Ortstermin an der abgerissenen Wabach-Fußgängerbrücke
Mit der Leiter zum anderen Ufer hangeln

Zwei Alternativen zur Wabach-Überquerung schlägt DIE PARTEI für die brückenlose Zeit vor: Stephanie Bosch nutzte beim Pressetermin die Alu-Leiter, alternativ käme aber auch der Stabhochsprung in Betracht.
  • Zwei Alternativen zur Wabach-Überquerung schlägt DIE PARTEI für die brückenlose Zeit vor: Stephanie Bosch nutzte beim Pressetermin die Alu-Leiter, alternativ käme aber auch der Stabhochsprung in Betracht.
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lh Bad Laasphe. So nah und doch so fern: Auf der einen Seite befinden sich die Sportanlage, das Wabach-Bad und sämtliche Zubringer zur Arbeit und dem gesellschaftlichen Leben, auf der anderen Seite stehen verärgerte Bürger, die in der Zwischenzeit zwangsläufig zu Langstreckenläufern gemacht wurden. Dazwischen der reißende Wabach, dessen Überquerung in der momentanen Zeit schier unmöglich geworden ist. Schuld daran ist der Abriss der hochfrequentierten und allseits beliebten Fußgängerbrücke, die das Wohngebiet an der Bienhecke sowie den Ditzroder Weg hinter dem Freibad in Bad Laasphe mit der Außenwelt bis vor über einem Jahr noch verbunden hielt (die Siegener Zeitung berichtete mehrfach).
Was der Abriss der Holzbrücke für die Bürger im Klartext bedeutete, verdeutlichte am Samstag ein Ortstermin an der ehemaligen Bach-Überquerung gemeinsam mit den Anwohnern und der Bad Laaspher Ortsgruppe von DIE PARTEI. Früher sei es kein Problem gewesen, „mal eben“ das Ufer zu wechseln und zum Sportplatz oder zur Arbeit zu gehen. Heute müssten alle, die die andere Seite erreichen wollten, einen Umweg von über 500 Metern in Kauf nehmen und das Wohngebiet bis zur Straße „Gennernbach“ durchlaufen, um zur Wabach-Anlage zu kommen, hieß es beim Pressetermin. Besonders Kindern und Jugendlichen werde zugemutet, den Weg über die größte Einmündung der Wallachei sowie die viel befahrene Durchfahrtstraße an der breitesten Stelle zu überqueren.

Ersatz gibt es bisher nicht

Stellenweise sei dafür nicht einmal ein Bürgersteig vorhanden, was die jüngsten Anwohner zusätzlich in Gefahr bringe, kritisierten mehrere Bewohner. Grund zur Empörung gebe es allemal: Die Brücke wurde nach eingehender Überprüfung ihrer Statik und ihrer Beschaffenheit im vergangenen Jahr durch die Stadt Bad Laasphe abgerissen. Ein Versprechen oder eine Garantie auf Ersatz oder eine zufriedenstellende Alternative gibt es bisher nicht. DIE PARTEI nahm sich daher der Sache auf kommunalpolitischer Ebene an und unterzog den „Tatort“ einem umfangreichen Faktencheck, um in dieser Situation eine Brücke zwischen Stadt und Bürgern schlagen zu können. Ein erster Kostenvoranschlag durch DIE PARTEI ergab, dass eine neue Brücke in gewünschter Holzoptik und mit entsprechender Statik und stabilen Betonfundamenten eine Summe von 19 999 Euro nicht überschreiten würde – natürlich inklusive der Eigenleistung der Anwohner, die das Projekt gemeinsam stemmen möchten.
Auch die Ortsgruppe sicherte ihre Unterstützung beim Bau neuer Brücken zu, insbesondere bei der Errichtung einer neuen Brücke im Laasphetal (die SZ berichtete) und über den Wabach, berichtete Markus Schmidt, Schatzmeister der Ortsgruppe, im SZ-Gespräch. Während die abgerissene Brücke im Laasphetal im Sommer 2020 sowohl in den Medien, als auch in der Kommunalpolitik ein heiß diskutiertes Thema war, will DIE PARTEI mit ihrem Ortstermin vor allem auf die zweite Brücke mit dem selben Schicksalsschlag aufmerksam machen, da diese Verbindung schlichtweg untergegangen sei, obwohl in diesem Fall noch mehr Anwohner betroffen seien als im Laasphetal. Im Rathaus sei das Thema aber immerhin „in der Bearbeitung“. DIE PARTEI entwickelte unterdessen kreative Alternativen, um den Bach trockenen Fußes überqueren zu können. Anwohnerin und Fraktionsmitglied Stephanie Bosch machte es vor: Mit einer langen Leiter, die von Ufer zu Ufer gelegt wird, können sich Anwohner künftig auf allen Vieren von einer Seite zur anderen hangeln.

"So wird das bei Alpenwanderungen auch gemacht"

„So wird das bei den Alpenwanderungen immerhin auch gemacht, wenn man eine Gletscherspalte überqueren möchte“, wusste die viel gereiste Bad Laaspherin. Wem das zu langweilig wird, der findet auf der Anwohnerseite eine lange Holzstange. Mit ausreichend Anlauf und im richtigen Winkel muss diese Stange in der Mitte des Flussbettes eingestochen werden, um sich wie beim Stabhochsprung auf die andere Seite schwingen zu können. Für das Wabach-Bad entwickelten Anwohner und Fraktionsmitglieder eine besonders schmucke Lösung: mit einem zweiten Eingang des Bades in „Nachbars Garten“ könnten sämtliche Privatstege zu attraktiven Mautstraßen umfunktioniert werden, um neue Gelder für die Errichtung einer öffentlichen Fußgängerbrücke zu generieren. Der „Wallacheier Bürgermeister“ Rüdiger Pfeifer gab zu bedenken, dass die Anwohner bereits im Sommer mit einer Abordnung im Rathaus vorstellig geworden seien.
Die Antwort beschränkte sich darauf, dass „diverse Vorschriften gegen eine einfache Lösung und damit gegen einen kurzen Dienstweg sprächen“, was den Traum einer „stinknormalen Holzbrücke“, wie Stephanie Bosch es im Namen aller Anwohner zusammenfasste, erneut verblassen ließ. „Wir lassen jedenfalls nicht locker und stehen wieder auf der Matte, sobald es geht“, betonte Rüdiger Pfeifer. Kreative Lösungen zur Umsetzung des Problems existieren immerhin zur Genüge.

Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

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