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Grundschule Bad Laasphe
Hessisches Landestheater trat im Klassenzimmer auf

Die Schauspieler des Hessischen Landestheaters Marburg wurden von den Schülern der Klasse 4a nicht aus den Augen gelassen – zu spannend war diese Lerneinheit der ganz anderen Art an der Städtischen Grundschule Bad Laasphe. Foto: Sarah Benscheidt
  • Die Schauspieler des Hessischen Landestheaters Marburg wurden von den Schülern der Klasse 4a nicht aus den Augen gelassen – zu spannend war diese Lerneinheit der ganz anderen Art an der Städtischen Grundschule Bad Laasphe. Foto: Sarah Benscheidt
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sabe Bad Laasphe. Laut und stolpernd kamen sie in den Klassenraum gepoltert – helle Jeans, weißes Shirt, Chucks. Die zwei Brüder Atticus Brown (Metin Turan) und Christian Simon (Adam Brown) hatten die Aufmerksamkeit der Klasse 4a der Städtischen Grundschule Bad Laasphe sofort und bis zum Schluss. Es wurde mitgefiebert, gelacht und zusammen wurde man zwischendurch auch mal ganz still und nachdenklich. Das Hessische Landestheater Marburg inszenierte das Stück „Der Junge mit dem längsten Schatten“ jeweils in den Klassenräumen der beiden vierten Schuljahre. Anschließend wurden die Vorstellungen gemeinsam mit Schauspielern und Lehrern didaktisch aufbereitet. Und darum ging es:
„Wie es wohl wäre, ein anderer zu sein?“
Einmal so sein wie Adam.

sabe Bad Laasphe. Laut und stolpernd kamen sie in den Klassenraum gepoltert – helle Jeans, weißes Shirt, Chucks. Die zwei Brüder Atticus Brown (Metin Turan) und Christian Simon (Adam Brown) hatten die Aufmerksamkeit der Klasse 4a der Städtischen Grundschule Bad Laasphe sofort und bis zum Schluss. Es wurde mitgefiebert, gelacht und zusammen wurde man zwischendurch auch mal ganz still und nachdenklich. Das Hessische Landestheater Marburg inszenierte das Stück „Der Junge mit dem längsten Schatten“ jeweils in den Klassenräumen der beiden vierten Schuljahre. Anschließend wurden die Vorstellungen gemeinsam mit Schauspielern und Lehrern didaktisch aufbereitet. Und darum ging es:

„Wie es wohl wäre, ein anderer zu sein?“

Einmal so sein wie Adam. Angesehen bei den Mädchen – sportlich, schlagfertig und beliebt. Das möchte sein Zwillingsbruder Atticus, der eigentlich in seiner Freizeit viel lieber Bücher liest und in die Bibliothek geht. Bei seinen Mitschülern kommt Atticus damit nicht so gut an, für seine Klassenkameraden ist er unsichtbar und uncool. Von Viertklässler Mike Tanner wird er sogar gemobbt, während Adam bei dem Malefizkerl ziemlich gut dasteht. Zwei Jungen, so gleich und doch so verschieden. „Wie es wohl wäre, ein anderer zu sein?“, fragt sich Atticus und beginnt sein Wesen daraufhin während einer Identität suchenden Odyssee völlig zu verstellen. „Man muss ja immer man selbst sein, aber ich hasse es, ich selbst zu sein“, wandte er sich mit einem leidvollen Blick an die Schülerschar. So fängt er an, seinen Bruder zu imitieren und später sogar den „Mobber“ Mike Tanner. „Ich möchte doch nur, dass mein Schatten auch einmal so lang ist wie der von meinem lässigen Bruder“, sagt Atticus.

Suche nach Identität

Schnell merkt er allerdings, dass er sich mit dem Versuch, jemand anderes zu sein, überhaupt nicht „cool“ fühlt, sondern eigentlich nur eines: leer. Auf seiner Suche nach einer neuen Identität landet er am Ende dann aber doch wieder bei sich selbst und kann beginnen, sich mit anderen Augen zu sehen, zum Beispiel mit denen seines Bruders. Der steht nämlich schlussendlich stark an seiner Seite: „Ich finde, er ist unglaublich und der genialste Mensch, den ich kenne“, sagte Adam zu dem jungen Publikum. Ängste und Selbstzweifel, auch gemacht durch gesellschaftliche Zuschreibungen liegen am Anfang von Atticus’ Ich-Suche, Vergleiche und Zweifel am eigenen Wert in der Mitte. Ein Perspektivwechsel zeigt ihm dann aber am Ende, wie groß sein eigener Schatten sein kann, wenn er nur einmal den Standpunkt wechselt. „Lerne Dich selbst kennen und entwickle ein Bewusstsein für Dich, ein Selbstbewusstsein“, das sagt Regisseur Philip Lütgenau über die Motivation des Stücks und Atticus und Adam sagen im Schlussakt und mit überzeugendem Nicken in den Klassenraum: „Wir beide, wir können alles werden – alles, was wir wollen.“

Mitreißende Interpretation

Diese mitreißende Interpretation des Duos bedient sich Humor, authentischem Spiel und einer Einbindung der Kinder in den Stoff und das kommt an, es berührt, bleibt. Das Ergebnis ist ein kurzweiliger Unterrichtstag, der den Laaspher Grundschülern nicht nur gezeigt hat, wie verzerrt manchmal die Eigen- und Fremdwahrnehmung sein kann, obendrein wurden auch noch Werte wie Empathie und Respekt vermittelt – eine Lerneinheit fürs Leben!

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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