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Urteil vor dem Amtsgericht Bad Berleburg
Inline-Skater vermöbelte vier Polizisten und muss ins Gefängnis

Ein 36-Jähriger muss ins Gefängnis, weil er sich im September vorigen Jahres mit vier Polizisten anlegte, diese trat, schlug und ihnen ordentlich zusetzte – trotz Inliner an den Füßen und 2,5 Promille im Blut.
  • Ein 36-Jähriger muss ins Gefängnis, weil er sich im September vorigen Jahres mit vier Polizisten anlegte, diese trat, schlug und ihnen ordentlich zusetzte – trotz Inliner an den Füßen und 2,5 Promille im Blut.
  • Foto: kay (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

howe Bad Laasphe. Ein Mann aus Bad Laasphe, 36 Jahre alt, fährt mit seinen Inline-Skates erst ohne Maske und Einkaufswagen durch den Supermarkt, dann quer durch die Stadt. Erst saust er über die Bürgersteige, dann gehört ihm die ganze Bahnhofstraße – bis die Leute erst einmal auf den Trichter kommen, dass der Typ sturzbetrunken ist. Satte 2,5 Promille, so stellt sich heraus, hat er intus. Die Polizei kommt herbei, will den Inline-Fahrer von der Straße holen. Doch der pöbelt die Amtsträger an, beleidigt sie und weigert sich, Folge zu leisten. Schließlich packen sich die beiden jungen Beamten den Mann – eine Kollegin und ein Kollege halten ihn an der Schulter und am Arm. Doch er reißt sich los, schlägt mit den Fäusten um sich und tritt mit den Inlinern nach der jungen Beamtin.

howe Bad Laasphe. Ein Mann aus Bad Laasphe, 36 Jahre alt, fährt mit seinen Inline-Skates erst ohne Maske und Einkaufswagen durch den Supermarkt, dann quer durch die Stadt. Erst saust er über die Bürgersteige, dann gehört ihm die ganze Bahnhofstraße – bis die Leute erst einmal auf den Trichter kommen, dass der Typ sturzbetrunken ist. Satte 2,5 Promille, so stellt sich heraus, hat er intus. Die Polizei kommt herbei, will den Inline-Fahrer von der Straße holen. Doch der pöbelt die Amtsträger an, beleidigt sie und weigert sich, Folge zu leisten. Schließlich packen sich die beiden jungen Beamten den Mann – eine Kollegin und ein Kollege halten ihn an der Schulter und am Arm. Doch er reißt sich los, schlägt mit den Fäusten um sich und tritt mit den Inlinern nach der jungen Beamtin. Die verletzt sich am Knie und am Schienbein. Die Situation eskaliert, mit dem Ellbogen drischt er auf die Beamtin ein, immer wieder tritt er zu. Schließlich liegen alle drei am Boden.

Mann rastet aus und spuckt die Polizisten immer wieder an

Während Polizist und Polizistin vergeblich versuchen, dem völlig ausrastenden Mann Herr zu werden, kann der Kollege gerade noch per Funkgerät Hilfe anfordern. Eine zweite Streife eilt herbei, mit zwei über viele Jahre erfahrenen Polizisten. Die wollen dem „Inliner“ Handschellen anlegen, doch immer wieder reißt der sich los. Schließlich ändern die Beamten die Taktik. Zuerst, so der Plan, müssen sie dem 36-Jährigen die Inline-Skates irgendwie ausziehen. Der hält aber die Füße nicht still. Also rennt einer der Beamten los zum benachbarten Asia-Laden, leiht sich ein Messer aus. Damit schneiden die Polizisten dem Wildgewordenen die Schnürsenkel auf.
Aber auch dieses Manöver gelingt ihnen nicht. Immerzu spuckt der 36-Jährige die Polizisten an, einem rotzt er ständig ins Gesicht und auf die Uniform. Auch im Streifenwagen dreht der Übeltäter am Rad, tritt dauernd mit den Füßen und versucht, Kopfstöße zu verteilen. Die Verbal-Attacken weit unterhalb der Gürtellinie sind da noch das Harmloseste überhaupt. „Wir haben versucht, ihn zu fixieren. Am Ende waren wir fix und fertig“, schilderte am Dienstag ein Beamter im Bad Berleburger Amtsgericht. „Der ließ sich nicht beruhigen. Ich weiß nicht, was der eingeworfen hatte, aber er war völlig neben sich.“ Sein Kollege stellte fest, so etwas habe er in seinen über 31 Dienstjahren selten erlebt. Vom Aggressionsgrad auf einer Skala von 1 bis 10 sicher eine 8, wie der Beamte wusste.

