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Rat informiert sich über Waldzustand
„Fallen nicht in ein tiefes Loch“

Der Käfer hat in Feudingen alles ratzekahl gefressen. Hier im Bad Laaspher Stadtwald sind die Fichten nicht mehr zu retten.
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howe Bad Laasphe. So düster das Bild des Bad Laaspher Stadtwalds auch gezeichnet sein mag: Die Köpfe steckten am Dienstagabend in der Sitzung des Rates Forstdirektor Manfred Gertz vom Regionalforstamt sowie Center-Forst-Chef Henning Graf von Kanitz nicht in den Sand. 200 000 Festmeter Holz warten noch auf ihre Aufarbeitung in Wittgenstein, die Preise seien „nicht zum Totlachen“. Man bewege sich am Rande der Kostendeckung, erläuterte Manfred Gertz. Und dennoch: „Der Wald ist nicht ganz weg, er wird sich aber deutlich verändern. Wir sind da mit dem Mischwald am besten aufgestellt“, formulierte Manfred Gertz.

Der Forstdirektor schob aber hinterher: „Der Klimawandel ist auch im Wald in Bad Laasphe angekommen.

howe Bad Laasphe. So düster das Bild des Bad Laaspher Stadtwalds auch gezeichnet sein mag: Die Köpfe steckten am Dienstagabend in der Sitzung des Rates Forstdirektor Manfred Gertz vom Regionalforstamt sowie Center-Forst-Chef Henning Graf von Kanitz nicht in den Sand. 200 000 Festmeter Holz warten noch auf ihre Aufarbeitung in Wittgenstein, die Preise seien „nicht zum Totlachen“. Man bewege sich am Rande der Kostendeckung, erläuterte Manfred Gertz. Und dennoch: „Der Wald ist nicht ganz weg, er wird sich aber deutlich verändern. Wir sind da mit dem Mischwald am besten aufgestellt“, formulierte Manfred Gertz.

Der Forstdirektor schob aber hinterher: „Der Klimawandel ist auch im Wald in Bad Laasphe angekommen.“ Henning Graf von Kanitz machte auf die besondere geografische Lage von Bad Laasphe aufmerksam. Die Stadt befinde sich im Regenschatten des Rothaargebirges. „Selbst in Bad Berleburg war die Niederschlagsituation besser“, so Graf Kanitz. 2018 sei man mit einem hohen Wasservorrat ins Jahr gegangen, der sei aufgrund der beiden Trockenjahre komplett aufgebraucht worden. Graf Kanitz sprach von einem „gigantischen Vermögensverlust“ für Waldbauern und den Regionalforst. „Es ist keine saubere Wirtschaft mehr möglich. Sie retten nur noch Werte, um die Deckungs- und Verwaltungskosten reinzuholen.“ Deshalb sei man auch auf die China-Vermarktung angewiesen. Was es damit auf sich hat, das erläuterte zuvor Manfred Gertz. Denn aus dem Stadtwald in Feudingen werden aktuell containerweise Ladungen per Lkw zum Hafen nach Antwerpen gebracht und von dort nach China verschifft. Allerdings würden die Containerschiffe umgebaut, weil sie von Schweröl auf Leichtöl umgerüstet würden. Das verursache hohe Kosten. Überdies sei das Thema Ladungssicherung aufgekommen. „Die Aufarbeitung und Vermarktung des Holzes ist eine Mammutaufgabe“, so Manfred Gertz. Graf Kanitz stellte fest, „wir machen drei Kreuze, dass die Container noch rausgegangen sind.“ Aktuell fahre man kontinuierlich ab, frage sich aber, wie lange noch. „Wenn dieser Absatzkanal wegfällt, stehen wir vor einer schwierigen Situation.“

Dennoch machte Graf Kanitz Mut. Unter einer solch unsicheren Zukunft müsse man Überlegungen hinsichtlich Pionierbaumarten anstellen, die den extremen Sommer überstehen und in der Freifläche bestehen könnten. Pionierbaumarten wären die Birke, Pappel oder Robinie – Laubbäume, die bei Trockenheit das Laub verlören, aber nicht so schnell abstürben. Welche Konsequenzen das komplette Szenario für den Bad Laaspher Stadtwald konkret habe, wollte FDP-Fraktionsvorsitzender Klaus Preis wissen. „Wir haben Naturverjüngungen mit Vorbauten angelegt“, erklärte Manfred Gertz. „Wir werden nicht in ein tiefes Loch fallen.“ Wie sich der Waldzustand weiter entwickelt, das vermögen auch die Forstfachleute nicht zu sagen. Das Land NRW hat bekanntlich eine „Taskforce“ gebildet, die sich mit unterschiedlichen Szenarien beschäftigt hat, was die Ausbreitung des Käfers anbetrifft. Die Prognose wäre gewesen, dass 2021 ein Höhepunkt erreicht sein könnte und danach Besserung eintritt. „Der hohe Niederschlag hat die Wasserreserven wieder aufgefüllt“, gab sich Manfred Gertz vorsichtig optimistisch.

„Wir hoffen, dass der Zenit erreicht ist.“ Dennoch sind die Unsicherheiten groß, besonders in der Holzindustrie. „Das Holz, das hier angefallen ist, lässt sich vor Ort nicht mehr vermarkten. Das war bei Kyrill anders.“ Die Stimmung bei den hiesigen Sägewerken trübe sich ein. Insofern sei man auch die China-Verkäufe angewiesen.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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