Ortschaft liegt nicht am Ende der Welt
Keine Chance zur Weiterentwicklung?

Ein Dorfgemeinschaftshaus braucht Großenbach nicht: Die Gastwirtschaft mit der angeschlossenen Aukopf-Hütte dienen als Treffpunkt im Dorf.
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lh Großenbach. Seit vielen Jahrzehnten steht die Bezeichnung als „Streusiedlung“ Großenbach wie eine Brandmarke auf die Brust geschrieben. Das Problem ist den Einwohnern seit Jahren ein Dorn im Auge und kann auf einen radikalen Eintrag im Bundesbaugesetz zurückgeführt werden: In Großenbach dürfen keine neuen Häuser gebaut werden – mit dem Plan, Streusiedlungen langfristig abzubauen.

Die meisten akzeptieren die Abgeschiedenheit

Die Rechtfertigung dafür ist laut Markus Dreisbach in erster Linie in der Erreichbarkeit und in der Infrastruktur dieser Dörfer begründet. So hat der Rettungswagen beispielsweise eine durchschnittliche Anfahrtszeit von 45 Minuten und auch der Weg zu umliegenden Ortschaften und zur Kernstadt ist nur mit dem Auto zu erreichen, da Großenbach nicht an den Öffentlichen Personen-Nahverkehr angeschlossen ist. „Die Mehrheit der Bürger akzeptiert die Abgeschiedenheit und nimmt das in Kauf“, betont Markus Dreisbach und deutet darauf hin, dass sich die Großenbacher ganz bewusst für das Leben in dem kleinen Ort ohne direkte Anbindung entschieden haben. Durch seine unmittelbare Nähe zum Siegerland hat Großenbach in der Vergangenheit oft mit den Feuerwehrwachen und dem Rettungsdienst aus Deuz kooperiert. Das zeigt: Großenbach liegt keinesfalls „am Ende der Welt“, sondern ist durchaus zentral gelegen.

Es geht nicht um ein Neubaugebiet

Durch die Auflage, dass keine neuen Häuser im Dorf gebaut werden dürfen, orientieren sich vor allem junge Familien schnell anderweitig und haben keine Chance, sich niederzulassen. „Ein junges Pärchen ist vor einigen Monaten trotzdem hierhin gezogen“, erklärt Markus Dreisbach. Es geht im Ort keinesfalls um die Errichtung von größeren Neubaugebieten, sondern um einzelne junge Familien, die in der Vergangenheit um einen Bauplatz gebeten und diesen angefragt haben.

Pfiffige Idee für eine „Backhaus-Woche“

Die permanente Zurückweisung junger Leute führt langfristig dazu, dass der Altersdurchschnitt weiter steigt, die Einwohnerzahl sinkt und die Zukunftssicherheit für das Dorf entfällt. „Wir müssen aufpassen, nicht auszusterben“, so bringt es der Ortsvorsteher auf den Punkt. Als Dorf, das häufig „hinten runter fällt“, muss Großenbach ebenfalls dafür kämpfen, den Ausbau von schnelleren Internetleitungen sowie ein stabiles Mobilfunknetz durchzusetzen. „Ein Youtube-Video läuft hier zwar noch, ohne hängen zu bleiben, aber an Homeoffice, E-Learning und Streamingdienste wie Netflix ist hier definitiv noch nicht zu denken“, bedauert Markus Dreisbach. „Die Infrastruktur geht leider den Bach runter: 98 Prozent aller Haushalte sollen schnelles Internet bekommen – Großenbach gehört damit zu den übrigen zwei Prozent“, ärgert sich der junge Ortsvorsteher auch im Hinblick auf die Schüler, die zuletzt auf Online-Unterricht angewiesen waren.

Kampf um grundlegende Dinge

Auch der Schulweg der Kinder wurde dem Ort lange Zeit zum Nachteil ausgelegt, bis sich Otto Wunderlich aus Bad Laasphe dafür einsetzte, dass ein Taxibus die Schüler in die Grundschule nach Feudingen bringt und wieder abholt. „Dass für grundlegende Dinge immer gekämpft werden muss, ist wirklich schade“, betont Markus Dreisbach die schwierige Lage im kleinen Dorf. Ein weiteres Problem besteht auch hier in der Pflege und in der Instandhaltung der Zufahrtsstraßen, die in einem waldreichen Ort wie Großenbach natürlich oft von schweren Transportfahrzeugen benutzt und damit beschädigt werden. „Es ist keine Aufgabe eines Leader-Projektes, diese zu reparieren, sondern die Aufgabe von Bund und Ländern“, klärt Markus Dreisbach über die Zuständigkeiten auf. Langfristig wünscht er sich, dass der Ort bestehen bleibt und dass man die Infrastruktur in den Griff bekommt: „Ich kann verstehen, dass die Kassen leer sind, aber die Grundlagen im Dorf sollten auf jeden Fall gegeben sein.“

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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