Harfe im Mittelpunkt

Giselle Herbert und ihre Harfe standen im Mittelpunkt des Konzerts auf Schloss Wittgenstein.  Foto: ahe

ahe Bad Laasphe. Das fünfte Konzert der 24. Eckelshausener Musiktage stand ganz im Zeichen der französischen Romantik. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand an diesem Abend das Instrument Harfe, das konsequenterweise auch von einer Harfenistin mit französischen Wurzeln gespielt wurde. Giselle Herbert erhielt ihre Ausbildung am Pariser Conservatoire National Supèrier und war anschließend viele Jahre Soloharfenistin im Frankfurter Opernorchester.

Die Musikerin eröffnete den Abend mit der „Suite en Mi“ von Jean-Philippe Rameau. Die neun Sätze der Suite bescherten den zahlreich ins Gewölbe des Schlosses Wittgenstein gekommenen Zuhörern einen lieblich-schwungvollen Konzertauftakt, der die ganze Bandbreite der Stimmen der Harfenistin enthüllte. Besonders die beiden Tanzstücke zu Beginn, die Allemande und die Courante, aber auch das Charakterstück „Le Rappel des Oiseaux“ (Gezwitscher der Vögel) bestachen durch reiche Klangfarben und eine eigene Dynamik.

Giselle Herbert lehrt seit 1980 an der Hochschule für Musik in Würzburg. Hier wirkt auch ihr Kollege, der Cellist und künstlerische Leiter der Eckelshausener Musiktage, Julius Berger. Zusammen spielten die beiden von Louis Spohr die Sonate in D-Dur, op. 114. In ihrem Duett versuchten sie, an jene Lebenslust und Lebensfreude heranzukommen, die der junge Spohr, der seinen Zeitgenossen als begnadetster Geiger nach Niccolò Paganini galt, im Sinn hatte, als er 1811 das Werk, ein Potpourri aus Mozarts „Zauberflöte“, komponierte. Denn ursprünglich war die Sonate für Violine und Harfe geschrieben, jene beiden Instrumente, die seine geliebte Gattin Dorette Scheidler und er selbst spielten.

Nach der Pause zeigte die russische Flötistin Maria Fedotova ihr Können. Sie bestimmte nachhaltig den Abend mit ihrer Interpretation von Claude Debussys Komposition „Syrinx“, das sie elegisch, sphärisch und erhaben zugleich intonierte. Ein mystischer Zauberwald entstand, mit Pan, Elfen und Nymphen in jedem Baum und Fluss. Das Werk entstand 1913 als Bühnenmusik für das Drama „Psyche“ von Gabriel Mourey. Selten haben knapp drei Minuten reines Flötenspiel so bezaubert.

Mit Giselle Herbert interpretierte Maria Fedotova dann die Raga „L’Aube enchantée“ (Morgendämmerungs-Raga) des nordindischen Sitar-Großmeisters und Vaters von Norah Jones, Ravi Shankar. Natürlich klingt eine Sitar anders als eine Harfe und eine Querflöte anders als eine Bansuri, doch war die Interpretation dieses Stücks sehr nah an unserem westlichen Klangspektrum geführt, weshalb die Interaktion zwischen Melodie und Rhythmusstimme nicht recht gelang.Abschließend spielte Herbert drei weitere Stücke von Debussy, Fauré und Jean Cras. Die „Suite bergamasque“ von Claude Debussy ist eigentlich eine Klaviersuite und zählt zu den bekanntesten Werken des französischen Komponisten. Sie wurde im Jahr 1890 komponiert, aber erst 1905 veröffentlicht. Die Suite besteht aus vier Sätzen, von denen Herbert zwei, „Prélude“ und „Claire de Lune“, spielte. Der dritte Satz, das berühmte „Claire de Lune“ in Des-Dur, entstand vermutlich als Reaktion auf Verlaines Gedicht gleichen Namens. Die Melodie ist zigfach in Filmen eingesetzt worden, darunter in Fellinis „E la nave va“.Giselle Herbert interpretierte Debussy und die beiden anderen Komponisten meisterhaft und zeigte einmal mehr das Klangspektrum einer großen Harfe, das im Spiel so manches Instrument zu ersetzen vermag. Die Zuschauer dankten ihr mit reichlich Applaus, den Herbert mit einer Zugabe quittierte. Inzwischen leuchtete auch der Vollmond über den dunklen verregneten Wäldern, die Schloss Wittgenstein ringsum umarmen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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