»Meine Kandidatur ist in die Zukunft gerichtet«

Ex-Stadtdirektor Gerd Karpf will zurück ins Laaspher Rathaus

JG Bermershausen. »Meine Kandidatur ist in die Zukunft gerichtet, ich will mich nicht mit dem beschäftigen, was in der Vergangenheit war« – gleich zu Beginn möchte Gerd Karpf klarstellen, dass unschöne Erinnerungen an die Politik im Laaspher Rathaus für ihn kein Thema mehr sind. Der SPD-Kandidat für das Bürgermeisteramt war von 1987 bis 1995 Stadtdirektor der Lahnstadt. Parteiinterne Querelen führten dazu, dass er nicht bei der Wahl zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister antrat.

54 Jahre, Jurist, Wittgensteiner

Der 54-Jährige ist ein echter Wittgensteiner aus der Wahlbachsmühle, trat 1970 der SPD bei und gehörte ab 1983 der Laaspher Stadtverordnetenversammlung an. Der gelernte Jurist und Stadtdirektor a.D. arbeitete zunächst als WKA-Verwaltungsdirektor und ist heute wieder als Rechtsanwalt tätig, hat drei Kinder und lebt von seiner Ehefrau getrennt.

Anfang war parteiübergreifende Anfrage

Wie das mit der Bürgermeister-Kandidatur anfing, das weiß Gerd Karpf noch genau. Als Robert Gravemeier sich um das Amt als Landrat bemüht habe, da sei er gefragt worden, ob er sich eine Kandidatur vorstellen könnte. Es sei eine parteiübergreifende Anfrage gewesen, da legt der Bermershäuser Wert drauf.

Größte Stärke: »Ich kann zuhören«

Als dann ein anderer Landrat geworden sei, da habe er von der zweiten großen Partei nichts mehr gehört, aber Gerd Karpf ist sowieso etwas anderes wichtig: Seine Partei habe ihn dann in großer Einmütigkeit – und ohne Gegenstimme – zum Kandidaten gemacht. Für ihn hat die Kandidatur auch symbolische Bedeutung. 1999 habe die große SPD überhaupt keinen Kandidaten für das Bürgermeisteramt aufgestellt, und nach seinem Verständnis müsse es bei einer Wahl auch eine Auswahl geben. Das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters reize ihn, weil die Verantwortung für die Verwaltung und die Repräsentation hier zusammengeführt worden seien, was es zu seiner Zeit als Laaspher Verwaltungschef so nicht gegeben habe, sagt der Mann, der als seine größte Stärke angibt: »Ich kann zuhören.« Die Laaspher Kommunalpolitik der vergangenen Jahren hat er eher von außen betrachtet, eine böse Bemerkung dazu kann er sich nicht verkneifen. Er habe schon als Kind in einer kleinen Volksschule gelernt: Je tiefer man in die Erde geht, desto wärmer wird es. Und wenn man tief genug bohrt, findet man Wasser. Diese Erkenntnis habe sich Laasphe 1 Mill. e kosten lassen. Entspannt kann er sich dabei zurücklegen, obwohl auch seine Partei die Thermalwasserbohrung hundertprozentig unterstützt hat. Aber noch mehr ärgert ihn an der Aktion etwas anderes: »Wieso will die Stadt in Konkurrenz treten zu einem Hotel im Oberen Lahntal?« Denn Wellness sei ja hier ein großes Thema. Das andere große Thema im Tourismus ist der Rothaarsteig. Er habe die Bekanntheit der Region gesteigert, müsse aber intensiver genutzt werden: »Auch bei den Rad- und Wanderwegen kann man mit relativ geringem Aufwand noch viel mehr machen.«

»Unternehmen von außen herbeiholen«

Doch er will nicht nur Touristen, sondern an Wirtschaftsunternehmen von auswärts. Der Zweckverband Wittgenstein sei eine vernünftige und richtige Entscheidung der drei Kommunen gewesen: »Aber wir müssen von außen neue Unternehmen herbeiholen, nicht die bereits in Wittgenstein ansässigen in den Jägersgrund abwerben.« Das müsse der Zweckverband künftig deutlicher machen, der derzeit personenbedingt eine Schwächephase durchlaufe. Vergessen dürfe man dabei aber nicht, dass die Kommune auch die standortgebundenen Unternehmen pflegen müsse: »Es muss eine genauso intensive Wirtschaftsförderung vor Ort geben.«

B62 beschleunigen, B253 stärker nutzen

Das gelte auch über die Landesgrenze hinweg. Es müsse einen Wettbewerb der Gewerbeflächen geben, allerdings dürfe es nicht so sein, dass das Gewerbe sich immer in Hessen ansiedele. Auch die Straßenplanung müsse über die Landesgrenze hinweg besser koordiniert werden. Die Laaspher Ortsumgehung ist für Gerd Karpf »mehr als überfällig« und der Ausbau der L719 über die Siegquelle eine »zentrale Aufgabe«. Dass der breite Ausbau der Bundesstraße 62 gescheitert ist, das hat Gerd Karpf weniger gewundert als viele andere. Er habe diese Variante planungsrechtlich wegen des Eingriffs in die Landschaft ohnehin nicht für realisierbar gehalten. Seine Lösung: Die B62 müsse insgesamt beschleunigt werden durch das gelegentliche Einziehen von Überholspuren auf der Strecke: »Da reicht es, ein bisschen Fichten-Monokultur zu entfernen.« Außerdem könne Bad Laasphe besser als bisher die Bundesstraße 253 nach Dillenburg zur Autobahn nutzen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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