Grabenkämpfe überschatten Neuanfang der Laaspher SPD

Karpf als Signal / Vomhof als Bösewicht / Gravemeier als Sieger?

howe Bad Laasphe. In Bad Laasphe spielt sich im Jahr 2003 vieles unterhalb der Gürtellinie ab. Auffällig sind die zahlreichen privaten und persönlichen Fehden, die ausgetragen werden. Überraschend: Grabenkämpfe finden innerhalb einer Fraktion statt, so dass Begriffe wie Selbstzerfleischung oder politischer Selbstmord in die Öffentlichkeit gelangen. Losgelöst von Partei internen Querelen und Problemen wird in der zweiten Jahreshälfte eine Diskussion um eine Person entfacht, die das Unangenehmste übersteigt. Von vorn: Das Jahr beginnt ruhig in der Lahnstadt. Der über Jahre arg schwächelnde SPD-Ortsverein Oberes Lahntal setzt ein erstes Signal für einen Neuanfang. Seit den frühen 90er Jahren, stellt ein alter, verdienter Sozialdemokrat aus Feudingen fest, fahre die SPD in Bad Laasphe »Rolltreppe abwärts«. Das soll sich mit dem Vorsitz von Achim Wickel im Oberen Lahntal ändern. Achim Wickel gerät an späterer Stelle nochmals in die Schlagzeilen. Ende Juni überrascht die Laaspher SPD die Öffentlichkeit. Sie nominiert einen ehemaligen Weggefährten zum Bürgermeisterkandidaten, der seinerzeit mehr oder weniger mit einem gezielten Tritt ins Gesäß von seinen Genossen hinausgeekelt worden war: Gerhard Karpf, Ex-Stadtdirektor.

Karpf steht für den großen Neuanfang der gebeutelten SPD, große Worte von der neuen Einheit der Sozialdemokraten machen die Runde. Gemeinsam holen Karpf und Stadtverbandsvorsitzender Siegfried Fey zum Rundumschlag gegen den parteilosen, mit CDU-Stimmenmehrheit gewählten Bürgermeister Robert Gravemeier aus. Alles deutet darauf hin, als könne die SPD ihre Position stärken. Zumal sich die CDU ein Armutszeugnis ausstellt. Trotz intensiver Suche finden die Christdemokraten keinen geeigneten Bürgermeisterkandidaten. Letztlich sprechen sie sich Ende September dafür aus, mit Robert Gravemeier ins Rennen zu gehen. Für einen Paukenschlag sorgt im Oktober der SPD-Ortsverein Banfetal. Er fordert vehement den Rücktritt des Fraktionsvorsitzenden Arno Vomhof. Die SPD müsse ihre Politik neu ordnen. »Wir müssen ein Zeichen setzen«, blasen Stadtverbandsvorsitzender Siegfried Fey und Banfetals Ortsvereinsvorsitzender Wolfgang Schuppener ins gleiche Horn. Auch die SPD Oberes Lahntal mit ihrem Vorsitzenden Achim Wickel stützt das Vorhaben, Vomhof vom Thron zu stürzen. Was jetzt folgt, bezeichnet Arno Vomhof selbst als »Schmutzkampagne« gegen ihn. Während Vomhof zwar beschädigt aber fest im Sattel sitzend um seinen Posten kämpft, geht innerhalb der SPD das große Hauen und Stechen los. Siegfried Fey tritt von seinem Stadtverbands-Vorsitz zurück.

Statt nun ihrerseits schweres Gerät gegen die Vomhof-Kritiker aufzufahren, sprechen sich die Vomhof-Gesinnten überraschend für Achim Wickel als Fey-Nachfolger aus. Wickel fungiert Wochen zuvor trotz seiner kritischen Haltung gegenüber Vomhof als neutraler Moderator im großen Konflikt. Wickel sagt ab, stellt sich für den Vorsitz im Stadtverband nicht zur Verfügung – weil er die Arbeitsfähigkeit der SPD nicht erkenne. Und weil er freilich keine Zusammenarbeit mit Vomhof pflegen kann. In SPD-Kreisen kursieren inzwischen unglaubliche Vorwürfe. Arno Vomhof habe einige Genossen aufs Übelste beschimpft, Kraftausdrücke seien gefallen. Vomhof wehrt sich, schießt gegen den »gescheiterten Stadtverbandsvorsitzenden« spricht von Amokläufern, die Nebenkriegsschauplätze eröffneten, um vom eigenen Unvermögen abzulenken. Vomhof bleibt dabei: Erst nach der Wahl werde er für ein Spitzenamt nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Laaspher SPD scheint zerbrochen.

Gibt es so etwas wie einen lachenden Dritten, dann kann dies nur Robert Gravemeier sein. Sollte der amtierende Bürgermeister Mitte des Jahres noch an seinen Chancen gegen einen in der Bürgerschaft allseits bekannten SPD-Kandidaten Gerhard Karpf gezweifelt haben, so mag er sich jetzt frohgelaunt zurücklehnen. Gravemeier weiß, warum er sich vor der erneuten Bürgermeisterkandidatur als Landratskandidat hat aufstellen lassen: Das steigert den Bekanntheitsgrad und zahlt sich insbesondere dann aus, wenn sich der politische Gegner selbst zerstört.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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