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Einziges Paar in den Bonnwiesen
Gefährdete Braunkehlchen im Naturschutzgebiet

Vorige Woche haben Fachleute der Biologischen Station ein einziges Braunkehlchen-Paar im Oberndorfer Naturschutzgebiet Bonnwiesen gesichtet.
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  • Vorige Woche haben Fachleute der Biologischen Station ein einziges Braunkehlchen-Paar im Oberndorfer Naturschutzgebiet Bonnwiesen gesichtet.
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  • hochgeladen von Holger Weber (Redakteur)

howe Oberndorf. Eigentlich müsste es seit Mitte April auf dem Weg sein – das Braunkehlchen. In diesen Wochen würde es nämlich aus seinem Winterquartier in Afrika in sein mitteleuropäisches Brutgebiet zurückkehren. Eines dieser Gebiete wären die Bonnwiesen, ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet in der Bachtalaue von Oberndorf.

Seinerzeit waren genau diese Flächen im idyllischen Tal unter Schutz gestellt worden, weil hier neben den floristisch-vegetationskundlichen Aspekten wie Hochstaudensäume, Wiesenknöterich-Wiesen, Rotschwingel-Wiesen oder Arten wie Hirsesegge, Sumpfveilchen und das schmalblättrige Sumpfgras auch zwei Vogelarten heimisch waren: das Braunkehlchen und der Wiesenpieper.

howe Oberndorf. Eigentlich müsste es seit Mitte April auf dem Weg sein – das Braunkehlchen. In diesen Wochen würde es nämlich aus seinem Winterquartier in Afrika in sein mitteleuropäisches Brutgebiet zurückkehren. Eines dieser Gebiete wären die Bonnwiesen, ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet in der Bachtalaue von Oberndorf.

Seinerzeit waren genau diese Flächen im idyllischen Tal unter Schutz gestellt worden, weil hier neben den floristisch-vegetationskundlichen Aspekten wie Hochstaudensäume, Wiesenknöterich-Wiesen, Rotschwingel-Wiesen oder Arten wie Hirsesegge, Sumpfveilchen und das schmalblättrige Sumpfgras auch zwei Vogelarten heimisch waren: das Braunkehlchen und der Wiesenpieper. Das Gebiet, heißt es auf der Tafel am Rande des Naturschutzgebietes Bonnwiesen, stelle einen weitgehend naturnahen, naturraumtypischen Biotopkomplex aus überwiegend extensiv genutzten, artenreichen und zum Teil auch brachliegendem Grünland dar, „das in seiner Ausdehnung, Geschlossenheit und in seinem Erhaltungszustand von besonderer Bedeutung für die heimische Tier- und Pflanzenwelt ist“.

Nun ließ sich das Braunkehlchen, übrigens Vogel des Jahres 1987, in Oberndorf zuletzt nicht mehr blicken. Ohnehin zählt es zu den stark gefährdeten Arten. Und weil es immer in den Oberndorfer Bonnwiesen heimisch war, ist das Braunkehlchen „wertbestimmend für ganz Südwestfalen“, wie Michael Düben vom Siegen-Wittgensteiner Kreisverband des Naturschutzbunds (NABU) erläutert. Genauso wie das Gebiet um Burbach-Holzhausen, wo noch Bestände verzeichnet seien. Einzelne Vorkommen vermutet Michael Düben auch im Benfetal, eventuell in Hemschlar und wohl Restbestände unterhalb von Beddelhausen.

Wird das Braunkehlchen also in Siegen-Wittgenstein nicht mehr gesichtet, dürfte es in ganz Südwestfalen von der Bildfläche verschwunden sein. Wobei er meine, so Michael Düben, dass es in den Bonnwiesen noch Brutpaare gebe. Genau das bestätigt aktuell Michael Frede von der Biologischen Station: „Letzte Woche haben wir ein Brutpaar gesichtet“, verkündet der Fachmann die freudige Nachricht. Noch befinde sich das Braunkehlchen in der Durchzugphase. „Wir sind zuversichtlich, dass es hier bleibt.“ Schließlich haben Biologische Station und NABU zuletzt in den Bonnwiesen in Oberndorf „Strukturen geschaffen“, wie Michael Frede erläutert. Die sollen nach Möglichkeit dafür sorgen, dass Wiesenpieper und Braunkehlchen wieder zurückkommen. Während immerhin ein einziges Braunkehlchen-Brutpaar definitiv in den Bonnwiesen lebt, ist der Wiesenpieper zuletzt leider nicht mehr gesichtet worden.

Biostation und NABU haben deshalb hohe Bäume und Sträucher entfernt, um den Talraum für die Bodenbrüter frei zu halten. „Das Gebiet wird entbuscht“ und das Habitat werde frei gemacht, erläutert Michael Düben, weil die Vögel hohen Bewuchs nicht mögen. Kleine Zaunpfähle haben die Fachleute überall eingeschlagen, sozusagen als Sitzwarten. Diese Strukturelemente begünstigen die Ansiedlung der Braunkehlchen, weil sie der Revierabgrenzung dienen und förderlich bei der Nahrungssuche sind. Den Wiesenpieper haben die Fachleute gänzlich aus den geschulten Augen verloren. „Sein Vorkommen nimmt europaweit stark ab“, weiß Michael Frede. Da dürfte wohl die Klimawandel-Komponente eine Rolle spielen. Insofern müssen sich die Biologen eine Menge einfallen lassen, um Braunkehlchen und Wiesenpieper einen optimalen Lebensraum im Oberen Lahntal zu bieten.

Neben „vernünftigen Bewirtschaftungsbedingungen“ sind dies auch Bambusstecken im Boden, die bei den genannten Vogelarten für eine Reizüberflutung sorgen sollen. Wichtig sei auch, bestimmte Pflanzenarten zu schützen, die das Braunkehlchen bevorzugt – etwa das zu den Rosengewächsen zählende Mädesüß, das Kühle und Nässe möge und in dessen Fläche sich die Braunkehlchen aufhielten.

Vorige Woche haben Fachleute der Biologischen Station ein einziges Braunkehlchen-Paar im Oberndorfer Naturschutzgebiet Bonnwiesen gesichtet.
Das Naturschutzgebiet Bonnwiesen in Oberndorf ist „wertbestimmend“ für ganz Südwestfalen – was Braunkehlchen und Wiesenpieper anbetrifft.
Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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