Grüne: Verlierer sind das obere Lahntal und Banfetal

Scharfe Kritik an Einzelhandelsgutachten und Bürgermeister

sz Bad Laasphe. In einer Presseerklärung finden die Bad Laaspher Grünen deutliche Worte zum Einzelhandelsgutachten und der von Bürgermeister Robert Gravemeier forcierten Abstimmung zum Thema Einzelhandelsgutachten (Siegener Zeitung berichtete). Da im Rat durch die Sitzungsführung des Bürgermeisters gegen die Geschäftsordnung des Rates und demokratische Selbstverständlichkeiten jede Aussprache zu dem Gutachten verhindert worden sei, habe man nun die Grünen-Position zu Papier gebracht. Das Gutachten habe ausschließlich noch schlechtere Standorte als das Gelände Koch untersucht, nämlich die Tennisplätze im Hochwassergebiet, das Brauereigelände oder den Parkplatz Gartenstraße. Zu den Defiziten der bestehenden Gelände werde die »mangelhafte Anbindung der frequenzstarken Einzelhandelsbetriebe an den zentralen Versorgungsbereich« gezählt.

Konzept ohne Fußgängerbrücke

Gerade die sei aber beim Rewe-Markt, der an andere Einzelhandelsgeschäfte Richtung Laasphe-Mitte und dicht bebaute Wohngebiete angrenze, wesentlich besser gegeben als in der Stockwiese. So werde auch im Gutachten zum Gelände Stockwiese festgestellt: »Durch die Lage innerhalb eines Gewerbegebietes ohne entsprechende Mantelbevölkerung ist eine Integration nicht gegeben.« Und weiter gehe aus dem Gutachten hervor: »Der Standort ist nicht fußläufig und barrierefrei an den zentralen Versorgungsbereich angeschlossen.« Als wichtige Prämisse für das Gelände werde drei Seiten später gefordert: »Für eine ansprechende städtebauliche Qualität, insbesondere eine fußläufige Verbindung, ist Sorge zu tragen.« In der ersten Vorstellung des Konzeptes sei eine Fußgängerbrücke über die B62 und die Bahn angedacht gewesen, die aber an den hohen Kosten scheitere.

Standort Friedrichshütte ausgelassen

Der Standort Friedrichshütte sei nicht mit einbezogen worden, ärgern sich die Grünen: »Dieser Standort würde Ziel- und Quellverkehr aus dem oberen Lahntal und Banfe aus der Stadtmitte von Laasphe heraus halten. Ziel- und Quellverkehr belastet nach einem Verkehrsgutachten zu etwa 80 Prozent die B62.« Angesichts der demographischen Entwicklung seien ortsnahe Einkaufsmöglichkeiten für die immer älter werdende Bevölkerung erforderlich und nicht noch mehr Einkaufszentren in Gewerbegebieten und auf der grünen Wiese. Der städtebauliche Effekt sei, wie beispielhaft in Biedenkopf oder Siegen zu sehen, äußerst ungünstig: »Die Uni Siegen spricht in einer Studie beispielhaft vom Donat-Effekt, in der Mitte ist nichts mehr und außen fett und schwer verdaulich.«

Feudinger Trend nach Erndtebrück

Es handele sich nicht wirklich um ein Gutachten für die gesamte Stadt Bad Laasphe, argumentieren die Grünen. Die Nebenzentren Banfe und Feudingen würden in dem 68-seitigen Gutachten nur mit wenigen Sätzen bedacht und in »weitestgehender Anlehnung an den bisherigen Bestand« gehalten. Entwicklungen seien hier in Zukunft kaum möglich, obwohl sie erforderlich werden könnten. Das Gutachten enthalte nicht, im Gegensatz zu einem früheren Gutachten, die Käuferströme. »Man hätte feststellen können, dass aus dem Feudinger Raum viele Käufer im näheren Erndtebrück einkaufen. Der Trend wird durch die Neugestaltung der Erndtebrücker Mitte noch zunehmen. Von Hessen her kann man dagegen kaum Käufer gewinnen, befindet sich doch ein leistungsfähiger Markt direkt an der Landesgrenze in Wallau«, erläutern die Grünen in der von Fraktions-Chef Karl-Ludwig Bade unterzeichneten Stellungnahme. In Laasphe habe man das Gefühl, dass der Bürgermeister und die Ratsmehrheit mit aller Gewalt Berge in den Außenbereich versetzen wollten, ob sie da hingehörten oder nicht.

Man stütze sich auf ein ergebnisorientiertes Gutachten mit vielen Schwachstellen und Argumentationsbrüchen, zu dem Stellungnahmen der IHK und des Einzelhandelsverbandes fehlten. Wie die Reaktion des Bürgermeisters in der Ratssitzung zeigte, seien ihm scheinbar die Argumente ausgegangen und er scheue deshalb die Diskussion.

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