Musical-Geschichte auf dem Stundenplan

Hesselbacherin Sarah Unterderweide besucht Schule für Gesang, Tanz und Schauspiel

JG Hesselbach. Auf den Tag genau an Heiligabend vor zwei Jahren berichtete die Siegener Zeitung von Sarah Unterderweide. Die 17-jährige Hesselbacherin war damals Schülerin des Städtischen Gymnasiums in Bad Laasphe, hatte gerade ein paar desillusionierende Erfahrungen mit Casting-Shows des Privat-Fernsehens gesammelt und war sich danach in zwei Punkten sicherer denn je. Erstens: »Ich will gar kein Superstar werden.« Aber zweitens: »Ich will Sängerin in einem Musical werden.« Und das ist das Beeindruckende bei ihr. Sie möchte einen scheinbar unerreichbaren Traumjob haben, wie viele andere auch – aber sie tut dann auch etwas dafür, schätzt bei alledem ihre Chancen und Perspektiven sehr gelassen ein und verliert trotzdem nicht den Glauben an sich selbst und an ihren Traum.

»Erste Aufnahmeprüfung bestanden«

Und dann kommt noch ein Beitrag aus der Deutschen-Sprichwort-Abteilung hinzu: »Ohne Fleiß keinen Preis«. Nach ihrem Abitur – und ihrem Auftritt in der vielbejubelten Aufführung von »Miami Nights« am Städtischen Gymnasium bewarb sie sich um einen Platz an der Bochumer Constantin-Schule für Gesang, Tanz und Schauspiel. Sie sang jeweils ein Lied aus »Phantom der Oper« und »Hochzeit des Figaro« und sprach einen Monolog aus »Kabale und Liebe« und absolvierte ein zweistündiges Tanztraining – und wurde am Schluss angenommen. Singen und tanzen, das kennt sie inzwischen: »Da hatte ich ein gutes Gefühl.« Aber das Rezitieren des Monologs sei eine Premiere gewesen, da sei sie sich ein bisschen unsicher vorgekommen. Die Prüfungskommission hat es anders wahrgenommen, von den zwölf Leuten ihrer Gruppe wurden drei angenommen – sie gehörte dazu. »Das war meine erste echte Aufnahmeprüfung und es hat gleich geklappt«, ist die mittlerweile 19-Jährige stolz.

»Ich hatte wahnsinnig Muskelkater«

Und so hat die Wittgensteinerin ihre Studentenbude in Bochum bezogen und geht wieder zur Schule – wo allerdings neben Englisch ganz neue Fächer auf dem Stundenplan stehen: Tanz-Technik und -Improvisation, Schauspiel, Einzel- und Chorgesang, Lied-Interpretation, Musical-Geschichte, Atem-Anatomie, Gehörbildung und Harmonielehre. Morgens um Neun geht es los, abends um Fünf oder Sechs ist Feierabend – Hausaufgaben gibt es an dieser Schule allerdings auch. Wobei die 19-Jährige nach der ersten Woche mit ganz vielen Liegestützen, Stretching und Sit-Ups mit einem ganz anderen Problem kämpfen musste: »Ich hatte wahnsinnig Muskelkater.« Doch von Weinerlichkeit keine Spur: »Das war genauso, wie ich's mir vorgestellt hatte.«

Das Ensemble wird am Anfang stehen

Angelegt ist die Ausbildung zunächst einmal auf zwei Jahre, ein drittes Jahr darf man dann nur absolvieren, wenn die Noten gut genug sind. Im letzten Jahr werden die Techniken verfeinert, außerdem gibt es Tipps, wie man sich später als freier Künstler im Dschungel des Alltags durchschlagen kann. Wobei Sarah hofft, in dieser Zeit vielleicht auch schon mal hier und da als Ersatzfrau Bühnenluft zu schnuppern, oder in einer der unzähligen Seifenopern. »Ich wollte auf keinen Fall bei »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« alt werden. Aber ein Einblick in diese Arbeit wäre auf jeden Fall interessant.« Doch letztendlich ist es weiterhin die echte Bühne, die Sarah anzieht, wobei sie weiß: »Mir ist klar, dass ich erstmal in einem Ensemble anfangen muss.«

Schritt auf die Bühne – und alles ist gut

Zur Bühne gehört das Lampenfieber, auch das kennt Sarah. Sie erinnert sich an so manches Zittern hinterm Vorhang, »aber wenn ich einen Schritt auf die Bühne gemacht habe, dann ist das alles weg und es geht richtig los«. Damit der Gang auf die Bühne jedoch noch unbefangener wird, gibt es jeden Monat eine Präsentation der Klasse, zu der 13 Frauen und vier Jungs gehören. Im nächstälteren Jahrgang sind es dann acht Leute, im Abschlussjahrgang nur noch drei.

»Kartenabreißerin im Starlight Express«

Diesen zu erreichen ist das nächste Etappenziel von Sarah, das sie fest im Visier hat. Dabei ist ihr allerdings klar, dass bei allem Engagement auch Glück dazu gehört. Glück, dass sie bisher schon gehabt habe. »Wenn meine Eltern, mein Freund und mein Bruder mich nicht so unterstützen würden, dann ging das alles gar nicht.« Glück sei es auch gewesen, dass sie mit Barbara Pinnig genau die richtige Sportlehrerin an ihrer Schule gehabt habe. Ansonsten heißt der ganz große Wunsch von Sarah Unterderweide, genau wie vor zwei Jahren: »Einmal mit dem Starlight Express über die Bühne rollen – das wär's.« Und rein geographisch ist sie dem Musical, das ihn Bochum gespielt wird, ja auch schon deutlich näher gekommen. Als Nächstes will sich die zielstrebige Hesselbacherin allerdings erst einmal bemühen, Kartenabreißerin beim Starlight Express zu werden…

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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