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Philipp Dreisbach
Mit 20 Jahren Küster in Feudingen

20 Jahre und Küster in der gut 800 Jahre alten Kirche in
Feudingen: Alles andere als gewöhnlich ist der Beruf von
Philipp Dreisbach.
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    Feudingen: Alles andere als gewöhnlich ist der Beruf von
    Philipp Dreisbach.
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bw Feudingen. Küster im Dienst“ steht auf seiner Mund-Nasen-Maske. „Küster aus Leidenschaft“ würde bei Philipp Dreisbach sicherlich auch zutreffen. Ganz bewusst hat sich der 20-Jährige dafür entschieden, die Arbeitsstelle des „Hausmeisters“ in der gut 800 Jahre alten Feudinger Kirche zu übernehmen. Kein alltäglicher Schritt, darüber ist sich Philipp Dreisbach im Klaren. Nach seiner Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik hatte sich ihm, der schon seit einigen Jahren in der Feudinger Kirchengemeinde aktiv mitgearbeitet hatte und sogar Presbyter war, jedoch die Chance geboten, diese Stelle als Kirchendiener zu übernehmen. „Millionär werde ich nicht, das ist mir klar“, meint er im Gespräch mit der Siegener Zeitung.

bw Feudingen. Küster im Dienst“ steht auf seiner Mund-Nasen-Maske. „Küster aus Leidenschaft“ würde bei Philipp Dreisbach sicherlich auch zutreffen. Ganz bewusst hat sich der 20-Jährige dafür entschieden, die Arbeitsstelle des „Hausmeisters“ in der gut 800 Jahre alten Feudinger Kirche zu übernehmen. Kein alltäglicher Schritt, darüber ist sich Philipp Dreisbach im Klaren. Nach seiner Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik hatte sich ihm, der schon seit einigen Jahren in der Feudinger Kirchengemeinde aktiv mitgearbeitet hatte und sogar Presbyter war, jedoch die Chance geboten, diese Stelle als Kirchendiener zu übernehmen. „Millionär werde ich nicht, das ist mir klar“, meint er im Gespräch mit der Siegener Zeitung. „Aber was nutzt mir schon ein dickes Konto, wenn mir meine Arbeit keinen Spaß macht?“

Die Arbeit im Gotteshaus bereitet Philipp Dreisbach hingegen viel Freude. Hier sei er viel mit Menschen in Kontakt, wenn nicht gerade Corona ist. Die Kirche und die Gemeinde – „das ist ein Umfeld, das nicht jeder hat. Man hat jeden Tag mit anderen Menschen zu tun und auch große Verantwortung. Aber man muss es wirklich wollen und ein Herz dafür haben.“ Das hat der 20-Jährige definitiv, das ist ihm bei einem kleinen Rundgang durch das alte Gemäuer in jeder Sekunde anzumerken.

Begeistert fängt er an zu erzählen – über die Kirche und ihre Geschichte (siehe Kasten), aber genauso gerne über die Kirchenorgel, die Philipp Dreisbach auch zu spielen gelernt hat. Dass er zwischendurch, wenn er Zeit hat, sich auch einfach hinsetzen und Orgel spielen kann, habe ganz sicher zu der Entscheidung, Küster der Kirche zu werden, beigetragen. Im August trat er die Dreiviertel-Stelle an, die „kein klassischer Arbeitsplatz“ ist und doch aus ganz weltlichen Aufgaben besteht.

Rückhalt der Kirchengemeinde

Philipp Dreisbach hält die Kirche quasi am Laufen, schaut nach der Heizung und tauscht kaputte Birnen in den Lampen gegen funktionierende aus. Er kümmert sich derzeit um den Winterdienst rund um die Kirche oder pflegt die Grünflächen in den Sommermonaten. Er prüft, ob die Glocken in Ordnung sind, und nimmt auch kleinere Reparaturen vor. Damit aber nicht genug: Der Feudinger, der nur 350 Meter von der Kirche entfernt wohnt, bereitet auch Gottesdienste oder Hochzeiten (wenn wieder welche stattfinden) vor, dekoriert das Gotteshaus und räumt hinterher auch wieder auf. Gleiches gilt für Veranstaltungen nebenan im Gemeindehaus wie etwa Presbyteriumssitzungen. Übrigens musste er den Platz im Leitungsgremium der Kirchengemeinde räumen, um Küster zu werden: Er könne schlecht sein eigener Chef sein, sagt er mit einem Lachen.

Den Rückhalt in der Kirchengemeinde spürt Philipp Dreisbach, sonst hätte er den Job wohl auch nicht bekommen. Zur Arbeit in der Kirchengemeinde sei er letztlich erst während der Zeit im Konfirmandenunterricht gekommen. Was folgte, waren erste Seminare und Freizeiten, sehr schnell gehörte er dem Presbyterium an. Aktuell ist er zudem „Young Ambassador“, also junger Botschafter der Kirchengemeinde im Austausch mit der United Church of Christ in den USA. Corona-bedingt konnte bisher der Besuch der amerikanischen Partner in Wittgenstein nicht stattfinden, geplant ist allerdings, dass das in diesem Jahr nachgeholt wird. „Wir hoffen sehr, dass das klappen kann“, sagt der Feudinger. Ursprünglich hatte der Gegenbesuch schon im vergangenen Jahr stattfinden sollen.

Touristen kommen zur Kirche

Neben der Arbeit als Küster ist Philipp Dreisbach als Organist tätig. 2017 habe er mit dem Erlernen der „Königin der Instrumente“ begonnen, sein Lehrer war der nur wenige Jahre ältere Alexander Klose aus Erndtebrück. „Manche haben Interesse an dem Instrument, aber die Hemmschwelle, das Spielen zu erlernen, ist sicherlich sehr groß“, weiß der 20-Jährige, der gerne auch die Katechumenen und Konfirmanden mit auf eine Orgelführung nimmt. Nicht selten kommt es auch vor, dass Touristen zu der Kirche kommen. So erinnert sich Philipp Dreisbach an einige japanische Besucher, die er durch die Kirche geführt hat. Auch Radler, die den Lahnradweg fahren, machen hin und wieder einen Abstecher zur alten Feudinger Kirche. Gerne steht er für Führungen zur Verfügung, sogar momentan während der Pandemie. 

Philipp Dreisbach ist sehr froh darüber, „dass man mir in der Gemeinde zutraut, als Küster zu arbeiten“. In seinem Alter gehen andere in den Fußball- oder in den Schützenverein – er eben lieber zur Kirche. Und zur Feuerwehr, in der er aktiv ist. Aber da gilt das Motto: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.“ Das passt.

20 Jahre und Küster in der gut 800 Jahre alten Kirche in
Feudingen: Alles andere als gewöhnlich ist der Beruf von
Philipp Dreisbach.
Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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