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Was macht eigentlich...?
Ex-Bürgermeister Robert Gravemeier

Von Robert Gravemeier erhielt der damals neu gewählte Bürgermeister Dr. Torsten Spillmann (vorne v. r.) vor knapp elf Jahren in Bad Laasphe den symbolischen Schlüssel fürs Rathaus – im Beisein des Dezernenten Rainer Schmalz, des damaligen Beigeordneten Dieter Kasper und des Personalratsvorsitzenden Jürgen Pospichal (hinten v. l.). Aber was macht eigentlich Robert Gravemeier?
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  • Von Robert Gravemeier erhielt der damals neu gewählte Bürgermeister Dr. Torsten Spillmann (vorne v. r.) vor knapp elf Jahren in Bad Laasphe den symbolischen Schlüssel fürs Rathaus – im Beisein des Dezernenten Rainer Schmalz, des damaligen Beigeordneten Dieter Kasper und des Personalratsvorsitzenden Jürgen Pospichal (hinten v. l.). Aber was macht eigentlich Robert Gravemeier?
  • Foto: Archiv
  • hochgeladen von Björn Weyand (Redakteur)

bw Ladbergen/Bad Laasphe. In wenigen Wochen wählen auch die Laaspher ihren neuen oder alten Bürgermeister bei der Kommunalwahl am 13. September. Zwei Mal stellte sich auch Robert Gravemeier dem Votum der Bürger in der Lahnstadt. Nachdem er 1995 noch vom Stadtrat zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister gewählt worden war, erhielt er 1999 bei der ersten direkten Bürgermeisterwahl über 80 Prozent der Stimmen. Im Jahre 2004 folgte die Wiederwahl mit 62,7 Prozent. Damals setzte sich der parteilose, jedoch von der CDU unterstützte Münsterländer gegen Gerd Karpf durch. Im Jahre 2009 verzichtete Robert Gravemeier allerdings darauf, ein weiteres Mal für das Amt zu kandidieren. Er verließ im Oktober 2009 nicht nur das Rathaus, sondern zog auch von Bad Laasphe zurück in seine Heimat Ladbergen.

bw Ladbergen/Bad Laasphe. In wenigen Wochen wählen auch die Laaspher ihren neuen oder alten Bürgermeister bei der Kommunalwahl am 13. September. Zwei Mal stellte sich auch Robert Gravemeier dem Votum der Bürger in der Lahnstadt. Nachdem er 1995 noch vom Stadtrat zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister gewählt worden war, erhielt er 1999 bei der ersten direkten Bürgermeisterwahl über 80 Prozent der Stimmen. Im Jahre 2004 folgte die Wiederwahl mit 62,7 Prozent. Damals setzte sich der parteilose, jedoch von der CDU unterstützte Münsterländer gegen Gerd Karpf durch. Im Jahre 2009 verzichtete Robert Gravemeier allerdings darauf, ein weiteres Mal für das Amt zu kandidieren. Er verließ im Oktober 2009 nicht nur das Rathaus, sondern zog auch von Bad Laasphe zurück in seine Heimat Ladbergen. Wie es ihm seitdem ergangen ist, wie sehr er noch das Geschehen in Bad Laasphe verfolgt und wie er manche Dinge aus heutiger Sicht bewertet, verriet Robert Gravemeier im SZ-Interview.

Als Sie im Jahre 2009 aus dem Amt ausgeschieden sind, waren Sie gerade mal 58. Ein früher Ruhestand – wie haben Sie den seitdem gestalten können?

• Ich habe mich voll in die Familienbetreuung reingekniet und nicht viel anderes unternommen, als mich um die Enkelkinder zu kümmern. Sie sind sportlich sehr aktiv, ich habe sie wohl etliche tausend Kilometer zum Training, zu Spielen und zu Wettkämpfen gefahren.

Und wie gut konnten Sie nach Ihrem Abschied von Bad Laasphe loslassen?

• Das hat gedauert, ich habe schon fünf, sechs Jahre gebraucht. Am Anfang habe ich noch sehr regelmäßig die Vorlagen und Niederschriften von Sitzungen gelesen. Ich habe schon versucht zu verfolgen, wie läuft es weiter. Das hat mit der Zeit dann immer mehr nachgelassen. Ich habe die Zeit in Bad Laasphe ja sehr genossen. Aber es ist auch ein stressiger Job, wenn man sich reinkniet. Man schüttelt auch nicht alles so einfach ab.

Ihr früherer Bürgermeisterkollege Karl Ludwig Völkel ist nach seiner Amtszeit politisch weiter aktiv. Er sitzt im Rat und will nun sogar in den Kreistag. War das für Sie niemals ein Thema?

• Das habe ich mir ganz bewusst verkniffen. Ich hatte meine politische Zeit. Ich bin auch immer parteilos gewesen. Ich wurde zwar hier in Ladbergen mal angesprochen, ob ich nicht politisch aktiv werden wollte, aber das wollte ich nicht mehr.

Wie oft sind Sie noch in Bad Laasphe? Und haben Sie noch viele Kontakte nach Wittgenstein?

• So drei bis vier Mal im Jahr sind wir in Bad Laasphe. Es ergeben sich natürlich in 14 Jahren einige Freundschaften und natürlich pflegen wir die gerne. Was mir ins Auge fällt, wenn wir nach Bad Laasphe kommen: So viel hat sich nicht verändert. Die Hauptschule wird jetzt abgerissen, wie ich gesehen habe.

