Gewerkschaft Verdi geht mit Aldi Bad Laasphe hart ins Gericht
Freiwillige Anpassung der Tarifentgelte nur ein Blendwerk?

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert den Umgang mit den Mitarbeitern am Aldi-Standort Bad Laasphe scharf.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

sz Bad Laasphe. Die „freiwillige Anpassung der Tarifentgelte“ für die Mitarbeiter am Aldi-Standort Bad Laasphe nimmt Verdi-Gewerkschaftssekretärin Monika Grothe zum Anlass, um mit dem Unternehmen hart ins Gericht zu gehen. In der Vorwoche habe Nicole Tennstädt, Geschäftsführerin von Aldi in Bad Laasphe, den Beschäftigten mitgeteilt, dass der Konzern bei den tariflich beschäftigten Mitarbeitern eine freiwillige und mit dem späteren Tarifergebnis verrechenbare Anpassung der Entgelte vornehmen werde. Dies bedeute: mehr Geld für die Beschäftigten – auch ohne Tarifabschluss. Und dies, weil man „nicht möchte, dass der Stillstand bei den Tarifverhandlungen zu Lasten der Mitarbeiter geht“, zitiert Verdi aus dem Schreiben der Führungskraft.

Bissige Antwort der Arbeitnehmer-Seite

Die Arbeitnehmer-Vertreterin antwortet bissig: „Ich bin hocherfreut über die Fürsorge, die Aldi hier gegenüber den Kolleginnen und Kollegen an den Tag legt. Weiterhin erfüllt es mich mit großer Freude, dass Aldi scheinbar großen Wert auf faire Vergütung legt und aufgrund der erschwerten Bedingungen im Lebensmitteleinzelhandel in den vergangenen Monaten bereits vor Abschluss der laufenden Tarifverhandlungen das Entgelt um 2 Prozent angehoben hat. Das hört sich vordergründig hervorragend an. Aldi als fairer Arbeitgeber, der seine Mitarbeiter so dermaßen wertschätzt, dass er freiwillig mehr zahlt, als er müsste.“ Allein – ihr fehle der Glaube, so Monika Grothe. Hier habe Aldi – wie übrigens viele andere Arbeitgeber im Einzelhandel auch – wunderschöne Potemkinsche Dörfer aufgebaut. Wenn man sich die Mühe mache und hinter die Kulissen „dieses Blendwerkes“ schaue, was finde man dort vor? „Als erstes taucht dort die Tatsache auf, dass die Zahlung dieser Vorweg-Anhebung freiwillig ist und Aldi sie den Beschäftigten jederzeit ohne Begründung auch wieder kürzen kann. Dieses wäre übrigens bei einer tarifvertraglich vereinbarten Erhöhung anders.“ Es werde mit dieser Empfehlung einer Vorweg-Anhebung durch den Arbeitgeberverband HDE versucht, die Streikmaßnahmen im Einzelhandel lahmzulegen. Es sollten die Streikenden sich fragen, warum Streiks auch weiterhin notwendig seien – wo es doch bereits jetzt mehr Geld gebe.

Lediglich ein Zückerchen

Die Verdi-Vertreterin legt nach: „Auch Aldi gehört mit Milliarden-Umsätzen eindeutig zu den großen Gewinnern der Pandemie. Die zweiprozentige Erhöhung der Entgelte für diejenigen, die diese Gewinne erarbeitet haben, tut dem Unternehmen nicht weh. Im Gegenteil – 2 Prozent Entgelterhöhung sind lediglich ein Zückerchen. Bei den – belegbaren – Milliarden-Umsätzen wären ohne weiteres auch 5 oder 8 Prozent Lohnerhöhung drin gewesen. Verdient hätten es die Mitarbeiter.“ Zumindest aber hätten die Beschäftigten, „die in den vergangenen Monaten den Laden im wahrsten Sinne des Wortes am Laufen gehalten haben, es verdient, nicht mit einem Almosen abgespeist zu werden, das unterhalb der Inflationsrate liegt und zudem absolut freiwillig und jederzeit widerrufbar ist“. So gehe man nicht mit Menschen um, die vor einigen Monaten noch von der Bundeskanzlerin als systemrelevant dargestellt worden seien, findet die Gewerkschaftssekretärin.

Keine echte Wertschätzung

Ebenfalls erwähnt sei an dieser Stelle, dass die Arbeitgeber sich ohne die entsprechenden Streikmaßnahmen sicher nicht veranlasst gesehen hätten, die Entgelte in dieser Form anzuheben. Wenn es tatsächlich um die Wertschätzung der Mitarbeiter gehen würde, hätte man durchaus die Entgelte auch bereits im vergangenen Jahr anheben können. In dem Schreiben an die Mitarbeiter entstehe der Eindruck, dass Aldi es begrüßen würde, wenn die Tarifparteien sich zeitnah auf einen Abschluss einigen würden. „Wir würden dies ebenfalls begrüßen. Dazu muss man sich allerdings bewegen. Auch die Arbeitgeberseite. Und zwar aufeinander zu. Abschließend bleibt festzuhalten, dass wir keinerlei Einwände gegen die Zahlung von höheren Entgelten haben. Allerdings erwarten wir, dass dies tarifvertraglich vereinbart wird, damit Beschäftigte nicht nach dem Nasen-Prinzip bezahlt werden können“, so Monika Grothe abschließend.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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