Gymnasium Schloss Wittgenstein
Junge Leute sollen sich für die Demokratie einsetzen

Die Schüler vom Gymnasium Schloss Wittgenstein hatten während ihres Besuches in der Synagoge Gelegenheit, die Vorbereitung einer Bar-Mizwa-Feier zu erleben. Foto: Schule
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sz Berlin/Bad Laasphe. Zum Schulprogramm des Gymnasiums Schloss Wittgenstein gehört die intensive Auseinandersetzung mit dem Holocaust und dem aufkeimenden Antisemitismus in Deutschland. Die Religionslehrer Friedhelm Koch und Wolfgang Henkel bieten deshalb seit vielen Jahren für die Schüler der Religionskurse der Jahrgangsstufe 10 eine dreitägige Exkursion zum Thema „Juden in Deutschland“ an, um die Jugendlichen für dieses Thema zu sensibilisieren, da jüdisches Leben in Deutschland 75 Jahre nach dem Holocaust vielerorts nicht mehr erfahrbar ist. Auch in diesem Jahr fuhren die beiden GSW-Religionslehrer mit 25 Schülern von Bad Laasphe nach Berlin, um hier die jüdisch-orthodoxe Gemeinde zu besuchen, zu der über die Jahre mittlerweile ein freundschaftlicher Kontakt entstanden ist.

Zum Berlin-Programm gehörte am ersten Exkursionstag der Besuch eines jüdisch-orthodoxen Gottesdienstes in der Synagoge in der Joachimstaler Straße. Wie streng die Sicherheitsvorkehrungen sind, erfuhren die Jugendlichen am eigenen Leib: Vor dem Betreten der Synagoge stand eine Sicherheitskontrolle durch Polizeibeamte und durch die Security der Gemeinde an. Im Vorraum der Synagoge wurden die Besucher von Rabbiner Ehrenberg begrüßt, der an diesem Tag seinen 70. Geburtstag feierte. Im Namen der Schloss-Schule gratulierten Wolfgang Henkel und Friedhelm Koch und überreichten ein kleines Präsent.

Zu Beginn des Gottesdienstes mussten sich alle Schülerinnen in den durch eine Gitterwand abgeteilten hinteren Teil der Synagoge begeben, da Frauen und Männer nach dem jüdisch-orthodoxen Ritus getrennt Gottesdienst feiern, der auf Hebräisch gehalten wird, wobei es üblich ist, während des Gebetes umherzulaufen. Im Anschluss an den Gottesdienst erklärte Rabbiner Ehrenfeld die Thorarolle und nahm sich viel Zeit für ein Gespräch mit den Laaspher Schülern, die sich im Vorfeld zahlreiche Fragen überlegt hatten. Besonders beeindruckend war für die Jugendlichen mitzuerleben, wie ein 13-jähriger Junge, der sich auf seine anstehende Bar Mizwa, vergleichbar mit der Konfirmation, vorbereiten wollte, eine Stelle aus der Thora auf Hebräisch vorsang.

Am folgenden Tag besuchte die Gruppe zunächst den Deutschen Bundestag und hatte Gelegenheit zu einem ausführlichen Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten des Kreises Siegen-Wittgenstein, Volkmar Klein. Am Nachmittag besuchte die Gruppe die ehemalige große Synagoge in der Oranienburger Straße, wo es auch wieder Polizeibewachung und eine Sicherheitsschleuse gab.

Am letzten Exkursionstag stand der Besuch des ehemaligen Gestapo- und späteren Stasiuntersuchungsgefängnisses „Lindenstraße“ in Potsdam auf dem Programm. Dort sind in einem Hinterhof eines unscheinbar wirkenden Hauses noch sämtliche Gebäude mit Zellen und Verhörräumen erhalten. Der beklemmende Eindruck, den diese Gebäude auf die Besucher machte, wurde noch durch Berichte eines Zeitzeugen verstärkt, der dort von der Stasi wegen angeblichen staatsfeindlichen Äußerungen und versuchter Republikflucht inhaftiert und verhört wurde.

Ein ehemaliger Untersuchungshäftling der Stasi führte die Schüler durch „sein“ Gefängnis und berichtete von seinen Erlebnissen: Die Häftlinge erfuhren zunächst nicht den Grund ihrer Verhaftung. Sie wurden nicht mehr mit Namen angeredet, sondern nur mit der ihnen zugewiesenen Nummer und mussten Schlafentzug erleiden. Selbst der Freigang war nur in einer Zelle möglich, die lediglich oben geöffnet war.

Der ehemalige Untersuchungshäftling vermittelte der Schülergruppe am Beispiel seines Schicksals sehr anschaulich die Mechanismen einer Diktatur. Abschließend appellierte er an die Schüler, die Demokratie zu schützen und auf antidemokratische Entwicklungen zu achten.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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