»Ich will gar kein Superstar werden«

Eine Musical-Karriere kann sich die Hesselbacherin Sarah Unterderweide aber schon vorstellen

JG Hesselbach. Viele sehnliche Wünsche werden auch heute Abend unter den Wittgensteiner Weihnachtsbäumen wieder in Erfüllung gehen. Aber es gibt auch immer wieder Wünsche, die Eltern und Paten, Omas und Opas, Tanten und Onkel nicht so einfach erfüllen können. Da ist es egal, wie groß das Weihnachts-Budget ist. Da ist es egal, wie bunt das Einpackpapier ist. Da ist es egal, wie kräuselig die Geschenkeschleifchen sind. Es gibt Wünsche, die passen einfach in keinen Karton. Solch einen Wunsch hat auch die 17-jährige Sarah Unterderweide aus Hesselbach: »Ich will Sängerin in einem Musical werden.« Und um das gleich klar zu stellen, sie will etwas anderes ganz ausdrücklich nicht: »Ich will gar kein Superstar werden.« Und sie weiß, wovon sie spricht.

Dritte Runde bei Pro-Sieben-Popstars

Zweimal war Sarah Unterderweide im abgelaufenen Jahr in Köln. Zweimal hat sie versucht, bei einer Casting-Show ins Fernsehen zu kommen. Im Juli überstand sie bei den Pro-Sieben-Popstars sogar die ersten drei Runden ohne Blessuren, durfte anschließend dem künftigen Eurovisions-Star Sabrina Setlur und dem alten Nena-Weggefährten Uwe Fahrenkrog-Petersen etwas vorsingen. Doch danach war Schluss. Bei dem RTL-Casting für »Deutschland sucht den Superstar« konnte sie nicht mal die erste Hürde nehmen, was aber vielleicht auch mit dem Bänderriss zu tun hatte, mit dem sie zum Vorsingen gehumpelt war.

»Kölle Alaaf, nur damit die Quote steigt«

Aber im Nachhinein tut ihr das ohnehin nicht leid. Bei den Superstars habe sie sich überhaupt nicht wohl gefühlt. Und dass die Spielregeln des privaten Fernsehens manchmal gar nichts mit der Suche nach echter Qualität zu tun haben, das hat Sarah hier schnell gelernt: »Die haben Leute genommen, die 'Kölle Alaaf' gesungen haben, nur damit die Quote steigt«. Und »Kölle Alaaf«, das ist nun ganz sicher nicht Sarahs Welt, auch wenn ihre Liebe zum Musical in der Karnevalshochburg am Rhein entflammte. Nachdem sie hier das Musical »Saturday Night Fever« gesehen hatte, war ihr klar, dass sie so etwas auch machen wollte. Und mit ihrem ehrlichen Interesse überzeugte sie sogar das Städtische Gymnasium Bad Laasphe, vor zwei Jahren bekam sie die Erlaubnis, ihr Schulpraktikum bei dem Gebrüder-Gibb-Musical »Saturday Night Fever« der Bee Gees in Köln zu absolvieren. Sie wohnte in der Zeit bei der Familie ihres Cousins, und weil gerade ein neues Ensemble seine Arbeit begonnen hatte, bekam Sarah Einblicke in die unterschiedlichsten Bereiche: Sie guckte bei den Tanzproben der Neuen zu, pfriemelte mit beim Perücken-Knüpfen, hatte in der Maske die Hand im Pudertopf, saß auch an der Pforte und am Telefon des Theaters. Und dann wurde sie auch noch fotografiert mit dem Hauptdarsteller Ron Holzschuh, der inzwischen allabendlich in der »Verbotenen Liebe« über den Bildschirm flimmert. Die Liste der Musicals, die sie schon live gesehen hat oder wenigstens auf CD zuhause hat, ist lang. Sie reicht vom Andrew-Llloyd-Webber-Klassiker »Starlight Express« zum historischen Singspiel »Elisabeth«, von den in Noten gefassten Victor-Hugo-Romanen »Les Misérables« und »Glöckner von Notre-Dame« bis hin zum »Tanz der Vampire« und den »Miami Nights«. Dabei ist es die Mischung aus Schauspiel, Tanz und Gesang, die Sarah fasziniert. Musical-Melodien haben es der 17-Jährigen überhaupt angetan, beim Blick in die aktuellen Charts legt sie hingegen die Stirn ein wenig in Falten: »Britney Spears und so ein Zeug, da kann ich nichts mit anfangen.« Damit es etwas wird mit der Karriere, nimmt die Hesselbacherin seit einem Jahr Gesangsunterricht bei Birgit Quednau an der Laaspher Musikschule, am Städtischen Gymnasium gehört die Zwölftklässlerin der Tanz AG von Barbara Pinnig an.

Mit »Zauberflötenkind« nach Tamworth

Deshalb stand sie auch bei den Aufführungen des »Zauberflötenkinds« mit auf der Bühne, eines der unbestrittenen Highlights der Schule im abgelaufenen Jahr. Nächstes Jahr geht es übrigens mit der Aufführung nach Tamworth, in der Partnerschule der Laaspher bildet die darstellende Kunst einen Schwerpunkt. Wer vor diesen kritischen Augen besteht, der kann wirklich etwas.

Abitur wird auf jeden Fall gemacht

Zum Ballett-Unterricht würde Sarah auch noch gern gehen, doch dafür fehlten die Infrastruktur und momentan noch die Möglichkeiten. Aber spätestens wenn sie Ende April 18 wird und den Führerschein hat, dann möchte sie zur Ballettschule nach Biedenkopf. Wobei die eigentliche Schule auf keinen Fall zu kurz kommen soll. Die Gymnasiastin mit den Leistungskursen Englisch und Geschichte will auf jeden Fall Abitur machen. Und dann zu einer der staatlichen Musicalschulen in Essen oder Frankfurt.

»Mit Starlight Express über die Bühne«

Allein die Vorstellung, sich von morgens Neun bis abends Sechs nur mit Einzel- und Chorgesang, mit Schauspielerei und Tanz zu beschäftigen, lässt die Augen von Sarah leuchten. Und sie hofft, dass sich dann irgendwann, wenn keiner mehr an die vermeintlichen Superstars von RTL denkt, auch noch ein anderer Traum erfüllt: »Einmal mit dem Starlight Express über die Bühne rollen – das wär's.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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