Musik auf ganz hohem Niveau

Chöre aus Oberndorf/Rüppershausen und Solist Günter Bätzel brillierten

Rüppershausen. Der Abend des 22. September hat Musikgeschichte über Wittgenstein hinaus geschrieben. Das dieses musikalisch hohe Niveau von allen Mitwirkenden gehalten wurde, war nicht zuletzt dank der beiden Dirigenten Jens Schreiber und Günter Gerhardt (Posaunenchor Hesselbach) zu verdanken.

Das umfangreiche, gut gestaltete Programm teilte sich in mehrere Abschnitte, geistliche Musik, Volksmusik, volkstümliches Liedgut, Kunstlieder und Musik aus fernen Ländern, in verschiedenen Sprachen. Die Mitwirkenden waren der MGV Oberndorf/Rüppershausen, der Frauenchor sowie die Solisten Günter Bätzel (Bariton) und Harald Schmidt (Klavier). Nach Eröffnungschorlied und Begrüßung durch den Vorsitzenden Günter Bätzel stieg dieser mit dem geistlichen Lied »Selig sind, die Verfolgung leiden (um der Gerechtigkeit willen) aus »Der Evangeliman« von Wilhelm Kienzl in den musikalischen Galaabend ein. Man meinte, einen Evangelisten zu hören. Vom Sinn her so passend folgte der Männerchor mit »Wanderers Nachtlied«: In allen Wipfeln ist Ruh... Darauf trat der gut geschulte Posaunenchor mit drei von Inhalt und Gehalt passenden Instrumentalstücken hervor, wobei er das für einen Posaunenchor äußerst schwierige »Air« aus der 3. Orchester-Suite von J.S. Bach bewundernswürdig meistere.

Der Frauenchor Rüppershausen, nicht wiederzuerkennen in seiner geschulten Gestalt (was hat Jens Schreiber nur aus ihm gemacht?), fügte sich nun nahtlos ins Repertoire ein. Herausragend »Hebe deine Augen auf« (Mendelssohn Bartholdy) von dem Quintett Verena Dreisbach (1.Sopran), Andrea Bender, Monika Treude (2. Sopran), Gudrun Zydek und Heidi Homrighausen (Alt). Das war professionell wiedergegeben. Nach der Pause ging es mit einer wohlgestalteten Andachtsmelodie von Franz Schubert weiter. Der Männerchor sang den »Abendfrieden« (»Wie schön, o Gott, ist deine Welt«). Es folgte der achtstimmige Chorsatz »Es waren zwei Königskinder« (Willi Giessen), ehe Günter Bätzel als Solist in »Kein schöner Land« auftrat, zwei Werke, die zu Kunstliedern umgestaltet, in diesen Fassungen leider kaum zu hören sind. »Lauf Jäger lauf« (Wilhelm Heinrichs) war witzig und spritzig, eine gesanglich köstliche Humoreske. Der Tusch von drei darauf folgenden Melodien des Posaunenchors hatte zwar Glenn-Miller-Niveau, doch musizierten die Hesselbacher Posaunen nuancierter, ausdrucksfähiger, sensibler und mit weniger Nonchalance, was auch die Anpassung der 15 Mitglieder an die gegebene Räumlichkeit betraf. Eine Zugabe wurde herbei applaudiert, konnte man doch so noch nicht die Instrumentalisten entlassen. »Highland Cathedral«, ein gestrafftes, ernsteres Werk verfehlte seine Wirkung nicht.

Zum Abschluss knisterte es, als eine abenteuerliche Reise ins Ausland mit den unterschiedlichen Mentalitäten und dargebotenem Liedgut folgte. Von acht Weisen waren sieben mit Günter Bätzel als Solisten besetzt. Harald Schmidt, ein Profi seines Fachs, begleitete den längst professionellen Sänger am Klavier. Es gibt Situationen, wo die Sprache verstummt, weil sie zerpflücken würde, was sie vom Gesang als Ganzes, mit den Ohren aufgenommen, im Gemüt verarbeitet. Das betrifft nicht nur den überdurchschnittlichen Baritongesang bis hin zu Tenorklängen von Bätzel, sondern auch sein Einfühlungsvermögen ohne billigen Pathos in die jeweilig unterschiedlichen Werke. »Hast du da droben vergessen auch mich« (Wolgalied aus der Operette »Der Zarewitsch« von Lehar) war ein Gebetsgesang und übertraf alles bis dahin Gehörte. Die italienische Volksweise »La Montanara« mit Chor und dem Solisten Bätzel, war ein Novum, traf ins Mark und gehörte ebenso wie »Granada« und andererseits »Ol’ Man River« und »All Night, All Day«, einem Spiritual, bei dem Bätzel den Vorsänger abgab, zu den überzeugenden Darbietungen.

Obwohl auch der Chor hervorragend sang, war es eine Geste, die von Herzen kam, als er mit dem Publikum gemeinsam jeweils nach jedem solistischen Vortrag von Bätzel von der Bühne aus applaudierte. Als am Schluss der gestrenge Musikdirektor a.D. Karl-Heinz Goßmann aufs Podium eilte, um nach dem Applaus für alle zu einem extra Beifall für den Solisten Bätzel zu animieren, endete ein gelungenes Musikereignis.

G. B.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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