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Spuren aus Oslo führen nach Feudingen
Junge Frau stirbt 1995 unter mysteriösen Umständen

Die Spurensuche hat Carsten Mika nach Feudingen geführt – zur Straße „Auf der Stehde“.

tika Oslo/Feudingen. Das Zimmer mit der Nummer 2805 im Plaza-Hotel in Oslo trägt ein dunkles Geheimnis in sich. Ob sich das Mysterium vom „Oslo Plaza“ jemals lüftet, ist mehr als fraglich. Es ist ein Samstag – genauer der 3. Juni 1995. Eine junge Frau im eleganten Abendkleid liegt auf dem Bett in Zimmer 2805 des noblen Hotels in der norwegischen Hauptstadt. Auf ihrer Stirn klafft eine Schusswunde. In ihrer Hand hält sie eine Waffe. Die Umstände ihres Todes sind auch 25 Jahre danach nebulös. Die dringendsten Fragen: Warum ist sie unter falschem Namen eingecheckt? Wo ist ihre Begleitung, die sich laut Quittung ebenfalls in das Zimmer eingebucht hat? Warum sind sämtliche Hinweise auf ihre Identität verschwunden?

tika Oslo/Feudingen. Das Zimmer mit der Nummer 2805 im Plaza-Hotel in Oslo trägt ein dunkles Geheimnis in sich. Ob sich das Mysterium vom „Oslo Plaza“ jemals lüftet, ist mehr als fraglich. Es ist ein Samstag – genauer der 3. Juni 1995. Eine junge Frau im eleganten Abendkleid liegt auf dem Bett in Zimmer 2805 des noblen Hotels in der norwegischen Hauptstadt. Auf ihrer Stirn klafft eine Schusswunde. In ihrer Hand hält sie eine Waffe. Die Umstände ihres Todes sind auch 25 Jahre danach nebulös. Die dringendsten Fragen: Warum ist sie unter falschem Namen eingecheckt? Wo ist ihre Begleitung, die sich laut Quittung ebenfalls in das Zimmer eingebucht hat? Warum sind sämtliche Hinweise auf ihre Identität verschwunden? Und warum hat die Frau als Privatadresse die „Rue de la Stehde“ in Verlaine angegeben, die es in dem belgischen Ort nicht gibt? Vieles deutet darauf hin, dass die Tote aus Deutschland stammt – möglicherweise aus Wittgenstein.

"Auf der Stehde" ist die Spur

Die Verbindung dahin hat Carsten Mika hergestellt. Der 48-jährige IT-Experte aus Hennef ist per Zufall auf die Geschichte gestoßen. „Ich interessiere mich schon immer für Kriminalfälle. Diesen Fall habe ich allerdings durch einen Tippfehler bei einer Google-Suche entdeckt“, erzählt Mika. Bei seiner weiteren Recherche ist er auf die Straße „Auf der Stehde“ in Feudingen gestoßen – eine Spur, die er nun verfolgt. Dass das Wort „Stehde“ auf der Quittung steht, hält Mika für keinen Zufall: „Vielleicht war sie abgelenkt, es war nachweislich viel los“, glaubt er an einen „Freud’schen Verschreiber“ – oder andernfalls an einen versteckten Hilferuf.

Einige Feudinger wollen sich erinnern

In einem sozialen Netzwerk hat er einen Aufruf an die Dorfgemeinschaft Feudingen gestartet, verbunden mit der Frage, ob jemand die Frau kennt. Und tatsächlich, ein Polizeifoto der Toten hat das Interesse einiger Feudinger geweckt. Viele wollen sich an sie erinnern – heute müsste die Tote zwischen 50 und 60 Jahre alt sein, zum Zeitpunkt ihres Ablebens etwa 30. Das hat die Autopsie ergeben, sie selbst hat ihr Alter mit 21 beziffert. Eingecheckt hat sie – am 31. Mai 1995 – laut Quittung als Jennifer Fairgate, gemeinsam mit Lois Fairgate. Wer der Mann ist, ist nebulös. Ein gewisser Herr F. – so nennt ihn der norwegische Journalist Lars Christian Wegner – checkte am Samstagmorgen, 3. Juni 1995, aus dem Hotel aus. Angeblich, so sollte er später gegenüber Wegner erklären, weil ihm das Hotelpersonal verraten hatte, dass eine Frau dort am Vorabend ums Leben gekommen sein soll. „Das ist eine der Lücken dieser Geschichte – das Ganze soll sich ja erst am Abend ereignet haben“, sagt Mika – doch F. blieb bei seiner Version.

Identität zurückgeben

„Ich möchte der Frau ihre Identität wiedergeben. Vielleicht gibt es noch Familienmitglieder, die nicht wissen, was mit ihrer Angehörigen passiert ist.“ Eine Vermisstenmeldung gibt es nicht – „vielleicht ist diese aber auch in einer Schublade verschwunden“. Für ihn würde dies jedenfalls ins Bild der Vielzahl vermeintlicher Zufälle passen.

3. Juni 1995 im "Oslo Plaza"

Doch von vorne: Am Abend des 3. Juni 1995 klopft ein Angestellter des „Oslo Plaza“ an die Tür von Zimmer 2805, weil die Mieter Rechnungen nicht bezahlt haben. Er hört einen Schuss im Raum – und verständigt das Sicherheitspersonal. In dieser Zeit ist das Zimmer unbeobachtet. Es vergeht viel Zeit, vielleicht zu viel, bis die Polizei eintrifft. Schnell gehen die Ermittler von Selbstmord aus – und legen den Fall ad acta. Quasi alles bleibt ungeklärt.

Kam die Frau einen Tag früher ums Leben?

„Eigenartig ist, dass die Polizei nach zehn Jahren Beweismittel vernichtet hat“, berichtet Mika. Neben der Frau wird eine Bratwurst mit Kartoffelsalat gefunden – aufs Zimmer bestellt am Freitag, 2. Juni 1995, vermeintlich am Vorabend ihres Todes. „Bei der Autopsie wurde die Wurst weitgehend unverdaut im Magen gefunden. Wer würde so was fast einen Tag liegen lassen und dann essen?“, fragt sich Mika. Seine Vermutung: Die Frau kam bereits am 2. Juni ums Leben, den Schuss am 3. Juni hat der Täter zur Täuschung abgegeben. Nach dieser Theorie wäre es – wie von der Polizei kommuniziert – kein Probeschuss gewesen, den die Frau in ein Kissen abgegeben hat. Und damit auch kein Selbstmord, sondern Mord.

Polizei stellt Ermittlungen ein

Dass die Polizei die Ermittlungen dennoch schnell einstellte, dass sie keine detaillierten toxikologischen Untersuchungen anstellte, dass die Seriennummer auf der Waffe professionell entfernt war und nichts auf die Identität der Frau hindeutete – all das macht ihn stutzig und lässt ihn nicht zuletzt nach der Rolle der Polizei in dem Fall fragen. Mika ist fest entschlossen, die Frage nach der Identität zu lösen – und möchte dann ein Buch darüber schreiben.

Unterstützung aus Feudingen

Daher hofft er auf Hilfe aus Feudingen. Er selbst war bislang noch nicht vor Ort. „Wenn die Feudinger das hinkriegen, dass die Frau einen Namen kriegt, das wäre eine Sensation. Und wenn den Feudingern das gelingt, dann bringe ich da sicherlich ein paar Kisten Bier vorbei.“ Sollte die Spur nach Feudingen aber kühler sein als erhofft, hat er inzwischen eine weitere entdeckt – 20 Kilometer entfernt. In Müsse gibt es die Straße „Unter der Stehde“.

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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