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Fitnessstudios fehlt Perspektive
Lockdownfrust statt Frühjahrslust

Im Trainingsbereich des „RadioActiv“ in Bad Laasphe haben sich die Mitglieder vor der Corona-Pandemie noch täglich sportlich verausgabt. Seit Längerem herrscht Stille – wegen des Lockdowns muss das Fitnessstudio geschlossen bleiben.
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  • Im Trainingsbereich des „RadioActiv“ in Bad Laasphe haben sich die Mitglieder vor der Corona-Pandemie noch täglich sportlich verausgabt. Seit Längerem herrscht Stille – wegen des Lockdowns muss das Fitnessstudio geschlossen bleiben.
  • Foto: Alexander Kollek
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

ako Bad Laasphe. Weg mit dem angesammelten Hüftspeck aus der Winterzeit, mehr Bewegung ist gesund und Sport hält fit: Zu Beginn eines neuen Jahres sind die Fitnessstudios normalerweise überfüllt. In keiner Jahreszeit wirbt die Branche so viele Mitglieder wie im Januar bis in den Frühling hinein. Doch in der Pandemie ist alles anders. Seit November 2020 sind die heimischen Fitnessstudios schon geschlossen.

Das jährlich vielversprechende Weihnachts- und Neujahrsgeschäft blieb wegen Corona aus. Experten warnen, dass es zu einer regelrechten Pleitewelle kommen könnte. Neben finanziellen Sorgen haben die Betreiber gegenwärtig mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen: „Keiner weiß, wann es weitergeht“, sagt Kilian Giese. Der 27-Jährige leitet das „RadioActiv“ in Bad Laasphe.

ako Bad Laasphe. Weg mit dem angesammelten Hüftspeck aus der Winterzeit, mehr Bewegung ist gesund und Sport hält fit: Zu Beginn eines neuen Jahres sind die Fitnessstudios normalerweise überfüllt. In keiner Jahreszeit wirbt die Branche so viele Mitglieder wie im Januar bis in den Frühling hinein. Doch in der Pandemie ist alles anders. Seit November 2020 sind die heimischen Fitnessstudios schon geschlossen.

Das jährlich vielversprechende Weihnachts- und Neujahrsgeschäft blieb wegen Corona aus. Experten warnen, dass es zu einer regelrechten Pleitewelle kommen könnte. Neben finanziellen Sorgen haben die Betreiber gegenwärtig mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen: „Keiner weiß, wann es weitergeht“, sagt Kilian Giese. Der 27-Jährige leitet das „RadioActiv“ in Bad Laasphe.

Branche fühlt sich im Stich gelassen

„Chaotisch. Nicht haltbar. Unplanbar. Wirtschaftlich katastrophal und für die Mitarbeiter einfach nur frustrierend.“ Mit diesen Worten bringt Kilian Giese seinen Frust über die gegenwärtige Situation zum Ausdruck. Der Inhaber des einzigen Fitnessstudios in der Lahnstadt fühlt sich und seine Branche von der Politik allein gelassen: „Was Öffnungen angeht, wurde die Fitnessbranche komplett unberücksichtigt. Wir fallen in der Politik komplett hinten runter.“

Das „RadioActiv“ muss wegen der Pandemie nun schon seit fast sechs Monaten am Stück geschlossen bleiben. Eine Perspektive, wann wieder geöffnet werden darf, gibt es gegenwärtig noch nicht. Dabei wären verbindliche Aussichten laut Kilian Giese besonders für die Planungen dringend notwendig: „Wir können nicht arbeiten. Aber wir haben Kunden, die aus gesundheitlichen Gründen darauf angewiesen sind, sich regelmäßig zu bewegen und Krafttraining zu machen“, erklärt der 27-Jährige. Er kritisiert deutlich, dass die Regelungen in den einzelnen Bundesländern durchaus unterschiedlich gehandhabt wurden.

