Madeleine und die Delfine

Ungewöhnnliche Therapie für krankes Mädchen aus Banfe

Banfe. Madeleine wirkt fröhlich, ihre Bewegungen sind jedoch etwas hölzern – es entsteht der Eindruck einer glücklichen Marionette. Und genau so nannte Dr. Harry Angelman aus Großbritannien zunächst die von ihm erstmals beschriebene Krankheit: Happy Puppet Syndrom.

Das war schon Mitte der 60er Jahre. Inzwischen hat man mit „Angelman-Syndrom” einen weniger anschaulichen, dafür aber politisch korrekten Namen für die Krankheit gefunden – unter dem die neurologische Störung allerdings auch nicht bekannter geworden ist. Deshalb stellten die Mediziner bei der Banferin Madeleine Schmidt erst im vergangenen Sommer die richtige Diagnose, obwohl die Kleine da bereits vier Jahre alt war. Und selbst für diesen Befund war noch ein Zufall nötig. Eine der behandelnden Ärztinnen aus der Marburger Kinderklinik war kurz vor ihrem Zusammentreffen mit Madeleine auf einem Kongress gewesen und hatte eine Symptom-Beschreibung gehört, die ziemlich genau auf die Situation der kleinen Wittgensteinerin passte. Mario und Tanja Schmidt hatten sich vor allem wegen der Entwicklungsverzögerungen bei ihrer Tochter auf den Weg zu den Ärzten gemacht. Verzögerungen im sprachlichen und motorischen Bereich: So wollte es sowohl mit dem Reden, als auch mit dem Laufen-lernen nicht so richtig klappen – wobei Madeleine jedoch stets ein fröhliches und strahlendes Kind war. Auf die Frage der Eltern, warum ihr Kind anders ist, hat nun die Diagnose eine ganz klare Antwort gegeben – eine zwiespältige Situation: zum einen die Gewissheit, dass das Kind an einer unheilbaren Krankheit leidet, zum anderen kann jetzt dem Sprössling jedoch gezielt geholfen werden.

Dazu gehören ergotherapeutische Maßnahmen und auch die speziell abgestellte Betreuerin im Banfer Kindergarten kann nun anders mit Madeleine arbeiten. Ihre Stunden in dem Hort sind für die Kleine, die sonst auf ihre Mutter fixiert ist und häufig deren Schutz sucht, ohnehin sehr wichtig. Und um ihrer Tochter noch ein wenig mehr zu helfen, planen Tanja und Mario Schmidt nun etwas ganz Besonderes. Die in den Vereinigten Staaten immer häufiger angewandte Delfin-Therapie soll auch ihrer Tochter helfen.

Die possierlichen Tiere sind seit jeher die Lieblinge der Menschen, und hier insbesondere der Kinder. Im Umgang mit den intelligenten und in festen Sozialstrukturen lebenden Meeressäugern soll die kleine Wittgensteinerin im Wasser neues Selbstbewusstsein finden und auch bisher nicht entdeckte Möglichkeiten ihres Bewegungsapparates. In den USA sind die Ergebnisse durchweg beachtlich, die Warteschlangen für einen Therapie-Termin in Florida dementsprechend lang – auch dank vieler Patienten, die vom Alten Kontinent in die Neue Welt fahren.

Madeleines Eltern wollen nun ebenfalls mit ihr den Großen Teich überqueren. Kein ganz billiges Unterfangen, doch da die Krankheit bei dem Mädchen bisher noch nicht so schwer ausgeprägt ist, sind die Hoffnungen auf Fortschritte groß. Eine 14-Tage-Therapie in Key West kostet derzeit rund 26000 DM, die Banfer peilen wegen der langen Anfahrt einen Aufenthalt von etwa vier Wochen an, so dass Kosten von rund 50000 DM entstehen werden. Damit die Pläne nun nicht am fehlenden Geld scheitern, hat sich die Banfer Dorfgemeinschaft daran gemacht, Spendengelder für Madeleine zu sammeln.

Die unterschiedlichsten Vereine des Dorfes tragen ihr Scherflein dazu bei, auch die Banfer Kirchengemeinde unterstützt die Hilfsaktion. Die nächste konkrete Veranstaltung für den guten Zweck ist Annis vorweihnachtlicher Basar am Samstag und Sonntag, 18. und 19. November. Die Frauengemeinschaft „Rohrbruch” bietet an beiden Tagen „Am Sand” in Banfe viele selbst gebastelte Advents-Dekorationen. Im Dezember soll dann noch eine Veranstaltung des Young-Fashion-Chores stattfinden. Wer ohne musikalische oder gebastelte Gegenleistung helfen möchte, der kann Geld auf das Spendenkonto „Madeleine Schmidt” mit der Nummer 7702087 bei der Sparkasse Wittgenstein (Bankleitzahl: 46053480) überweisen. JG

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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