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„Die Partei“ erinnert an Waschbären
Gedenkfeier: „Der kleine Racker ist tot“

Die Parteigenossen rund um 1. Vorsitzenden René Pomrehn nahmen Abschied von dem Erfurter Waschbären, der als Handpuppenpendant seine letzte Ruhe im Miniatursarg fand.
  • Die Parteigenossen rund um 1. Vorsitzenden René Pomrehn nahmen Abschied von dem Erfurter Waschbären, der als Handpuppenpendant seine letzte Ruhe im Miniatursarg fand.
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sabe Bad Laasphe. Die Mitglieder des Ortsverbandes Bad Laasphe von Die Partei hatten sich am gestrigen Freitag auf dem Bad Laaspher Wilhelmsplatz richtig in Schale geworfen, um dem „verfolgten Waschbären aus Erfurt“ die letzte Ehre zu erweisen. Im klassischen schwarzen Anzug hielt denn auch der 1. Vorsitzende René Pomrehn seine Abschiedsrede vor dem nicht sehr zahlreich erschienenen Trauerpublikum. Warme Worte, kaltes Bier und Satire gab es dafür umso mehr.
Betrunkener Waschbär machte SchlagzeilenMit einem vollmundigen Schmunzler wurde denn...

sabe Bad Laasphe. Die Mitglieder des Ortsverbandes Bad Laasphe von Die Partei hatten sich am gestrigen Freitag auf dem Bad Laaspher Wilhelmsplatz richtig in Schale geworfen, um dem „verfolgten Waschbären aus Erfurt“ die letzte Ehre zu erweisen. Im klassischen schwarzen Anzug hielt denn auch der 1. Vorsitzende René Pomrehn seine Abschiedsrede vor dem nicht sehr zahlreich erschienenen Trauerpublikum. Warme Worte, kaltes Bier und Satire gab es dafür umso mehr.

Betrunkener Waschbär machte Schlagzeilen

Mit einem vollmundigen Schmunzler wurde denn auch von den Parteigenossen selbst und den wenig dazu gestoßenen Bürgern die inszenierte Aufbahrung des verstorbenen Tieres bewundert: Es gab Blumen, es gab einen kleinen Miniatursarg mit heraushängendem schwarz-weißen Schwanz und sogar Parteimitglieder als umfunktionierte Ordner mit weißen Binden – man wisse ja nie, bei all den Menschenmassen die womöglich Abschied nehmen wollten. So wurden denn vom Vorsitzenden René Pomrehn sicherheitshalber auch Fluchtwege ausgewiesen. Zum Hintergrund (die Siegener Zeitung berichtete im Vorfeld): Im Dezember 2019 machte der – so bekannt gewordene – betrunkene Erfurter Waschbär weltweit Schlagzeilen. Das Tier hatte sich womöglich an einem herrenlosen Glühwein vergriffen und sich dann zum „ausnüchtern“ in die Erfurter Innenstadt begeben. Hier wurde es dann erschossen. Als offizieller Grund wurde damals von der Stadt Erfurt eine Infektion mit dem Staupe-Virus angegeben. Die Partei allerdings ist skeptisch: Es gebe auch Gerüchte, dass das Tier sterben musste, weil sein Fell schwarz-weiß und nicht weiß-schwarz gestreift war, gab René Pomrehn eine der Theorien in seiner Grabrede wieder. „War hier etwa der Staatsschutz auf dem rechten Auge blind“, fragte er gen Publikum um gleich darauf zu mahnen: „Wir von der Partei ’Die Partei’ möchten und werden uns hier nicht an wilden Spekulationen beteiligen, sondern heute nur nochmal ins Gedächtnis rufen: Der kleine Racker ist tot!“

"Plüschigen Kamerad" nach Wittgenstein geholt

Ein triftiger Grund für Die Partei, um in jüngster Vergangenheit mit den örtlichen Behörden in „langen Verhandlungen“ und „unter Zustimmung der nächsten Verwandten, den plüschigen Kameraden hier nach Wittgenstein zu holen.“ Wenngleich jenes mittelgroße Säugetier tatsächlich nur ein fiktives Doppel war, eine „eingepackte Handpuppe“, wie René Pomrehn im SZ-Gespräch verriet, so wurde die Einladung, inne zu halten und den Kopf zu neigen, doch gerne von den Anwesenden angenommen. Den Grund des Spektakels – man möge zwischen den Zeilen lesen – formulierte René Pomrehn so: „Wir vom Ortsverband Bad Laasphe setzen uns unter anderem dafür ein, dass verfolgte Waschbären aus allen Regionen und Ländern bei uns eine geschützte Umgebung finden können.“ Die Fellfarbe, sie dürfe keine Rolle spielen. Wer verfolgt und dessen Leben bedroht werde, „soll hier bei uns eine Heimat finden.“ Eine Heimat, „frei von Ängsten, frei von Verfolgung, frei von Vorurteilen und frei von Hetze.“

Ernster Hintergrund

Manche Menschen, Gruppierungen oder sogar Parteien – auch lokale Ableger dieser Parteien in Bad Laasphe – würden gerne das Gegenteil verkünden: Es sei kein Platz für Andere, für Fremde. Auch international werde der tierische Neubürger mit Argwohn betrachtet und als invasive Art gelistet, die keinen Anspruch auf Bleibe habe – aber: Sage nicht schon die Vernunft, dass allen in Not geratenen Menschen geholfen werden sollte? „Lösche ich nur das brennende Haus meines Nachbarn, wenn es mein Haus bedroht?“, fragte der Parteivorsitzende abschließend und resümierte: „In Wittgenstein, in Deutschland und auch in ganz Europa, darf das einzige, für das kein Platz ist, nur sein: Hetze, Hass, Rassismus, Missgunst und Verfolgung – daher haben wir uns heute hier versammelt, um an den bekannten Waschbären aus Erfurt zu erinnern.“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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