Denn während die Fitnessstudios in Nordrhein-Westfalen durchgehend geschlossen bleiben mussten, durfte im benachbarten Hessen Anfang März kurzzeitig geöffnet werden – ehe die bundesweite Notbremse auch dort für eine Schließung sorgte: „Wenn wir doch alle das selbe Virus haben, wie kann dann im fünf Kilometer entfernten Biedenkopf geöffnet werden?“

Eigentlich ist alles vorbereitet...

Unverständnis äußert Kilian Giese auch darüber, dass in vielen anderen Branchen, in denen ein enger Kundenkontakt besteht, die Arbeit wieder möglich ist: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass körpernahe Dienstleistungen erlaubt sind, wir aber mit unseren Hygienekonzepten nicht öffnen dürfen.“ Der Studio-Inhaber selbst habe zum Schutz seiner Kunden und Mitarbeiter unter anderem dafür gesorgt, dass die Luft in seinen Räumlichkeiten aerosolfrei bleibe: „Ich habe dafür extra neue Luftfilter installiert.“

Um den Mitgliedern auch in Corona-Zeiten ein Angebot zu machen, bietet das Fitnessstudio „RadioActiv“ Online-Kurse an: „Das machen wir auch, um zu zeigen: ,Hey, wir möchten trotzdem für euch da sein.’ Aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt. Wir können nicht mit den großen Online-Anbietern konkurrieren. Wir sind das klassische Fitnessstudio, wo die Leute hinkommen, um zu trainieren“, erklärt Kilian Giese. Es gäbe zwar die Möglichkeit, etwas im Bereich Rehasport zu machen, aufgrund der uneinheitlichen Regelungen und unterschiedlich hohen Inzidenzen fehle dem Inhaber aber noch das „Go“ vom zuständigen Rehasportverein.

Kunden und Mitarbeiter springen ab

Weil seit Monaten nicht trainiert werden darf, haben viele Kunden ihren Vertrag gekündigt: „Wir haben über die Corona-Zeit um die 50 Mitglieder verloren.“ Da es coronabedingt kaum Arbeit gab, sind auch Mitarbeiter gegangen. Acht 450-Euro-Kräfte seien abgesprungen: „Die arbeiten jetzt woanders. Die kommen auch nicht mehr wieder.“ Auch für die festangestellte Mitarbeiterin Bianca Koll ist die Situation alles andere als einfach. „Ich bin jetzt ein halbes Jahr zu Hause und bekomme Kurzarbeitergeld“, sagt sie.

Staatliche Unterstützung – die sogenannten November- und Dezemberhilfen –, die Kilian Giese bereits ausgezahlt bekommen hat sowie die Überbrückungshilfe 3, die der 27-Jährige demnächst beantragen will, können die finanziellen Ausfälle kaum kompensieren: „Wir machen jeden Monat um die 20 000 Euro Verlust.“ Noch schwerer wiege hierbei die Tatsache, dass in den vergangenen Monaten keine neuen Mitgliedschaften generiert werden konnten. Denn normalerweise liegen im Frühjahr – „der Zeit der guten Vorsätze“ – viele Neu-Anmeldungen auf dem Schreibtisch.

Dementsprechend hofft Kilian Giese nun darauf, dass die Politik für die Öffnung von Fitnessstudios zeitnah Klarheiten schaffen wird. Den nächsten Wochen und Monaten blickt der 27-Jähriger aber eher pessimistisch entgegen: „Wir sind auf Hilfen angewiesen. Wenn diese ausbleiben, sieht es richtig düster aus.“

Im Trainingsbereich des „RadioActiv“ in Bad Laasphe haben sich die Mitglieder vor der Corona-Pandemie noch täglich sportlich verausgabt. Seit Längerem herrscht Stille – wegen des Lockdowns muss das Fitnessstudio geschlossen bleiben.
Kilian Giese, Inhaber des Fitnessstudios „RadioActiv“ in Bad Laasphe.
Autor:

Alexander Kollek

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