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Deutsche Post macht keine Hoffnung
Fünf Geldbriefe im Versand verloren

Zwischen 28. März und 24. April hat Renate Schmidt in Banfe fünf Briefe – teils mit Geldgeschenken – per Post versendet. Angekommen sind die Couverts aber leider nicht.
  • Zwischen 28. März und 24. April hat Renate Schmidt in Banfe fünf Briefe – teils mit Geldgeschenken – per Post versendet. Angekommen sind die Couverts aber leider nicht.
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howe Banfe. Der aus Feudingen stammende Autor Hans Wied stellte einst im Wittgenstein-Heft des Wittgensteiner Heimatvereins die Verbindung des Posträubers Jakob Geitz zu Laasphe her. Geitz überfiel im Herbst 1821 gemeinsam mit dem Anführer David Briel und anderen Gestalten eine Postkutsche. 10 000 Gulden, nach heutigen Maßstäben ein Millionenbetrag, erbeuteten die Männer unweit der Grenze zu Wittgenstein. Das dürfte sicher der größte Postraub in der Geschichte der Region gewesen sein.

Den kleinen Postraub erlebten kürzlich, knapp 200 Jahre später, Fritz Günter und Renate Schmidt aus Banfe. Sie hatten Freunde und Verwandte zu bestimmten Anlässen beschenken wollen und wählten dafür den Postweg. Schließlich haben es die Schmidts da besonders einfach.

howe Banfe. Der aus Feudingen stammende Autor Hans Wied stellte einst im Wittgenstein-Heft des Wittgensteiner Heimatvereins die Verbindung des Posträubers Jakob Geitz zu Laasphe her. Geitz überfiel im Herbst 1821 gemeinsam mit dem Anführer David Briel und anderen Gestalten eine Postkutsche. 10 000 Gulden, nach heutigen Maßstäben ein Millionenbetrag, erbeuteten die Männer unweit der Grenze zu Wittgenstein. Das dürfte sicher der größte Postraub in der Geschichte der Region gewesen sein.

Den kleinen Postraub erlebten kürzlich, knapp 200 Jahre später, Fritz Günter und Renate Schmidt aus Banfe. Sie hatten Freunde und Verwandte zu bestimmten Anlässen beschenken wollen und wählten dafür den Postweg. Schließlich haben es die Schmidts da besonders einfach. Denn in der Poststraße hängt ausgerechnet an ihrem eigenen Haus der Briefkasten der Deutschen Post – historisch bedingt, weil es sich bei dem Gebäude um die alte Banfer Post handelt. Also schrieb Renate Schmidt fleißig ihre Briefe, legte einen Geld-Gruß oder ein Geschenk bei. Fünf Couverts klebte die pensionierte Lehrerin zu und warf sie in den Schlitz des vorm Haus hängenden Kastens.

Alle Sendungen – zwischen dem 28. März und 24. April abgeschickt – kamen nie bei den Empfängern an. „Wir haben irgendwann bei den Leuten angerufen und nachgefragt“, schildert Fritz Günter Schmidt. Und siehe da: Die Briefe landeten offenbar irgendwo anders, nicht aber bei den Adressaten. „Mir geht es nicht mal um den Verlust und das Geld“, sagt Fritz Günter Schmidt. „Viel ärgerlicher ist, dass ich mich nirgendwo beschweren oder erkundigen kann.“ Das Problem: „Da bekommt man nie jemanden oder wird an irgendein Call-Center verwiesen.“

Auch das Nachsuche-Formular hätte er ausfüllen können, weiß Fritz Günter Schmidt. Aber darauf stehe kein Empfänger. Er selbst müsse alle seine Daten angeben und schriftlich fixieren. Wohin der Auftrag dann gehe, wisse er nicht.

Die obligatorische Strafanzeige hat die Familie Schmidt natürlich bei der Polizei gestellt: „Hoffnung mache ich mir da wenig.“ Herausgefunden hat Fritz Günter Schmidt inzwischen, dass „sein“ Briefkasten von einem Mitarbeiter der Deutschen Post geleert und die Briefe nach Bad Laasphe befördert werden. Von hier übernimmt ein Sub-Unternehmer den Transport nach Erndtebrück, wo die Sendungen umgeladen und von einem weiteren Sub-Unternehmer ins Brief-Verteilzentrum nach Freudenberg gebracht werden.

„Besonders unserem Zusteller ist die Sache unangenehm“, berichtet Fritz Günter Schmidt. Der kenne die Menschen ja alle persönlich. „Dem ist das ärgerlich.“ Schließlich hat ein seriöser Mitarbeiter bei sowas immer das ungute Gefühl, selbst in Verdacht zu geraten. „Unser Briefträger ist sehr hilfsbereit. Er hat uns alle möglichen Dinge erklärt, die wir unternehmen können“ – letztlich war da auch besagte Nachsuche-Karte bei. Fritz Günter Schmidt ist enttäuscht von dem System „Post“.

„Ich halte mich für einen durchschnittlich begabten Menschen“, erzählt der ehemalige Leiter der Niederlaaspher Grundschule. „Aber wenn man nie ans Ziel kommt, ist das frustrierend.“ Dass bei allem Ungemach auch bei Fritz Günter und Renate Schmidt Erinnerungen an die Vorgänge vom vorigen Jahr sehr wach werden, ist verständlich. Da hatte die Siegener Zeitung von gehäuft auftretenden Briefdiebstählen in Siegen-Wittgenstein berichtet.

In 2018 und 2019 sollen Briefe geöffnet und gestohlen worden sein. Leser klagten in der Redaktion über verschwundenes Geld, Schmuck, Bankkarten oder nie angekommene Rechnungen und Kündigungsschreiben. Die Post ermittelte damals intern, machte zwei Mitarbeiter ausfindig und erstattete Strafanzeige. Derweil erneuern Post und Polizei nochmals ihre Bitte, kein Bargeld mit dem gewöhnlichen Postbrief zu verschicken. Genau aus diesem Grund haben die Schmidts auch keinen Anspruch auf eine Rückerstattung. „Denn Geld darf nicht mit dem normalen Brief verschickt werden“, erläutert Post-Pressesprecher Alexander Böhm.

Der telefonierte am Dienstag mehrere Stellen ab, recherchierte und kam im SZ-Gespräch zu dem Schluss, dass „keine Chance besteht, die Briefe ohne Ident-Nummer irgendwo zu finden.“ Er habe aber in der Angelegenheit, die die Familie Schmidt aus Banfe schildere, „die Security angesetzt“. Die werde „jetzt ein Auge drauf haben“, so der Pressesprecher.

Alexander Böhm bedauerte den Vorfall. Es sei jedoch schwierig, bei täglich 55 Millionen Briefen die hiesigen wiederzufinden. Er könne nur den Tipp geben, für jede vermisste Sendung einen Nachforschungsauftrag abzugeben. Der könne im Internet ausgefüllt werden. Was der Pressesprecher auch herausfand: „In Bad Laasphe haben wir in der genannten Zeit keine Auffälligkeiten feststellen können. Es gab keine Kundenbeschwerden.“

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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