»Geschafft! Ich kann mitreden«

SZ-Redakteur »howe« absolvierte Truppmann-Lehrgang der Feuerwehr / 80 Stunden büffeln

howe Bad Laasphe. Geschafft! Jetzt kann ich mitreden. Modul Eins und Zwei der Truppmann-Ausbildung liegen hinter mir. Jeden Samstag acht Stunden, zweimal die Woche je vier Stunden Feuerwehr spezifische Grundlagen, lange Abende lagen hinter mir: Für einen, der gerade einmal wusste, dass Feuerwehrautos rot sind und Tatütata machen, eine ganze Menge. Zugegeben: Ganz so unwissend war ich nicht. Schließlich habe ich durch meinen Beruf oft mit der Feuerwehr zu tun.

Doch jetzt bin ich fit. Ich weiß, dass es Löschgruppenfahrzeuge gibt, dass ein LF 16/12 einen Löschwasser-Tankinhalt von 1200 Liter, dass ein LF 16/TS gar keinen Löschwasser-Tankinhalt hat. Ich weiß, dass Glutbrände und Kaminbrände nicht mit Wasser bekämpft werden. Ich weiß, dass Stahl bei 500 Grad Celsius die Hälfte seiner Tragkraft einbüßt, dass Holz eine Abbrandrate von 0,5 bis 1 Zentimeter in zehn Minuten hat. Ich weiß, was ein Druckbegrenzungsventil oder ein Stützkrümmer ist. Und ich weiß noch viel mehr. Super war die Truppe. 32 Männer, zwei Frauen lernten Laufen in der Feuerwehr. Bad Berleburger waren dabei, Raumländer, Dotzlarer, Erndtebrücker, Womelsdorfer und Birkelbacher, Kameraden aus Bad Laasphe, Feudingen und Banfe sowie einer aus Hilchenbach. Und das fast vier Wochen lang in und vor dem Feuerwehrgerätehaus in Bad Laasphe.

Und ich bin mächtig stolz. Denn wir waren die allerersten, die sich wegen der neuen Ausbildungsvorschriften durch eine unglaubliche Menge Stoff gewuselt haben. Mensch, dachte ich, wir sind doch alles Freiwillige. Warum quält man uns mit soviel Material? Und wie lange macht ein Arbeitgeber das mit, wenn der Kamerad eigentlich zur Spätschicht antreten muss? Ich war fein raus. Ich hatte Urlaub. Doch die Problematik ist nicht von der Hand zu weisen. Die neuen Richtlinien erschweren den Zugang zur Feuerwehr. Wer will sich noch spät abends hinsetzen und büffeln, wo er sich doch freiwillig zur Feuerwehr bekennt? Natürlich muss Wissen vermittelt werden. Aber 80 Stunden für zwei Module? Zu viel. So manches Mal saß ich im Unterricht, schaltete auf Durchzug und verstand viel Bahnhof. Zuhause arbeitete ich einiges nach. Und dann kam der große Auftritt unserer Ausbilder. Nein, ich will kein Schleimer sein. Aber unsere Ausbilder waren eine Wucht.

Am meisten Spaß hatten wir beim Wiederbeleben der Plastikpuppen. Der Malteser Hilfsdienst hatte uns eine tolle Truppe geschickt. Ob unser Bad Laaspher Wehrführer Otto Wunderlich, ob Lehrgangsleiter Helmut Hassler, ob dessen Stellvertreter Dirk Höbener, ob Heinrich Meyer – und wie sie alle heißen: Die Ausbilder brachten Theorie und Praxis prima an den Mann. Andere Kameraden aus den Löschzügen vermittelten uns samstags bei strahlendem Sonnenschein weitere Kenntnisse. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich eine Wasserversorgung aufgebaut. Ich durfte ein Standrohr setzen und mit meinem Banfer Kameraden am Stützkrümmer hatte ich meine liebe Mühe, das B-Rohr zu halten. Eines wurde mir bei der praktischen Ausbildung besonders bewusst. Wer sechs oder acht Jahre bei der Jugendfeuerwehr mitmischte, der verstand schon eine Menge von seinem Feuerwehr-Handwerk.

Während ich als Quereinsteiger Verteiler oder Kupplungsschlüssel in jedem Auto suchen musste, packten die Youngsters blind in jedes Schubfach. Vielleicht sollten sich diejenigen, die sich die neuen Ausbildungsrichtlinien ausgedacht haben, noch einmal an den Modulen aktiv beteiligen. Dann würden sie sehen, dass es weitaus wichtiger und effektiver ist, den Dienst in der Jugendfeuerwehr schmackhaft zu machen und die Jugend zu fördern. Noch etwas: Sie würden sehen, dass man in der Praxis mehr aufsaugt als in der Theorie.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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