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Sendepause an der Bahnhofstraße
Hans Necker schließt sein Radiomuseum

An der Bahnhofstraße in Bad Laasphe herrscht Funkstille. Das Internationale Radiomuseum von Hans Necker hat Sendepause – wegen  Corona  und wegen der Gesundheit des Museumsleiters. Ein Nachfolger ist weiterhin nicht in Sicht.
  • An der Bahnhofstraße in Bad Laasphe herrscht Funkstille. Das Internationale Radiomuseum von Hans Necker hat Sendepause – wegen Corona und wegen der Gesundheit des Museumsleiters. Ein Nachfolger ist weiterhin nicht in Sicht.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

howe  Bad Laasphe. Rauschen im Radio. Sendepause! Nichts geht mehr über den Äther in der Lahnstadt. Auch keine Mittelwelle. Das war immer noch ein Pfund, das Hans Necker als Leiter des Internationalen Radiomuseums Bad Laasphe in die Waagschale warf, nämlich über Mittelwelle Musik machen. Wer den Sender kannte, der drehte am Röhrenradio und hörte mit. Jetzt ist Schluss. Das Radiomuseum schickt keine einzige Welle mehr nach draußen. Selbst im Flur des altehrwürdigen Gebäudes an der Bahnhofstraße herrscht Totenstille. Kein Empfang, alle Knöpfe auf „Aus“. Auf der Internetseite das reinste Trauerspiel: Nicht einmal dort können sich Interessierte über das einzigartige Radiomuseum informieren, ein paar Kostproben alter Schätzchen erleben oder im Terminkalender blättern.

howe  Bad Laasphe. Rauschen im Radio. Sendepause! Nichts geht mehr über den Äther in der Lahnstadt. Auch keine Mittelwelle. Das war immer noch ein Pfund, das Hans Necker als Leiter des Internationalen Radiomuseums Bad Laasphe in die Waagschale warf, nämlich über Mittelwelle Musik machen. Wer den Sender kannte, der drehte am Röhrenradio und hörte mit. Jetzt ist Schluss. Das Radiomuseum schickt keine einzige Welle mehr nach draußen. Selbst im Flur des altehrwürdigen Gebäudes an der Bahnhofstraße herrscht Totenstille. Kein Empfang, alle Knöpfe auf „Aus“. Auf der Internetseite das reinste Trauerspiel: Nicht einmal dort können sich Interessierte über das einzigartige Radiomuseum informieren, ein paar Kostproben alter Schätzchen erleben oder im Terminkalender blättern. Hans Necker hat alle Drähte gekappt, sich abgeschnitten von der Außenwelt. Der Grund ist ganz einfach: Die „Corona-Pandemie“ hat das Museum lahmgelegt, und zwar komplett. Nun gut, vielleicht wäre eine Öffnung ja möglich gewesen, aber da kommen jetzt noch die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des 74-Jährigen hinzu.

 "Bin gesundheitlich schlecht dran nach der OP“

„Dass ich überhaupt wieder hier stehe …“, sagt Hans Necker. Das grenzt wohl an ein Wunder. Denn vor vier Wochen hatte sich der Museumsleiter beim Heben der Radios schwer verletzt, musste operiert werden. Darauf folgten ernste Komplikationen, die Hans Necker noch lange nicht verkraftet hat. „Ich bin gesundheitlich schlecht dran nach der OP.“ Das sei auch ein Grund gewesen, das Museum nun komplett zu schließen. Selbst, wenn er es öffnen dürfte, könne er die Hygienevorschriften und Abstandsregelungen nur unter allergrößten Erschwernissen durchführen. „Die Gänge zwischen den Radios sind schon viel zu eng.“ Dass das Internationale Radiomuseum in Bad Laasphe nun die Schotten dicht machen muss, „ist sehr schade.“ Covid-19 habe der Gesellschaft eine Menge Ärger eingebracht.
„Finanziell ist nichts reingekommen. 2000 Euro an Eintrittsgeldern sind uns durch die Lappen gegangen“, klagt Hans Necker, der nicht müde ist, seine Forderungen und Vorwürfe gegenüber der Stadt zu erneuern. „Jetzt merkt die Stadt nicht, dass ein Nachfolger gebraucht wird“, spielt Hans Necker auf seinen Gesundheitszustand an – und auf die Tatsache, dass er ja längst kürzer treten wollte. „Die Stadt würde ein Radiomuseum schmerzlich vermissen, wenn es das nicht mehr geben würde.“ Wobei sich diese Frage nicht stellt. Schließlich hatte die Verwaltung im Februar 2017 das Museumsamt für Westfalen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) eingeladen. Dr. Ute Koch hatte damals nach ihrem Besuch dringend empfohlen, das Museum auf neue Füße zu stellen, ein Konzept zu entwickeln inklusive digitaler Erschließung der Sammlung und „Ausdünnen“ der Präsentation. Für so ein Konzept, so hieß es, stünden Fördermittel bereit.