Vor allem verbindet Sie eine sehr enge Freundschaft mit ihren ehemaligen Amtskollegen Heinz-Josef Linten und Hans-Werner Braun.

• Ja, wir treffen uns mehrmals im Jahr und unternehmen gemeinsame Ausflüge. Nächste Woche treffen wir uns zum Beispiel in Koblenz, wo Hans-Werner Braun lebt. Es ist schon etwas Besonderes, was uns verbindet, übrigens ja über die Parteigrenzen hinweg. Wir hatten damals das Gefühl, wir wären gemeinsam noch interkommunal weiter gekommen.

Wie sehr ärgert es Sie, dass man Ihren Namen in Bad Laasphe zwar sehr oft mit der Thermalwasserbohrung verknüpft, allerdings fast nie mit dem Bau der Kunstrasenplätze oder der Sanierung des Freibads in Bad Laasphe?

• Das ärgert mich gar nicht mehr, das war damals eine Chance. Es gab eine ganz erhebliche Landesförderung, eine 100-prozentige Sicherheit gibt es eben nicht. Dem Kur- und Badewesen in Bad Laasphe hätte es gut getan. Mich belastet das nicht mehr. Wer arbeitet, macht Fehler. Ich werfe mir nichts vor, es wurde eine Menge in meiner Zeit realisiert oder angestoßen: das Koch-Gelände, der Kauf und die Sanierung des Bahnhofs, die energetische Sanierung des Gymnasiums oder auch der Industriepark Wittgenstein in Schameder.

Unvollendet blieben damals die Bestrebungen für eine Ortsumgehung. Ist das für Sie rückblickend eine Niederlage?

• Das ärgert mich tatsächlich bis heute. Es gab einen Mehrheitsbeschluss im Rat, der aber im Nachhinein politisch unterlaufen wurde. Da wurden sogar Bundestagsabgeordnete und Landtagsabgeordnete eingespannt, um das Vorhaben zu unterwandern. Sie hätten es anders haben können. Gerade diese Entscheidung war es, die bei mir dazu geführt hat zu sagen, jetzt reicht es mir, ich trete nicht mehr zur Wahl an.

Mit knappen Kassen mussten Sie auch früher schon leben. Jetzt kommen aber so umstrittene Themen wie die hohen Straßenausbaubeiträge oder auch die Windkraft hinzu. Ist der Job des Bürgermeisters heute überhaupt noch zu empfehlen?

• Ich war gerne Bürgermeister und der Job ist immer noch spannend. Aber es kostet eben auch oft viel Kraft, sich für etwas einzusetzen, ohne dass es ein Ergebnis bringt. Ich erinnere mich daran, dass ich die Windräder damals nicht haben wollte. Ich empfand sie damals als störend. Ich habe den Friedwald damals unterstützt, weil wir damit auch die Zusage bekommen hatten, dass keine Windräder gebaut werden sollten. Aber es hat sich so viel getan und auch ich habe da etwas umgedacht.

Manche Themen sind in Bad Laasphe ja auch geblieben: Der Ansiedlung eines Supermarktes im Umfeld der Altstadt ist man nicht wirklich näher gekommen.

• Auch das ist damals leider zerredet worden. Bad Laasphe hätte den Supermarkt längst haben können. Wir hätten es damals hinbekommen.

Den Niedergang von Emmaburg- und Schlossberg-Klinik in Bad Laasphe haben Sie vermutlich aus der Ferne verfolgt. Was sagen Sie dazu?

• Das Kurwesen war ja schon 1995, als ich nach Bad Laasphe gekommen bin, auf dem absteigenden Ast. Es wurde lange versucht, diese Entwicklung aufzuhalten, aber ich denke, hier wurde auch eine Modernisierung zum richtigen Zeitpunkt, als es noch lief, einfach verpasst. Letztlich hält man den Niedergang dann nicht mehr auf.

In wenigen Wochen steht die nächste Kommunalwahl an. Welche Fähigkeiten muss ein Bürgermeister haben?

• Man muss vor allem kommunikativ sein. Wenn Sie etwas anpacken wollen und können die Bürger nicht mitnehmen, dann haben Sie einen schweren Stand. Projekte mit Überraschungseffekt mögen die Bürger nicht mehr. Fachliche Kompetenz in der Verwaltungsarbeit ist auch wichtig, und Sie brauchen eine starke Mannschaft in der Verwaltung. Wir hatten damals ein tolles Klima im Verwaltungsvorstand mit Dieter Kasper und Rainer Schmalz: Da wurden die Dinge konstruktiv angepackt und dann umgesetzt.

Von Robert Gravemeier erhielt der damals neu gewählte Bürgermeister Dr. Torsten Spillmann (vorne v. r.) vor knapp elf Jahren in Bad Laasphe den symbolischen Schlüssel fürs Rathaus – im Beisein des Dezernenten Rainer Schmalz, des damaligen Beigeordneten Dieter Kasper und des Personalratsvorsitzenden Jürgen Pospichal (hinten v. l.). Aber was macht eigentlich Robert Gravemeier?
Robert Gravemeier pflegt Freundschaften nach Bad Laasphe bis heute.
Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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