Kampfmaschine oder Schmusehund?

Ronny Putz und Marina Hofmann wollen die Rasse Dogo Argentino in Hesselbach züchten

vg Hesselbach. »Wenn wir mit unserem Hund durch die Straße gehen, schauen die Leute manchmal schon komisch«, schildert Marina Hofmann. Und dass sie komisch schauen, hat auch einen Grund: Marina Hofmann geht nicht etwa mit einem gewöhnlichen Vierbeiner Gassi sondern mit ihrem 15 Monate alten Kampfhund Dogo Argentino namens Lunedi. »Es war eigentlich Liebe auf den ersten Blick«, weiß die 25-Jährige, »als ich einen Dogo zum ersten Mal an der Leine sah«. Da es in Deutschland sehr wenig Züchter für diese Rasse gibt, haben sich Marina Hofmann und Ronny Putz den Hund kurzerhand in Frankreich besorgt – von einem Österreicher.

Jetzt hat der Kampfhund Lunedi in Hesselbach sein zu Hause. Die Blicke der Passanten sind natürlich verwundert, wenn der ungemein große Hund mit der eigentümlichen bulligen Kopfform, den kurzen Ohren und dem muskulösen Körper auftaucht. »Wir haben einen Hund, der als aggressiv eingestuft ist«, gibt Marina Hofmann zu, »aber es kommt immer darauf an, wer hinter der Leine steht.«

Ursprünglich stammt der Dogo Argentino aus dem argentinischen Côrdoba und wurde dort vermehrt für Hundekämpfe und als Jagdhund eingesetzt. Die Züchter spezialisierten sich im Laufe der Zeit aber ausschließlich auf seine Jagd-Qualitäten. Heute gilt er daher offiziell als Jagdhund, erweist sich als ausdauernder Hetzhund und nimmt es sogar mit Wildschweinen und Pumas auf. Im Kampf ist er stumm, hat eine erstaunlich gute Nase und folgt dem Puma mit hoher Nase. Zu den Charakteristiken seiner Rasse zählt vor allem auch »Mut«, wie es Otto Schimpf in seinem Buch »Der Dogo Argentino« formuliert. »Wenn er den Puma oder Keiler erreicht, soll er ihn ungeachtet seiner Verletzungen halten können, bis der Jäger oder seine Gehilfen heran sind.«

Ronny Putz und Marina Hofmann haben sich den Hund aus anderen Gründen angeschafft. Sie nehmen an Wettbewerben teil und haben auch schon einige Urkunden mit Lunedi einheimsen können. So ist die Hundedame Deutsche Jugendsiegerin und Europasiegerin. »Bei den Wettbewerben wurde sie als besonders liebenswert und ruhig beschrieben«, so Marina Hofmann. »Sie leckt auch gerne die Leute ab. Trotzdem kriegen wir auch bei den Wettkämpfen den einen oder anderen Spruch zu hören«, muss die 25-Jährige einlenken. »Eine alte Frau sagte zum Beispiel. Muss denn dieser böse Hund so frei rumlaufen?« Der Kampfhund Lunedi fällt also auf.

»Ich fand ihn auf Anhieb süß«, beschreibt es die Hundehalterin aus Hesselbach, doch es gibt auch andere Meinungen: »Meine Eltern hatten erst einmal Bedenken, dabei sind sie auch Hundebesitzer«, schildert Ronny Putz. Das Thema Kampfhund hat demnach zwei Seiten. Der Dogo Argentino kann durchaus als Familienhund geführt werden, andererseits kann die Geschichte seiner Rasse schon anhand seines äußeren Erscheinungsbildes nicht verleugnet werden. Otto Schimpf formuliert es in seinem Buch so: »Man braucht den Dogo Argentino nicht scharf machen. Das Erbgedächtnis wird immer dann funktionieren, wenn es ernstlich benötigt wird.« Die Instinkte sind demnach wach.

»Wir gehen aber sorgsam mit unserem Hund um, und ich lasse ihn unter Aufsicht auch mit den Nachbarkindern im Garten spielen«, so Marina Hofmann, »wir haben auch noch Ziegen und Katzen, mit denen sich Lunedi gut versteht, manchmal liegt sie mit einer Katze auf dem Sofa und schmust mit ihr.« Doch den Hundehaltern aus Hesselbach ist auch bewusst, dass der Dogo Argentino nicht unbeaufsichtigt gelassen werden darf. »Ich würde für keinen Hund die Hand ins Feuer legen«, so Marina Hofmann, die auch als Tierheilpraktikerin arbeitet.

Ungeachtet der Blicke mancher Mitmenschen hat sich Ronny Putz bereits entschieden, Anfang nächsten Jahres den Dogo Argentino in Hesselbach zu züchten. »Mit Lunedi haben wir im Jungtier-Bereich bereits alle Preise gewonnen, die man gewinnen kann. Demnächst möchten wir auch an den Meisterschaften für ausgewachsene Hunde teilnehmen. Gute Auszeichnungen sind nämlich auch gute Voraussetzung für die Zucht.« Als nächstes möchten die beiden Kampfhundhalter dann mit Lunedi eine Prüfung absolvieren, die ihren Dogo Argentino schon bald dazu berechtigt, ohne Maulkorb vor die Tür zu gehen – Pumas müssen im Wittgensteiner Land auch nicht gejagt werden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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