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Otto Wunderlich spricht über einen gerechten ÖPNV
Euro-Region mit einheitlichem Tarif

Otto Wunderlich hat als Vorsitzender des Arbeitskreises Schienenverkehr Südwestfalen seine Visionen, was die überregionale Anbindung und das Linienbündel Ost seiner Heimat Wittgenstein anbetrifft.
  • Otto Wunderlich hat als Vorsitzender des Arbeitskreises Schienenverkehr Südwestfalen seine Visionen, was die überregionale Anbindung und das Linienbündel Ost seiner Heimat Wittgenstein anbetrifft.
  • Foto: Holger Weber
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

howe Bad Laasphe. Sollte irgendwann nochmal der Normalfall eintreten, Corona endlich beiseite geschoben worden sein und die Fußballfreunde wieder in die Stadien dürfen, dann freuen sich die Siegerländer und Wittgensteiner Fans der schwarz-gelben Borussia demnächst über eine Direktverbindung von Siegen nach Dortmund. Non-Stop mit dem Inter-City-Zug vom Hauptbahnhof in die Ruhrgebietsmetropole: Für Otto Wunderlich vom Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen ist das einer der Bausteine, die „eine Verkehrswende im ländlichen Raum herbeiführen“, wie der Bad Laaspher im SZ-Gespräch erläutert.

howe Bad Laasphe. Sollte irgendwann nochmal der Normalfall eintreten, Corona endlich beiseite geschoben worden sein und die Fußballfreunde wieder in die Stadien dürfen, dann freuen sich die Siegerländer und Wittgensteiner Fans der schwarz-gelben Borussia demnächst über eine Direktverbindung von Siegen nach Dortmund. Non-Stop mit dem Inter-City-Zug vom Hauptbahnhof in die Ruhrgebietsmetropole: Für Otto Wunderlich vom Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen ist das einer der Bausteine, die „eine Verkehrswende im ländlichen Raum herbeiführen“, wie der Bad Laaspher im SZ-Gespräch erläutert.
Die Siegener Zeitung hatte zuletzt von der Entscheidung der Deutschen Bahn berichtet, ab Dezember dieses Jahres IC-Doppelstockzüge einzusetzen, die Siegen und den zweiten Haltepunkt Kreuztal mit Frankfurt, Dortmund oder Münster verbinden.

Der Intercity 34 soll in Siegen halten

Erstmals würde dann auch eine Direktverbindung von Siegen nach Dortmund existieren. „Ich weiß von einem Fall in Wittgenstein, wo ein junger Mann von seinen Eltern regelmäßig nach Winterberg gebracht wird, um nach Dortmund in die Fachschule zu kommen“, so Otto Wunderlich. 468 Sitze hat der Inter-City, dazu neun Fahrradstellplätze. Seine Ankunft in den Bahnhöfen Siegen und Kreuztal wäre für die Region ein Gewinn.

Direktverbindung von Siegen nach Marburg ein echter Gewinn

Ähnlich verhält es sich mit der Direktverbindung von Siegen nach Marburg auf der Kurhessenbahn-Strecke. Zuletzt hatte die Kurhessenbahn (KHB) zwei Zugpaare getestet und erfreulicherweise bekanntgegeben, dass der Direktzug ab Dezember 2025 an den Start gehen soll. Voraussetzung: Die aktuellen Baumaßnahmen entlang der KHB-Strecke sind soweit abgeschlossen. Denn bis zur Inbetriebnahme der Verbindung Siegen – Marburg müssen unter anderem der Kreuzungsbahnhof in Saßmannshausen gebaut und der Tunnel auf der Leimstruth saniert werden. Danach würde die Strecke Siegen – Marburg im Stundentakt bedient.
„Diese Entscheidungen sind richtig tolle Geschichten“, erläutert Otto Wunderlich. Für ihn sind beide Maßnahmen – der Start des IC-Zugs in Siegen und vier Jahre später besagte Direktverbindung – von größter Bedeutung. „Marburg – Siegen mündet in der IC-Linie“, weiß der Fachmann. Damit hätte die Region schnelle Verbindungen und Anschlüsse von Marburg aus Richtung Hamburg und Berlin sowie Basel, Stuttgart oder München. Und von Siegen aus in die besagten Richtungen. Die Dinge weitergedacht: Wenn der IC komme, so Otto Wunderlich, müsse auch die Strecke von Siegen nach Hagen ertüchtigt werden.

