andere Dinge zu ändern. Ganz wichtig ist mir, dass einzelne Verwaltungsleute geschützt und nicht in der Öffentlichkeit persönlich und menschlich angegriffen werden.

Offener Austausch gewünscht

Sie haben schon einige Ausschüsse und immerhin die dritte Ratssitzung hinter sich. Ihr Eindruck bisher von der – sagen wir mal – politischen Kultur? 
Ich habe die Ausschüsse ganz bewusst alle einmal besucht, um mir einen Eindruck zu verschaffen. Ganz offenkundig ist der gemeinsame Wille aller, das Beste für die Stadt zu erreichen. Ich habe monatliche Fraktionsvorsitzenden-Besprechungen mit einem offenen Austausch etabliert. Eine Woche vor der Ratssitzung tauschen wir uns in diesem Format aus, was ansteht, ob es Störungen gibt. Wir können miteinander frei reden. Und mit den Informationen gehen die Vorsitzenden anschließend in ihre Fraktionen.
Sie nehmen im Vorfeld schon Dampf aus dem Kessel?
Was heißt das? Es wird auf jeden Fall niemand kalt erwischt. Wir lernen alle miteinander. Und das funktioniert sehr gut. Man sieht das in der Diskussionskultur. Und betrachtet man sich mal den letzten Rat, waren fast alle Beschlüsse einstimmig. Wenn die Fraktionen gegeneinander arbeiten, kommen wir nicht weiter. Ich sehe, dass in Bad Laasphe eine Kompromissbereitschaft vorhanden ist, da wächst was zusammen. Es gibt wieder eine Gesprächsebene. Das gilt auch für die FRAKTION, die ja neu in der Politik ist.
Der Bürgermeister heißt ja nicht umsonst so…
Der Bürgermeister ist für seine Bürger da. Ich werde auf jeden Fall das ein oder andere ins Leben rufen, um die Nähe zu den Bürgern herzustellen. Im Moment werden wir da leider durch Corona ausgebremst. Aber ich habe schon einige Vorstellungen. Mit den Ortsvorstehern will ich in einen engen Austausch vor Ort kommen, möglichst in den Dorfgemeinschaftshäusern. Dann werde ich sicher auch mehrere Bürgersprechstunden in der Kernstadt und in den Dörfern anbieten. Vielleicht werde ich auch den Wochenmarkt nutzen, um mit den Menschen zu reden. Ich versuche ohnehin regelmäßig Kleinigkeiten auf dem Markt zu besorgen, denn der Wochenmarkt ist ein unheimlich wichtiges Segment. Er ist im Grunde der einzige Lebensmittelwochenmarkt weit und breit, eine echte Marke. Den will ich unbedingt halten.

Möglichkeiten zur Entwicklung bieten

Gehen wir mal in medias res, also mitten rein in die Themen: Der Haushalt hört sich positiv an, birgt aber auch Gefahren, oder?
Aktuell bekommen wir eine wichtige Hilfestellung vom Land. Sonst würde keine Kommune den Haushaltsausgleich schaffen. Wir würden mindestens 1,5 Millionen Euro im Minus stehen. Für den aktuellen Turnus ist die Hilfe nun gut. Wir müssen aber 2 Prozent aus dem eigenen Haushalt refinanzieren in den nächsten Jahren.
Haben Sie eigentlich schon heimische Unternehmen besucht?
Ja klar. Im Moment laufen sogar sehr viele Gespräche, um den heimischen Firmen Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Dabei geht es unter anderem darum, die Grundstücksversorgung zu gewährleisten. Vieles läuft im Hintergrund. Nehmen wir die alte Hauptschule, wo das Gelände von Berge-Bau für das Seniorenzentrum fertig gemacht wird. Oder der Neubau der Polizeiwache. Das läuft auch. Das wird alles als selbstverständlich wahrgenommen. Was die Entwicklung des Industriegebiets in den Espen anbetrifft, sind wir ebenfalls in Gesprächen. Unsere Betriebe und Mittelständler sind gut unterwegs. Wir müssen nun Entwicklungsmöglichkeiten für die Bestandsunternehmen bieten, also Grundstücke und Flächen vorhalten. Die Unternehmen wollen nämlich gerne hier bleiben. Was mir nur Sorgen macht, das ist der Gastro-Sektor.