Täter mit 2,5 Promille Alkohol im Blut

„Wir sahen, dass es richtig zur Sache ging, der gab Vollgas. Mein ganzes Gesicht war mit Spucke übersät. Das war unterste Sohle.“ Von den Blutergüssen und Kratzern an Armen und Händen ganz abgesehen. Umso erstaunlicher, dass sich der Täter mit seinen Inlinern und 2,5 Promille Alkohol im Blut überhaupt noch auf den Beinen halten konnte. „Schwankend, Fingerprüfung unsicher, benommen, Denkablauf verworren, Pupillen erweitert – das waren nur einige Stichworte, die Richter Torsten Hoffmann aus den ärztlichen Berichten verlas. Die Vorwürfe wogen natürlich schwer. Judith Hippenstiel klagte als Vertreterin der Staatsanwaltschaft einen tätlichen Angriff in besonders schwerem Fall, Widerstand, gefährliche Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs (Inliner), tätliche Beleidigung sowie in einem weiteren Fall Diebstahl mit Waffen an.

Angeklagter gibt vor Gericht ein erbärmliches Bild ab

Da hatte sich der Angeklagte in einem Supermarkt in der Siegener City-Galerie aus dem Regal bedient und einen Kräuterlikör für gerade einmal 4,84 Euro mitgehen lassen. An der Kasse vorbei entdeckte die Security dann aber bei der Durchsicht des Rucksacks ein Jagdmesser mit 16 Zentimeter langer Klinge. „Um Brot oder Wurst zu schneiden“, versuchte Rechtsanwältin Jennifer Kohse nach Rücksprache mit ihrem Mandanten noch etwas zu retten. Dass er ein Messer dabei gehabt habe, sei ihm nicht bewusst gewesen. Der Angeklagte selbst gab ein zuweilen erbärmliches Bild ab – immerzu lachend oder kopfschüttelnd, wenn sich ein Polizeibeamter im Zeugenstand äußerte. Geschlagen und getreten habe er ebenso wenig wie gespuckt. Im Gegenteil: „Die haben mich weggetreten“, warf er den Polizisten vor. Sein Schlüsselbein habe er gebrochen gehabt und zwei blaue Augen. Ob er das in seinem Blut festgestellte Amphetamin eingenommen habe, glaube er nicht. Zornig zeigte sich Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel: „Das war unter aller Sau, so ein asoziales Verhalten.“ Solche Aussetzer habe sie in 30 Jahren Dienstzeit noch nicht erlebt.

"Es ist ekelhaft, was Sie gemacht haben"

„Eine absolute Frechheit“ sei es, sich hier hinzusetzen und zu leugnen, statt sich mal zu entschuldigen. „Es ist ekelhaft, was Sie gemacht haben. Aber Sie werden mit meinem Strafmaßantrag die Quittung bekommen.“ Der Mann, den die Justiz wegen einer anderen Sache aus der Haft in Attendorn im Gerichtssaal vorführte, durfte im Anschluss gleich wieder retour fahren. Torsten Hoffmann verurteilte den mehrfach vorbestraften 36-Jährigen zu einem Jahr und sieben Monaten Gefängnis.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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