Hexenjagd war nicht ganz geheuer

Ulf Lückel berichtete über Hexenprozesse in Wittgenstein / Fortsetzung folgt

awe Bad Laasphe. Eine gute Figur macht der Pfarrer Ehren Wilhelm Wunderlich in dieser Geschichte nicht: Zufällig begegnet er in Frankfurt in einer Garküche der »Döppen Crein«, einer armen ledigen Frau, die sich kümmerlich vom Töpfe-Verkaufen ernährt. In Feudingen hat sie ihre Töpfchen feilgeboten und aus seinem Kirchspiel kennt der Pfarrer sie auch – und wusste, dass sie im Verdacht steht, eine Hexe zu sein. Bei der zufälligen Begegnung in Frankfurt nun erzählt Pfarrer Wunderlich der Döppen Crein, dass gerade einige Hexen-Prozesse in Wittgenstein beigelegt worden seien, sie könne also beruhigt zurückkehren. Dem Pfarrer hätte die Frau besser nicht getraut, zurück in Feudingen hat er nämlich nichts besseres zu tun, als gegen die Döppen Crein vor Gericht auszusagen, in einem Verfahren, dass für sie im Jahr 1611 mit dem Todesurteil endet.

Dass gegen die so genannten Hexen Gerichtsverfahren angestrengt wurden, in denen es vor abenteuerlichen Aussagen und Argumentationen nur wimmelte, erscheint aus heutiger Sicht perfide. Dabei ist der Abstand zwischen der aufgeklärten und der abergläubischen Welt gar nicht so groß: Auch davon berichtete der Kirchenhistoriker und Theologe Ulf Lückel, der jetzt auf Einladung der Volkshochschule in Bad Laasphe über die Hexenverfolgung und Hexenprozesse in Wittgenstein referierte. Das Schicksal von der Döppen Crein war eines seiner Beispiele, bei denen er auch immer wieder herausstellte, dass die Hexenverfolgung den Wittgensteiner Grafen wohl nicht ganz geheuer war.

Zwar hatte Graf Ludwig der Ältere im Jahr 1571 eine Polizeiordnung erlassen, in der den reformierten Untertanen die Wahrsagerei, Kristallsehen und das in Wittgenstein damals wohl beliebte Wünschelrutengehen verboten wurde. Andererseits berichtete Ulf Lückel - hier wird es drastisch – dass der Graf die zu Tode verurteilten »Hexen« vor dem Verbrennen meist Enthaupten ließ. Ob Graf Ludwig der Ältere milder und aufgeklärter umging mit den Anklagen wegen angeblicher Teufelskontakte, könne aber nicht verifiziert werden. Fest steht dagegen, dass 1609, in dem Jahr, in dem sein Nachfolger antrat, ein Hexenprozess gegen sechs Frauen stattfand. Im Berleburger Schloss stöberte Heinrich Imhof jetzt außerdem eine Akte auf, in der es um einen Prozess aus dem Jahr 1590 gegen eine Weidenhäuserin ging. Da das Hexenwesen in der Umgebung, im Nassauischen und im Kurkölschen, weit verbreitet gewesen sei, habe man dem vielleicht in Wittgenstein nacheifern wollen, vermutet Ulf Lückel. Wobei aus dem Nassauischen allein 400 Todesurteile bekannt seien und die im Vergleich zu den Wittgensteiner Akten akribisch und ausführlich geführten Dokumente aus Oberkirchen ließen vermuten, dass die Protokollanten Gefallen fanden an der Hexentreiberei.

»Jemanden der Hexerei anzuklagen war einfach«, sagte Ulf Lückel, nicht immer habe man aber die Folgen bedacht. In der »peinlichen Befragung« – unter Folter – zogen die vermeintlichen Hexen ihre Ankläger nicht selten mit in Verdacht. Deren Zeugenaussagen vermittelten sehr, sehr oft den Eindruck, dass persönliche Feindschaften und Habgier die größten Rollen spielten bei der Hatz gegen Hexerei.

Die Vernunft siegte im Prozess gegen Hette Klaus aus Berghausen, allerdings brauchte die Vernunft dazu vier Jahrzehnte. Hette Klaus litt unter den Verdächtigungen ihrer Nachbarn, die ihr den bösen Blick der Hexe nachsagten. Ihr Ehemann suchte daher im Jahr 1611 Schutz beim gräflichen Gericht, es folgte ein Verfahren, das sich bis 1650 hinzog. Wenn alles Unheil, auch Dinge, die vor 20, 30 Jahren passierten, ausschließlich von Hette Klaus verursacht worden wären, dann gäbe es außer ihr keinen bösen Menschen in Berghausen mehr und der Herrgott habe dort nicht mehr das Sagen: Diese Argumentation eines Berleburger Pfarrers führte am Ende dazu, dass Hette Klaus zumindest frei kam.

Knapp 400 Jahre später schreiben Kinder, inspiriert wohl auch von den Geschichten des Zauberlehrlings Harry Potter, auf ihre Weihnachtswunschlisten: Zauberstab, Zauberbesen und eine Eule als Haustier. Der spielerische Umgang mit der Zauberei heutzutage ist das eine, von dem Ulf Lückel berichten konnte. Nur zehn Jahre allerdings ist es her, dass 300 Menschen dem Hexenwahn zum Opfer fielen, in der Nordprovinz in Südafrika: Hexenglaube sei kein Phänomen der Vergangenheit, sagte Ulf Lückel.

Sein Vortrag stieß auch diesmal wieder auf breites Interesse. Viele Fragen, die an diesem Abend noch offen blieben, wird er in der Fortsetzung dieses Vortragsabends ansprechen, die folgt, wenn der Winter vorüber ist, am 21. März.

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