»Hervorragende Zusammenarbeit«

Katastrophenübung auf der Alten Brache lieferte den Beweis: Einsatzkräfte sind stets bereit

BW Rüppershausen. Was wäre, wenn ein Flugzeug auf die Alte Brache stürzen würde? Das ist doch unmöglich, werden viele Wittgensteiner meinen. Doch seit dem 11. September 2001 ist wohl nichts mehr unmöglich. Natürlich ist die Alte Brache in Rüppershausen nicht New York, und für Terroristen ist die Halle wohl erst recht kein interessantes Angriffsziel. Dennoch erscheint mittlerweile vieles denkbar. Aus diesem Grund war die Alte Brache am Samstag Schauplatz einer der größten Katastrophenschutzübungen der letzten Jahre im Altkreis Wittgenstein.

Das Horrorszenario: Ein Sportflugzeug stürzte ab, und das ausgerechnet auf der Alten Brache, wo der MGV Oberndorf/Rüppershausen gerade sein Kartoffelbraten feierte. Um 1 Uhr wurde Katastrophenalarm ausgelöst, wie im Ernstfall informierte die Leitstelle in Siegen umgehend die Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr in Bad Laasphe sowie die Wittgensteiner Schnelleinsatzgruppe (SEG), bestehend aus Malteser Hilfsdienst und Deutschem Roten Kreuz. Es dauerte nur wenige Minuten, bis die ersten Löschfahrzeuge eintrafen und die Helfer mit der Rettung von 30 Verletzten im Gebäude begannen. Mit Atemschutzgerät betraten Feuerwehrleute die von Rauch eingenebelte Festhalle.

»Das Bergen von Eingeschlossenen und Verletzten hat natürlich absolute Priorität«, betonte Gerhardt Schmidt vom Löschzug Banfetal. Der Hauptbrandmeister erläuterte das Vorgehen der Feuerwehr, insbesondere die Nutzung von Atemschutzmasken. »Es bleibt immer ein Helfer vor dem Gebäude und überwacht die Rettungskräfte in der Halle, die stets genügend Luftreserven in ihren Masken haben müssen«, meinte Schmidt. Etwa gleichzeitig trafen auch bereits der Malteser Hilfsdienst und das Rote Kreuz ein, die sich um die medizinische Versorgung der Verletzten kümmerten.

Das Zusammenspiel der Rettungskräfte verlief dabei sehr reibungslos, die Feuerwehr holte die Opfer heraus und übergab diese an die Sanitäter. »Es war eine hervorragende Zusammenarbeit« – hierin waren sich der Laaspher Stadtbrandmeister Otto Wunderlich und Kreisbereitschaftsführer Reinhard Biehl vom Malteser Hilfsdienst einig. Während die Opfer also geborgen wurden, bereiteten andere Feuerwehrkräfte das Löschen der Alten Brache vor. Dafür wurden insgesamt rund zwei Kilometer Wasserschlauch verlegt, von der Festhalle über Rüppershausen bis hinunter ins Tal, wo man Wasser aus dem Rüppersbach den Berg hoch pumpte. Darüber hinaus wurde ein Ventilator am Eingang der Festhalle positioniert, der einen minimalen Überdruck erzeugte und somit den Rauch aus dem Gebäude blies – zur Unterstützung stand ein Entlüftungsgerät bereit.

Die Einsatzleitung wurde derweil am Feuerwehrgerätehaus in Rüppershausen eingerichtet. Dort wurde auch der Einsatz der Hundestaffel des DRK Bad Berleburg koordiniert, die die Wälder nach Verletzten absuchte. Die Übung offenbarte allerdings auch einige Probleme, die bei einem tatsächlichen Einsatz dieses reibungslose Vorgehen empfindlich stören würden. Vor allem gebe es ein riesiges Kommunikationsproblem, erklärte Otto Wunderlich. Eine Funkverbindung von der Einsatzleitung im Tal zum Einsatzort auf dem Berg sei sehr schwer herzustellen und aufrecht zu erhalten.

Genau dieses Problem ist dem Stadtbrandmeister schon länger bekannt, derzeit sucht der Kreis nach einer Lösung. Kreisbrandmeister Gerhard Müller aus Wilnsdorf machte sich am Samstag ein Bild vor Ort. Diesmal richtete der Fernmeldezug des DRK Bad Berleburg eine Leitung zur Zentrale ein. Nicht zuletzt stellte auch die Zufahrtstraße hinauf zur Alten Brache ein großes Hindernis dar, vor allem, da es nur diese eine Zufahrt gibt. Daher sei das Aufstellen von Lotsenstellen erforderlich, erläuterte Hauptbrandmeister Gerhardt Schmidt. Trotz aller Schwierigkeiten zeigte die Übung aber, dass die Einsatzkräfte für den Ernstfall parat stehen. »Wir sind absolut schlagkräftig«, erklärte Jörg Bätzel vom Malteser Hilfsdienst. Der Gruppenführer hatte die Idee zu der großen Katastrophenübung, rund ein Jahr plante und organisierte er das Unternehmen – mit Erfolg, wie sich zeigte. Der gesamte Einsatz verlief »wie es geplant war«, meinte Malteser-Kollege Reinhard Biehl. Der Kreisbereitschaftsführer zog ein sehr positives Fazit, vor allem die Schnelleinsatzgruppe habe sich bewährt. Insgesamt waren rund 200 Rettungskräfte tätig, darunter 82 Männer und Frauen der Feuerwehr Bad Laasphe mit 15 Löschfahrzeugen. Aus Erndtebrück kamen 37 Helfer der Feuerwehr hinzu, mit vier Löschfahrzeugen. Und nicht zuletzt rückte auch die Netphener Feuerwehr an, mit 35 Personen und vier Fahrzeugen waren die Nordsiegerländer mit von der Partie. Für die medizinische Betreuung der Verletzten waren rund 50 Helfer des Malteser Hilfsdienstes und des Deutschen Roten Kreuzes verantwortlich. Allerdings zeigte sich auch, dass eine Übung auch für die Einsatzkräfte nicht ganz ungefährlich ist. Ein Feuerwehrmann verletzte sich am Bein.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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