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„Miesepeter“ pocht auf Recht am eigenen Bild
Heimatmuseum postet keine alten Fotos mehr

Seit Wochen und Monaten postet das Team des Heimatmuseums in Feudingen alte Bilder aus dem Leben des Dorfes. Bei den meisten Bürgern kommt diese Abwechslung bei Facebook sehr gut an, bei anderen offenbar nicht.
  • Seit Wochen und Monaten postet das Team des Heimatmuseums in Feudingen alte Bilder aus dem Leben des Dorfes. Bei den meisten Bürgern kommt diese Abwechslung bei Facebook sehr gut an, bei anderen offenbar nicht.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

howe Feudingen. Dass es im digitalen Zeitalter ein Recht am eigenen Bild gibt, wird oftmals leider vergessen. Da posten Mütter Kinderbilder, da stellen Leute irgendwelche anderen Menschen bei Facebook rein – ohne sich Gedanken zu machen. In Feudingen hatte sich das Team vom Heimatmuseum die Sache in den vergangenen Wochen etwas anders überlegt. Weil das Museum im Oberen Lahntal wegen „Corona“ geschlossen hat, kam den Verantwortlichen eine wunderschöne Idee. In unregelmäßigen Abständen postete das Team immer mal ein altes Erinnerungsfoto aus Feudingen: vom legendären Brunnenfest, von einem Schützenfest oder von einer anderen geselligen Zusammenkunft.

howe Feudingen. Dass es im digitalen Zeitalter ein Recht am eigenen Bild gibt, wird oftmals leider vergessen. Da posten Mütter Kinderbilder, da stellen Leute irgendwelche anderen Menschen bei Facebook rein – ohne sich Gedanken zu machen. In Feudingen hatte sich das Team vom Heimatmuseum die Sache in den vergangenen Wochen etwas anders überlegt. Weil das Museum im Oberen Lahntal wegen „Corona“ geschlossen hat, kam den Verantwortlichen eine wunderschöne Idee. In unregelmäßigen Abständen postete das Team immer mal ein altes Erinnerungsfoto aus Feudingen: vom legendären Brunnenfest, von einem Schützenfest oder von einer anderen geselligen Zusammenkunft. Besonders spannend, der Vorher-Nachher-Vergleich oder die einzelnen Motive: die Sieg-Lahn-Straße in den 60er-Jahren, der ehemalige Bürgermeister beim Schach-Spiel, der Mann mit der „Dorfschäall“, der „Wäarna Willi“ mit seinem Ochsengespann, Lehrer Busch mit seiner Schulklasse oder die zahlreichen Ansichten des Dorfs. Entweder, man erkannte seine lieben Verwandten auf den Bildern, vielleicht auch als kleines Kind sich selbst oder man staunte ob der inzwischen völlig veränderten Landschaft. Gebäude verschwanden mit der Zeit von der Bildfläche, andere entstanden.

Auf einzelnen Unmut folgt kollektives Unverständnis

Und jetzt? Dieser Tage postete die Mannschaft vom Heimatmuseum Feudingen: „Wir werden aus ganz bestimmten Gründen, die wir hier nicht näher erläutern möchten, sofort das Posten der Fotos einstellen. Vielleicht können ja die, die dies erwirkt haben, selbst etwas dazu schreiben? Wir möchten natürlich keine Probleme mit dem Posten der Fotos bekommen. Wir wurden dazu praktisch soeben telefonisch aufgefordert.“Die Reaktionen darauf folgten prompt: „Das ist wirklich schade. Weil man viele bekannte Gesichter noch einmal wiedergesehen hat. So ein Zurückgehen in die Jugend war sehr schön“, schreibt eine Feudingerin. „Es ist wie immer. Im Grunde wundere ich mich fast ein bisschen, dass es überhaupt so lange ging, ohne dass wieder irgendjemand etwas zu meckern hat“, sagt eine andere. „Leider gibt es immer diese Miesepeter. Es war eine tolle Aktion und ich habe mich sehr gefreut, wenn wieder neue Bilder veröffentlicht wurden“, lautet eine Meinung. Und eine weitere: „Ich finde es auch sehr schade, habe mir die Bilder immer sehr gerne angesehen. Ich wüsste auch nicht, was daran so verwerflich war.“

Bilder nicht ohne Einverständnis posten

Ganz einfach: Nach SZ-Informationen soll sich ein Feudinger Bürger über die Art und Weise der ständigen Posts von Bildern beschwert haben, auf denen Gesichter abgebildet sind. Mitunter lebten diese Personen ja heute noch. Insofern dürften die Bilder nicht ohne deren Einverständnis veröffentlicht werden.Inwieweit die Gesetze und Bestimmungen dem oder den „Miesepetern“ Recht geben, sollten Fachanwälte klären. Denn das ganze Thema ist schon allein wegen der Vielfältigkeit der Vorschriften komplex. Bereits § 201 a des Strafgesetzbuches gibt vor, dass das Fotografieren einer anderen Person verboten ist, wenn deren Erlaubnis fehlt. Im Grunde geht es hier um den Schutz des „persönlichen Lebenbereichs“, wie es heißt.
Aus dem sogenannten Kunsturhebergesetz, das die Verbreitung von Bildnissen regelt, ergibt sich das Recht am eigenen Bild. Jeder Mensch darf selbst entscheiden, ob und wie ein Foto von ihm veröffentlicht wird. Hier greifen bereits zwei Gesetze. In dem Moment, wo die Datenschutzgrundverordnung in Kraft getreten ist, kommen hier wichtige Aspekte zum Tragen, die einer Klärung bedürfen – zum Beispiel, inwieweit der persönlich, familiäre Bereich verlassen wird oder etwa, ob ein berechtigtes Interesse vorliegt, um nur zwei Punkte zu nennen.

Schwerer Eingriff in Betroffenenrecht

Fachleute raten, zurückhaltend mit der Veröffentlichung von Fotos „im Netz“ umzugehen, weil die Nutzung von Fotos insbesondere in digitalen Medien aufgrund des vereinfachten Zugriffs und der unkontrollierbaren Vervielfältigungsmöglichkeit einen schweren Eingriff in das Betroffenenrecht darstelle.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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