Giersbergtunnel soll ausgebaut werden

Was den Güterverkehr betreffe, sei für das Terminal in Kreuztal „eine Zweigleisigkeit unabdingbar“. Und eine weitere Forderung: Die Sanierung und den Ausbau des Giersbergtunnels mit zweigleisiger Gestaltung. „Wenn man keine Visionen mehr haben darf“, stellt Otto Wunderlich fest, ohne den Satz fortzusetzen. Was zum allergrößten Glück noch fehlen würde: „Eine Euro-Region, ein Tarifverbund über drei Ländergrenzen.“ Das ist die Vision, die der Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen noch hat. Otto Wunderlich: „Beteiligen müsste man die an den Flüssen Ruhr, Lenne, Sieg, Eder, Lahn und Dill liegenden Landkreise.“ Das wären Hochsauerland, Märkischer Kreis, Olpe, Siegen-Wittgenstein, Waldeck-Frankenberg, Marburg-Biedenkopf, Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Limburg, Westerwald-Kreis und der Kreis Altenkirchen.
Mit der globalen Sichtweise der hiesigen Region dürfte dann auch die Aufwertung des Öffentlichen Personennahverkehrs zu rechtfertigen sein. „Die neuen Verbindungen, die Euro-Region mit einem Tarifverbund und dann noch der ÖPNV von 4 bis 22 Uhr. Dann hätte man einen Ansatz“, so Otto Wunderlich. Dabei geht es dem Verkehrsexperten vornehmlich darum, das Linienbündel Ost (Wittgenstein) zu verbessern. „Das ist unbefriedigend.“

ÖPNV in Wittgenstein nicht vernachlässigen

Der ÖPNV sei eine „Daseinsvorsorge“. Und die Gemeinden des Altkreises zahlten ebenso ihre Kreisumlage wie alle anderen in Siegerland und Olpe auch. „Deshalb ist hier auch eine gleiche Wertigkeit umzusetzen.“ Die Forderung: Den ÖPNV von 4 bis 22 Uhr nicht nur in den SI-Gemeinden, sondern auch in Wittgenstein anzubieten. „Der Zweckverband und LEADER müssen sich damit auseinandersetzen.“ Die Abfahrt von 4 bis 22 Uhr in die Mittelzentren gelte auch für Hilchenbach und Netphen.

Busse von 4 bis 22 Uhr Die Buslinie SB 5 öffnet sozusagen das Wittgensteiner Tor ins Siegerland. Die Strecke von Bad Laasphe nach Siegen sollte aber nach Auffassung von Otto Wunderlich zusätzlich morgens zwischen 4 und 5 Uhr sowie abends zwischen 18 und 22 Uhr bedient werden. Hier setzt der Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen mit seiner REGIONALE-Idee der Taxibus-Lösungen an. Bis 7 Uhr, sagt er, könnten die Busse stündlich fahren, von 8 bis 22 Uhr nur alle zwei Stunden. Sinnvoll wäre überdies, den um 23 Uhr in Bad Laasphe eintreffenden Schnellbus bis nach Niederlaasphe durchfahren zu lassen. Dann nämlich sei dorthin keine Obere Lahntalbahn mehr unterwegs. Im Banfetal wäre eine Optimierung im Abendbereich nötig, nämlich eine Zusatzverbindung um 19.30 Uhr. Auf der Buslinie R 30 von Erndtebrück über Feudingen nach Bad Laasphe existiert morgens zwischen 5 und 6 Uhr keine Anschlussverbindung zur RB 94, der Oberen Lahntalbahn. Außerdem wäre so für Berufstätige und Schüler ein Anschluss an die frühe SB 5 von Feudingen nach Siegen möglich. Genauso fordert der Arbeitskreis eine Zusatzlinie der R 33 von 20 bis 22 Uhr. Damit wäre auch von Bad Berleburg über Dotzlar, Arfeld, Schwarzenau und Elsoff nach Hatzfeld ein weiterer Baustein gesetzt.

Allein im Banfetal, im Elsofftal oder von Weidenhausen aus kämen die Berufsschüler nur über Umwege in ihre Einrichtungen. Besonders von Aue-Wingeshausen oder vom Elsofftal aus fehlten die Spätverbindungen, weiß Otto Wunderlich. Der Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen macht sich darum für ein LEADER-Projekt „Taxibus Wittgenstein“ stark. Hier hat er die zahlreichen Anfragen und Problemstellungen aus dem mittleren und unteren Edertal, aus dem Odeborn- und Elsofftal berücksichtigt. Betroffen sind zumeist fehlende Früh- und Spätverbindungen für Schüler, Studenten und Berufstätige.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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