Gibt es ein »Zuviel an Verzweiflung«?

Streiter für die hauptamtliche kirchliche Jugendarbeit trafen sich gestern in Feudingen

JG Feudingen. Ob es vielleicht bei den Verantwortlichen ein »Mangel an Erkenntnis« sei, dass der Wittgensteiner Kirchenkreis seine finanzielle Unterstützung der Jugendarbeit auf Null fahren wolle, fragte im Feudinger Lahntal-Hotel gestern Morgen Torsten Manges als Moderator der Pressekonferenz zur hauptamtlichen Mitarbeit im Kirchenkreis. Nein, es sei wohl eher ein »Zuviel an Verzweiflung«, antwortete Udo Bußmann, der Landesjugenpfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen. Sicherlich sei es so, dass die Kirchenkreise künftig mit weniger Geld auskommen müssten, doch die Wittgensteiner schmorten derzeit zu sehr im eigenen Saft. Sein Tipp deshalb: Der Kirchenkreis brauche dringend Anstöße von außen, wie man trotz finanzieller Not diesen Grundpfeiler kirchlicher Arbeit erhalten und stützen könne.

Zunächst einmal machte Kathrin Wagner als ehrenamtliche Mitarbeiterin aus dem Banfetal klar, welche Einschnitte die Jugendarbeit in den vergangenen Jahren bereits habe hinnehmen müssen. Vor 15 Jahren gab es elf Hauptamtliche, derzeit sind es noch sieben, die wahrscheinlich zu Weihnachten ihre Kündigung bekommen, wenn die drastischen finanziellen Einschnitte bei der Synode nächste Woche – wie angedacht – beschlossen werden.

Kathrin Wagner machte anhand ihrer eigenen Geschichte deutlich, wie wichtig die kirchlichen Gruppen stets für sie waren, auch für sie als Ehrenamtliche: »Die Jugenarbeit hat mir Rückhalt, Mut und Kraft gegeben.« Doch für die Banferin stand aus ihrer Erfahrung heraus ebenfalls fest: »Ehrenamtlichkeit braucht Hauptamtlichkeit.« Deshalb wünschte sie sich von der Synode, dass diese ein Bekenntnis zur hauptamtlichen Jugenarbeit abgebe. Damit der Kirchenkreis nicht dennoch im Haushaltssicherungskonzept landet, regte Kathrin Wagner, dass in allen Bereichen der kirchlichen Arbeit ein bisschen gekürzt werde, damit die Jugendarbeit nicht komplett gestrichen werden müsse. Jugendarbeit sei nun einmal Beziehungsarbeit, man müsse Kontakte immer pflegen. Udo Bußmann, in seiner Funktion eindeutiger Lobbyist für Jugendarbeit, brachte es – mit Matthäus im Hinterkopf – plakativ auf den Punkt: »Wer die Kinder aussperrt, der sperrt das Evangelium aus.« Als möglichen Ausweg aus den finanziellen Nöten nannte er die Einführung eines allgemeinen oder freiwilligen Kirchengeldes: Senioren, die eigentlich keine Kirchensteuern mehr zahlen, könnten demnach ab einer bestimmten Höhe der Rente – zum Beispiel 900 e – zur Kasse gebeten werden, nach einer Staffelung und vielleicht mit 9 e im Monat beginnend. Berechnungen der Landeskirchen seien auf Einnahmen von 20 Mill. e im Monat gekommen. Davon könnte man 400 Hauptamtliche bezahlen.

»Was in Wittgenstein abgeht, ist ein ganz schlimmes Zeichen für Jugendliche und Kinder«, machte der Landesjugendpfarrer noch einmal ausdrücklich klar. Die Berghäuserin Gisela Bem unterstrich als Vertreterin der Eltern: »Daher bitten wir eindringlich, den kurzfristig sichtbaren Erfolg durch Einsparungen in diesen entscheidenden Bereichen unserer Gemeinde, unseres Kirchenkreises nicht durchzuziehen – im Interesse der Entwicklung unserer Gemeinden und im Interesse der zukünftigen Jugendlichen.« Und Benjamin Armbruster warnte: »Es ist wie mit Karl May. Wenn der Kreislauf unterbrochen wird, ist er weg.« Wenn die Älteren die Jüngeren nicht mehr mit auf die Freilichtbühne brächten, dann gingen die May-Geschichten schnell verloren, so der Elsper Winnetou-Darsteller. Genauso schnell könne es um die kirchliche Jugendarbeit geschehen sein. Benjamin Armbruster hält seit Jahren Kontakt nach Wittgenstein, und wenn er etwa an die schöne Atmosphäre des Young-Ambassadors-Treffens zwischen Jugendlichen aus den USA und Deutschland in Wemlighausen denkt, dann leuchten die Augen es Schauspielers auch heute noch: »Ich gehör' ja irgendwie dazu«, begründet er sein Engagement für die kirchliche Jugendarbeit in Wittgenstein.

Viele Unterstützerschreiben sind bei Kathrin Wagner inzwischen eingegangen: vom spanischen Pantomimen Carlos Mart#92nez bis zu einer Kölner Event-Marketing-Firma, vom ehemaligen Radio-Siegen-Chefredakteur Uwe Haring bis zur Lehrerin vom Städtischen Gymnasium in Bad Laasphe. Von Schulen sei ihnen ohnehin viel Unterstützung signalisiert worden, so Kathrin Wagner. Hier werden auch weiterhin Unterschriften für die Jugendarbeit gesammelt, in der nächsten Woche sollen die Listen an den Superintendenten Hans-Jürgen Debus überreicht werden. Und am Buß- und Bettag wird dann bei der Synode über die Jugendarbeit abgestimmt – übrigens ohne dass es eine offizielle Kontaktaufnahme zwischen der Jugend und dem Kreissynodalvorstand im Vorfeld gegeben hätte.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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