Ikek und Leader

Um besonders die Dorfentwicklung voranzutreiben, ist im vorigen Jahr ein Ikek-Prozess gelaufen. Wie geht es da weiter?
Ikek werde ich nochmal einer Revision unterziehen müssen. Da ist schon einiges umgesetzt worden, es tauchen aber immer noch viele Fragen auf. Aktuell müssen wir uns damit beschäftigen, wie die Vereine ihre Maßnahmen nach Ikek umsetzen können, wenn sie gar kein Geld haben. Ich werde mich um das Thema kümmern. Genauso wie die Leader-Projektierung, die ausläuft. In 2021 müssen wir entscheiden, ob wir uns nochmal bewerben. Wir möchten, dass möglichst alle an Fördermittel drankommen. Wobei man sagen muss, dass aktuell ja auch viele Kleinigkeiten auf den Weg gebracht werden. So haben wir jetzt die Förderung von Investitionen in Vereinen beschlossen, die Tribüne in Feudingen, das Vereinsheim in Oberndorf oder die Wurfanlage in Bad Laasphe. Das gehört alles zur Dorfentwicklung. Und letztlich gehören die Heimatscheck-Verfahren oder auch das Feuerwehrfahrzeug für Rüppershausen zur Dorfentwicklung dazu.

KAG ein ländliches Problem

Sprechen wir mal über KAG. Mit dem Moratorium ist nichts auf Eis gelegt, sondern es soll sich hinter den Kulissen was tun.
Richtig. Ein Schieben auf den Sankt Nimmerleinstag wäre keine Lösung für die städtische Straßeninfrastruktur. Jetzt haben wir ein Moratorium plus. Wir werden die einzelnen Straßenabschnitte noch einmal betrachten. In der Moratoriumsphase selbst passiert erst einmal nichts. Wir können nur flicken. Aber die Aufgabenstellung im Hintergrund ist klar. Bis 30. Juni dauert das Moratorium. In der Zeit überlegen wir gemeinsam, wann und mit welchen Maßnahmen wir uns welche Straße vornehmen. Die Anlieger müssen da aktiv mit eingebunden werden. Klar ist doch, wenn das KAG komplett vom Land bezahlt würde, dann hätten wir 180 Wunschstraßen mit einem Ausbaustandard, der nicht bezahlbar ist. Das muss man auch mal verstehen. Im ländlichen Raum haben wir riesige Grundstücke, politisch spielt aber die Musik auf städtischer Ebene. Das ist das Schwierige. Was in dem KAG-Gesetz gemündet ist, ist schon ein Erfolg. Aber ob die ländlichen Probleme mit städtischen Landtagsabgeordneten gelöst werden, bleibt fraglich.
Beim Ausbau der B 62 behaupten ganz böse Zungen, dass der Rewe zumachen kann, wenn das Projekt startet.
Nein. Es wird immer versucht, die Erreichbarkeit sicherzustellen. Dahinter ist Wagner-Sinto. Die Arbeiter müssen dort auch hinkommen. Es wird fünf Bauabschnitte geben. Wir stehen mit Straßen NRW in Kontakt zu dem Thema. Da wird nach den Sommerferien 2021 eine Bürgerinformation stattfinden. Aus dieser Bürgerinfo werden wir die Anforderungen zusammentragen und die Schnittmenge dazu finden

Für das Jahresinterview der Siegener Zeitung stand Bad Laasphes Bürgermeister Dirk Terlinden Rede und Antwort.
Wenn die B 62 in Bad Laasphe neu gebaut wird, dürfte es innerstädtisch sicher Probleme geben. Aber es werde stets versucht, die Erreichbarkeit sicherzustellen, weiß Bürgermeister Dirk Terlinden.
Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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