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Weihnachten in Bad Laasphe vor 400 Jahren
Ludwig der Jüngere verteilt Wecken als "Christkindgen"

Anno 1620 kehrt Graf Ludwig der Jüngere zurück auf Schloss Wittgenstein. Der Laaspher Regent kauft dem Bäcker Johannes Hesselbach die Wecken ab, die vom „Christkindgen“ an die Kinder verteilt werden.
  • Anno 1620 kehrt Graf Ludwig der Jüngere zurück auf Schloss Wittgenstein. Der Laaspher Regent kauft dem Bäcker Johannes Hesselbach die Wecken ab, die vom „Christkindgen“ an die Kinder verteilt werden.
  • Foto: Holger Weber
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

howe Bad Laasphe. Seit wann gibt es das Christkind? Schwierige Frage: Ursprünglich war es ja so, dass es die Geschenke am 6. Dezember zum Nikolaustag brachte. Mit der Reformation änderte sich das schlagartig, denn die Protestanten lehnten die Heiligenverehrung ab. Bei ihnen fand Sankt Nikolaus nicht statt. Also erfand man im 16. Jahrhundert – sozusagen als Ersatz für den Nikolaus – das Christkind. Sogar parallel zum Nikolaus tauchte es mitunter auf. So schreibt Martin Luther einst, die Kinder müssten „ir Kleiderlein des nachts ausbreiten, damit das Christkindlein oder Sanct Nicolas bescheren soll“. Im Laufe der Zeit wanderte der Tag des Schenkens auf den 24. Dezember, den heiligen Abend. Für die katholischen Christen blieb es lange Zeit beim 6. Dezember. Erst im 19.

howe Bad Laasphe. Seit wann gibt es das Christkind? Schwierige Frage: Ursprünglich war es ja so, dass es die Geschenke am 6. Dezember zum Nikolaustag brachte. Mit der Reformation änderte sich das schlagartig, denn die Protestanten lehnten die Heiligenverehrung ab. Bei ihnen fand Sankt Nikolaus nicht statt. Also erfand man im 16. Jahrhundert – sozusagen als Ersatz für den Nikolaus – das Christkind. Sogar parallel zum Nikolaus tauchte es mitunter auf. So schreibt Martin Luther einst, die Kinder müssten „ir Kleiderlein des nachts ausbreiten, damit das Christkindlein oder Sanct Nicolas bescheren soll“. Im Laufe der Zeit wanderte der Tag des Schenkens auf den 24. Dezember, den heiligen Abend. Für die katholischen Christen blieb es lange Zeit beim 6. Dezember. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich in der bürgerlichen Kultur das Christkind als Gabenbringer. Ganze Wissenschaften setzen sich bis heute mit der Thematik „Christkind und Nikolaus“ auseinander.

Christkinds verteilt Wecken aus Bad Laasphe

Zumindest für Wittgenstein ist klar: Seit 1620 beschert das Christkind die Kinder zu Weihnachten. Durch einen Zufallsfund entdeckte der bekannte Wittgensteiner Heimatforscher Werner Wied in den 1990er-Jahren in der Akte R 4 im Wittgensteiner Archiv eine Geldrechnung. Und darin heißt es: „Den Bäckern, den 24. t. Xbr (Dezember) für Wecken, so das Christkindgen ausgeteilt, Johannes Hasselbach gegeben 0-12-0 (12 Albus und ein halber Gulden).“ Der Laaspher Bäcker „Hasselbach“ backte die Wecken, die das Christkind am heiligen Abend an die Kinder verteilte.

Großzügiger Graf

Spender der Aktion war kein geringerer als Graf Ludwig zu Sayn-Wittgenstein, genannt der Jüngere. Als der zuvor aus seinem kurpfälzischen Dienst aus Simmern nach Wittgenstein zurückgekehrt war, zeigte sich der Regent großzügig. Die Sache bedarf natürlich der Erläuterung, denn der Bäcker „Hasselbach“ dürfte der um 1573 in Laasphe geborene Johannes Hesselbach gewesen sein. Er starb 1634 und lebte im Haus Königstraße 5 – jenem Gebäude, das in Laasphe noch heute als Bäckerei bekannt ist. „Treppenfischers“ ist der Hausname, abgeleitet vom einstigen Bäckermeister Jakob Fischer und der hohen Treppe zur Straße hin.

Ludwig der Jüngere eifert Vater nach

Hier wurden an jenem 24. Dezember des Jahres 1620, vor exakt 400 Jahren, die Weckmänner für die Kinder ausgegeben. Graf Ludwig konnte sie sich wahrlich leisten. Er schlüpfte sehr schnell in die Rolle seines berühmten Vaters, der den reformierten Glauben in der Grafschaft eingeführt hatte. Ludwig der Jüngere, wie er genannt wurde, war seinerzeit Erbe der Laaspher Südgrafschaft, die zunächst noch Sayn-Wittgenstein-Wittgenstein, später dann Sayn-Wittgenstein-Hohenstein hieß. Ludwig eiferte seinem Vater nach, der immerhin am kurpfälzischen Hof in Heidelberg zweimal das Amt des Großhofmeisters inne hatte.

Dreißigjähriger Krieg

1592 wurde er Obrist in Diensten der Pfalz, zog später an den Hof des französischen Herzogs von Bouillon. Um 1600 zog es ihn in die Pfalz zurück, wo er unter der Herrschaft von Friedrich IV. und dessen Sohn Oberamtmann in Simmern wurde. Exakt vor 400 Jahren verließ Graf Ludwig Simmern und kam nach Laasphe zurück. Just in jenem Jahr der Rückkehr, anno 1620, zahlte er die Weckmänner des Johannes Hesselbach, um diese an die Kinder zu verteilen. Zumal es eine arme Zeit der Plünderungen und Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges war.
Auch in der Grafschaft Wittgenstein in Laasphe litten die Bürger unter den durchmarschierenden Soldatenhorden. Bereits 1621 musste Wittgenstein Kontribution zahlen. Der Böhmisch-Pfälzische Krieg dehnte sich weiter nach Westen aus, spanische Truppen griffen ein. Seit 1597 grassierte in Laasphe die Pest, die unzählige Menschen dahinraffte.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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