Ich verschenke doch keine Million“

Für Hans Necker ist da vieles „Käse“. Sein Standpunkt: „Das Museum kann man nicht kleiner machen, sondern größer.“ Da helfe ein Blick nach Cham in Bayern, wo ein riesengroßes Rundfunkmuseum mit 3000 Radios entstanden sei. „Über 200 Mitglieder haben die dort. Sowas ist in Bad Laasphe nicht möglich.“ Und was eine Förderung anbetreffe, so sei die überhaupt nicht möglich. „Die Crux ist doch, dass das Inventar des Radiomuseums nicht der öffentlichen Hand gehört. Deshalb kann es auch nicht aus öffentlichen Mitteln gefördert werden.“ Und weil das Eigentum der Sammlung bei ihm persönlich verbleibe, sei auch keine Förderung möglich, erläutert Hans Necker. Klar ist nämlich: „Ich verschenke doch keine Million.“ Man müsse sich das mal vorstellen, was da an Werten vorhanden seien mit den zahlreichen Radios, Röhren, Schaltplänen und vielen Dingen mehr. „Ich dachte immer, so eine kleine Stadt wie Bad Laasphe wäre stolz auf ihr Radiomuseum“, so der Düsseldorfer. Nun sei das Museum eben in der Lahnstadt und da müsse man mit leben. Hans Necker: „Ich kann das Museum im Moment nicht aufmachen, weil ich die Verantwortung nicht übernehmen kann. Insofern bleibe es zu, bis „Corona“ ganz vorbei sei. „Das Radiomuseum bleibt aber bestehen.“ Mit der Zukunft des Radiomuseums hätten sich Stadt und Politik in der Vergangenheit oft befasst und würden dies auch weiterhin tun, stellt Alexander Heinrich von der Stadt Bad Laasphe fest.

Geeignetes Konzept entwickeln

Hierfür sei es jedoch erforderlich, ein geeignetes Konzept zu entwickeln, welches gleichermaßen zeitgemäß und zukunftsorientiert sei. Bereits der LWL habe in der Vergangenheit festgestellt, dass ein entsprechendes Museumskonzept notwendig sei. „Bisherige Versuche, gemeinsam mit Herrn Necker Lösungen hinsichtlich einer zukunftsträchtigen Handlungsstrategie für das Museum zu finden, sind bisher leider noch ohne nennenswerten Erfolg geblieben.“ Die Erarbeitung einer Lösung sei für den Fortbestand des Museums allerdings von wesentlicher Bedeutung. Hier werde man weiterhin in Kontakt stehen, um gemeinsam doch noch geeignete Konzeptideen zu sammeln. Diese müssten langfristig ausgerichtet und umsetzbar sein, um das Museum erfolgreich in die Zukunft führen zu können. „Durch die Corona-Pandemie ist die Situation jedoch auch nicht einfacher geworden und erschwert die Situation zusätzlich.“ Das Positive: Die Personalkapazitäten im Radiomuseum seien schon vor längerer Zeit aufgestockt worden. „Herr Necker wird seit August 2019 von einem Mitarbeiter, dessen Stundenumfang 19,5 Wochenstunden beträgt, unterstützt.“

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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