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Auflagen für Denkmalschutz
Hohe Investitionen für das Schloss

„Kasten“ mag man etwas humorvoll zu Schloss Wittgenstein sagen. Dahinter verbirgt sich aber ein historisch wertvolles, und genutztes Bauwerk, dessen Instandsetzung eine ganze Menge Geld kostet, das aber auch dem Denkmalschutz unterliegt.
  • „Kasten“ mag man etwas humorvoll zu Schloss Wittgenstein sagen. Dahinter verbirgt sich aber ein historisch wertvolles, und genutztes Bauwerk, dessen Instandsetzung eine ganze Menge Geld kostet, das aber auch dem Denkmalschutz unterliegt.
  • Foto: Holger Weber
  • hochgeladen von Holger Weber (Redakteur)

howe Bad Laasphe. Der Artikel auf der Seite „Landespolitik“ der Siegener Zeitung macht dieser Tage die Runde – in der Bad Laaspher Altstadt bei zahlreichen Eigentümern von denkmalgeschützten Häusern ebenso wie auf Schloss Wittgenstein. Hintergrund ist die auf den ersten Blick positive Aufstockung der Landes-Fördermittel für den Denkmalschutz auf 21 Mill. Euro im Jahr. Und obwohl auch Sven Boris Kämmerling als Geschäftsführer des Instituts Schloss Wittgenstein politisch die schwarze Farbe hochhält, sieht er die Summe kritisch. Nicht, dass hier nichts getan werde. Nein: „Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Sven Boris Kämmerling.

Allein Bad Laasphe zählt 127 Denkmäler – mit der historischen Altstadt und den Kirchen samt Dörfer.

howe Bad Laasphe. Der Artikel auf der Seite „Landespolitik“ der Siegener Zeitung macht dieser Tage die Runde – in der Bad Laaspher Altstadt bei zahlreichen Eigentümern von denkmalgeschützten Häusern ebenso wie auf Schloss Wittgenstein. Hintergrund ist die auf den ersten Blick positive Aufstockung der Landes-Fördermittel für den Denkmalschutz auf 21 Mill. Euro im Jahr. Und obwohl auch Sven Boris Kämmerling als Geschäftsführer des Instituts Schloss Wittgenstein politisch die schwarze Farbe hochhält, sieht er die Summe kritisch. Nicht, dass hier nichts getan werde. Nein: „Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Sven Boris Kämmerling.

Allein Bad Laasphe zählt 127 Denkmäler – mit der historischen Altstadt und den Kirchen samt Dörfer. Wenn da jeder seine Ansprüche und Wünsche anmeldet, ist die NRW-Landesregierung mit ihrem Fördertöpfchen rasch am Ende. Und an diese Mittel drankommen, das sei quasi unmöglich, glaubt Sven Boris Kämmerling. Der kramt erst einmal seine drei dicken Ordner aus dem Regal. Die stammen alle aus 2012, als er gemeinsam mit seinem Bruder Gordon eine umfangreiche Sanierung des Schlosses Wittgenstein vornimmt. Damals entdeckt Sven Boris Kämmerling Wasser im Haus. Das Dach des altehrwürdigen Gebäudes ist undicht. Also nehmen die Brüder die Instandsetzungsarbeiten inklusive Putz und Anstrich in Angriff.

Auf der Suche nach Fördermitteln für ihr Engagement werden sie nicht fündig. Für alles Mögliche ist Geld da, nur nicht für ein Schloss. Überall fragen sie nach, stellen Anträge – vergebens. Sie packen das Haus alleine an, investieren hohe Summen in die Renovierung. Doch da ereilt sie die nächste Hiobsbotschaft. Durch ein weiteres Dach am Hauptbau sucht sich das Wasser seinen Weg. Schon wieder ist alles nass. Der Antrag auf Denkmalpflegemittel beim Land NRW wird abgelehnt, nur durch Zufall meldet sich derBundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM) aus Berlin und erbittet die Antragsunterlagen. Die Kämmerlings dürfen sich freuen. Sie erhalten einen Bewilligungsbescheid für eine 50-prozentige Förderung. So zumindest heißt es damals. Heute kennt Sven Boris Kämmerling die genauen Zahlen: 742 000 Euro, davon schustert der BKM 340 000 Euro zu. Den Großteil tragen Kämmerlings. „Die Fördermittel des Bundes gibt es in diesem Umfang nicht mehr“, weiß Sven Boris Kämmerling.

In der Tat kann der BKM aus dem Programm „National wertvolle Kulturdenkmäler“ zwischen 1950 und 2018 satte 375 Mill. Euro ausschütten. 680 Denkmäler profitieren davon, darunter eben auch das Stammgebäude der Wittgensteins in Bad Laasphe. Übrig geblieben ist heute ein Denkmalschutz-Sonderprogramm für 2020, das der Haushaltsausschuss des Bundestages genehmigt hat. 30 Mill. Euro sind in dem Topf, allerdings mussten die Anträge bis Freitag abgegeben werden. Sven Boris Kämmerling kann ein Lied davon singen, wie mühevoll Fördermittelsuche und Antragstellung sind. „Alle wollen doch das was haben.“ Und wenn er mal zähle, wieviele historisch wertvolle Gebäude es in NRW gebe, da komme man auf eine ordentliche Zahl. Im Übrigen, und das sagt Sven Boris Kämmerling auch, könnte die Familie noch weitere Dächer des Schlosses sanieren. „In 2012 das waren nur Teile von unserem Dach.“ Zum Glück ist die restliche Substanz aber noch ganz passabel. Und Geldsorgen haben Kämmerlings auch keine. Schloss Wittgenstein befindet sich in der glücklichen Lage, eben keine Holzwirtschaft zu betreiben, die aktuell wegen der Käferkalamitäten unter dem Preisverfall leidet. Das Institut steht auf mehreren Beinen: Internat, Schulbetrieb, Beherbergungsbetrieb, Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Seminare und Ferienkurse, dazu das Angebot einer vorzüglichen Küche für die umliegenden Grundschulen, Kindergärten und Einrichtungen und neuerdings das Geschäft mit der Photovoltaik. „Wir leben davon, dass das Schloss genutzt wird“, erläutert Sven Boris Kämmerling. Nur vom Präsentieren wäre das Haus längst zu.

Wo neben dem Wettbewerb um Fördermittel der Schuh drückt: bei den Denkmalschutzauflagen. „Wir wollen keine historischen Fassaden verschandeln“, betont Max Freiherr von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst NRW. Der Denkmalschutz sei für die Eigentümer ein wichtiger Aspekt, aber man wünsche sich mehr Flexibilität bei Gebäuden und Ställen. Das sieht Sven Boris Kämmerling auch so. Das Problem liege leider oft darin, dass Denkmalschutz auf Baubehörde treffe. Oft führten die denkmalschutz-spezifischen Auflagen dazu, dass auch die Kosten stiegen.

Beispiel: „Wir haben zu 100 Prozent Holzfenster. Die müssen aber alle paar Jahre gestrichen werden.“ Die neuen von 2012 seien im Übrigen jetzt wieder dran. Ob Form und Material der Fenster, ob Dacheindeckung, wie groß die Schiefersteine sein dürfen oder wo sie herkommen, ob Art der Außenfarbe oder Farbton: Letztlich bestimmt das die Denkmalbehörde.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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