SZ

Trotz Attest wegen lungenkrankem Säugling
Keine Impfung für die Beckers

Lionel Anton kam vor neun Monaten als Frühchen auf die Welt und leidet seitdem unter einer chronischen Lungenkrankheit. Um das Leben ihres Sohnes nicht zu gefährden, benötigen seine Eltern Viola und Maik Becker eine Coronaschutz-Impfung.
  • Lionel Anton kam vor neun Monaten als Frühchen auf die Welt und leidet seitdem unter einer chronischen Lungenkrankheit. Um das Leben ihres Sohnes nicht zu gefährden, benötigen seine Eltern Viola und Maik Becker eine Coronaschutz-Impfung.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

ako Hesselbach. Der kleine Lionel Anton erblickte am 2. Juli 2020 das Licht der Welt. Viel zu früh. Denn als Geburtstermin wurde der 21. Oktober datiert. Allerdings gab es in der Schwangerschaft Komplikationen, sodass Lionel Anton per Notkaiserschnitt auf die Welt geholt wurde. Er wog zu dem Zeitpunkt gerade mal 480 Gramm. 480! So viel wie eine Packung Margarine. Um zu überleben, musste der Sohn von Viola und Maik Becker aus Hesselbach bis zum errechneten Entbindungstermin im Krankenhaus bleiben.

Mehrere Wochen wurde er im Inkubator künstlich beatmet. Seitdem hat er eine Bronchopulmonale Dysplasie (BPD), eine chronische Lungenkrankheit.

ako Hesselbach. Der kleine Lionel Anton erblickte am 2. Juli 2020 das Licht der Welt. Viel zu früh. Denn als Geburtstermin wurde der 21. Oktober datiert. Allerdings gab es in der Schwangerschaft Komplikationen, sodass Lionel Anton per Notkaiserschnitt auf die Welt geholt wurde. Er wog zu dem Zeitpunkt gerade mal 480 Gramm. 480! So viel wie eine Packung Margarine. Um zu überleben, musste der Sohn von Viola und Maik Becker aus Hesselbach bis zum errechneten Entbindungstermin im Krankenhaus bleiben.

Mehrere Wochen wurde er im Inkubator künstlich beatmet. Seitdem hat er eine Bronchopulmonale Dysplasie (BPD), eine chronische Lungenkrankheit. In Zeiten der Pandemie könnte eine Infektion mit dem Coronavirus für Lionel Anton daher lebensbedrohliche Folgen haben – doch weil die jungen Eltern nicht zur Priorisierungsgruppe gehören, erhalten sie gegenwärtig keine Impfung. Trotz ärztlichen Attests seien ihre Anträge nicht berücksichtigt worden.

Attest hilft noch nicht weiter

„Als es mit dem Impfen losging, haben wir uns direkt mit dem Thema beschäftigt“, sagte Viola Becker im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Sie und ihr Mann hätten über die kostenlose Infohotline des Impfzentrums des Kreises Siegen-Wittgenstein erfahren, dass sie sich als Eltern ein Attest ausstellen lassen können. Das junge Elternpaar ist daraufhin direkt zum Kinderarzt gegangen. Dieser habe dem jungen Elternpaar dann schriftlich bescheinigt, dass die beiden zu einer Gruppe gehörten, die Priorität hätte, sich impfen zu lassen – „weil wir ein Frühchen mit chronischer Lungenkrankheit haben“, erklärte die 29-Jährige.

Mit der ärztlichen Bescheinigung in der Tasche stellten Viola und Maik Becker beim Kreis einen Antrag für einen Impftermin. „Wir haben den Antrag und das Attest abgeschickt, das war Anfang März. Wir haben aber keine Rückmeldung erhalten.“ Deshalb wiederholten die Beckers das ganze nur eine Woche später noch mal – doch es gab wieder keine Rückmeldung. Als das Ehepaar telefonisch nachfragte, sei ihnen entgegnet worden, dass es sich um einen „Sonderfall“ handele – „und man uns nicht weiterhelfen kann“, betonte Viola Becker. Seit fast zwei Wochen dürfen auch Hausärzte die Coronaschutz-Impfung verabreichen: „Wir haben direkt angerufen.“ Der Hausarzt habe erklärt, dass er derzeit nur ältere Menschen impfen dürfe.

Alltag erheblich eingeschränkt

Nun bleibt der Familie nichts anderes übrig, als abzuwarten – und sich im Alltag so gut es geht, gegen das grassierende Virus zu schützen. Das bringt jedoch erhebliche Einschränkungen mit sich. So muss zum Beispiel Lia Antonia, die vierjährige Tochter von Viola und Maik Becker, bei einem Krankheitsverdacht im Kindergarten aus Sicherheitsgründen zu Hause bleiben: „Mein Mann und ich gehen auch nie zusammen einkaufen. Fakt ist, wenn wir den Kleinen anstecken würden, wäre das eine Katastrophe. Der Verlauf wäre völlig ungewiss.“

Viola und Maik Becker wenden sich mit ihrem Thema an die Öffentlichkeit, um auch darauf aufmerksam zu machen, dass es vielen Familien mit einem Frühchen so ergeht. Denn eine Bronchopulmonale Dysplasie ist eine chronische Lungenkrankheit, die vor allem bei Kindern mit geringem Geburtsgewicht auftritt, wenn diese über längere Zeit künstlich beatmet werden: „Viele Eltern sind davon betroffen. Wir wollen das auf gar keinen Fall dem Kreis oder dem Hausarzt ankreiden, aber hier geht es um ein Kind, das noch sein ganzes Leben vor sich hat.“

"Wenn der Kleine Corona bekommt, kann das tödlich enden"

Über ein halbes Jahr hat die Familie um die Gesundheit ihres Sohnes Lionel Anton gekämpft und dabei auch einige Rückschläge hinnehmen müssen. Dass Viola Becker und ihr 35-Jähriger Mann trotz ärztlicher Bescheinigung gegenwärtig keinen Impftermin bekommen, wollen die beiden nicht einfach so hinnehmen: „Wir haben ein Attest, das zeigt, dass wir geimpft werden sollen, weil das Leben unseres Kindes auf dem Spiel steht. Wenn der Kleine Corona bekommt, kann das tödlich enden.“

Ähnliche Fälle bekannt

In Siegen-Wittgenstein sind einige (vergleichbare) Fälle bekannt, wie Kreissprecher Torsten Manges gegenüber der SZ bestätigte. Dass nicht jedem sofort geholfen werden kann, liege nicht daran, dass der Kreis nicht Willens ist, zu helfen, sondern dass gegenwärtig noch nicht genügend Impfstoff vorhanden ist. Wie alle anderen Kreise und kreisfreien Städte in NRW wird dem Kreis Siegen-Wittgenstein Impfstoff vom Land „zugeteilt“ – und zwar jeweils für fest definierte Zielgruppen: Also z. B. für bestimmte Alters- oder Berufsgruppen. „Für keine dieser Gruppen war oder ist so viel Impfstoff vorhanden, dass alle Berechtigten sofort geimpft werden können“, erklärte der Pressereferent.

Autor:

Alexander Kollek

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